Panikmache oder echte Bedrohung: Sind 5G-Strahlen gefährlich?

Der 5G-Ausbau schreitet voran und Kritiker stellen erneut die Frage nach der Gesundheitsgefahr der Mobilfunkstrahlen.
Der 5G-Ausbau schreitet voran und Kritiker stellen erneut die Frage nach der Gesundheitsgefahr der Mobilfunkstrahlen.(© 2019 Getty Images)

5G ist derzeit einer der größten Techniktrends und gilt als Basis für viele weitere Innovationen. Dementsprechend wird es von Technik-Fans herbeigesehnt und von der Politik gefordert. Doch es gibt auch Kritiker. Die fürchten ein Gesundheitsrisiko durch neue Frequenzen und eine stark steigende Anzahl an Sendestationen. Tatsächlich fehlen aber Kritikern sowie Befürwortern belastbare Studien. Die Frage, die im Raum steht: Sind 5G-Strahlen gefährlich?

Game-Streams aus der Cloud, VR-Anwendungen, vernetzte Autos, Industrie 4.0: Beispiele, was mit der nächsten Mobilfunkgeneration 5G alles möglich ist, hat man die letzten Jahre genug gehört und auch schon im kleinen Rahmen auf Messen oder in Testnetzen ausprobieren können. Doch Mitte des Jahres wurde 5G dann plötzlich auch in Deutschland sehr schnell konkret. Ende Juni ging die Versteigerung der Frequenznutzungsrechte für 5G durch die Bundesnetzagentur zu Ende.

Die vier Netzbetreiber 1&1 Drillisch, Telefónica, Telekom und Vodafone ließen sich ihre Anteile am 5G-Kuchen insgesamt 6,55 Milliarden Euro kosten. Mit den ersten 5G-Smartphones im Rücken soll die neue Technik 2020 in Deutschland Fahrt aufnehmen. Doch es herrscht nicht eitel Sonnenschein, Kritiker von 5G weisen auf Gesundheitsgefahren und ein Risiko durch Handy-Strahlung und fehlende Studien hin.

5G-Stopp gefordert

Die Umwelt- und Verbraucherorganisation zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung "diagnose:funk" bündelt die Kritik an 5G. Ihre Forderungen sind klar: Erstens, ein Aufschub beim Aufbau von 5G-Mobilfunk und zweitens eine von unabhängigen Wissenschaftlern erstellte Technikfolgenabschätzung. Das zentrale Argument der 5G-Gegner ist die Gesundheitsgefährdung. Oft zitiert wird dazu eine Einschätzung von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die schon 2011 Mobilfunk als "möglicherweise krebserregend" einstuften.

Die Kritiker berufen sich auf knapp 500 Studien zu dem Thema, die ihr unter EMFdata.org einsehen könnt. Wissenschaftlich eindeutig nachgewiesen konnte die Gesundheitsgefahr durch Mobilfunkstrahlung allerdings bislang nicht. Es bleibt also beim "möglicherweise krebserregend", was implizit eben auch heißt: "möglicherweise nicht krebserregend". Mit dem Auf- und Ausbau von 5G-Netzen befürchten Kritiker aber eine zusätzliche Strahlenbelastung für den Mensch, weil zum flächendeckenden Betrieb mehr Basisstationen nötig seien.

5G-Technik im Detail

Doch der Reihe nach: Der technische Unterschied von 5G zu seinen Vorgängern besteht unter anderem darin, dass für den neuen Standard auch neue Frequenzbereiche nutzbar gemacht werden sollen. Dabei kann man diese grob in zwei Gruppen einteilen: Niedrige und hohe Frequenzbänder. 5G in niedrigen Frequenzbändern deckt die Bereiche 700 Megahertz (MHz), 2 Gigahertz (GHz) und 3,6 GHz ab. Hier sind auch schon die früheren Mobilfunkstandards zuhause und der Bereich um 3,6 GHz gilt zumindest als enger Verwandter mit ähnlicher Wellenlänge.

Bei der Auktion der 5G-Frequenzen in Deutschland ging es 2019 ausschließlich um die Bereiche um 2 GHz (1.920 MHz bis 2.170 MHz) und 3,6 GHz (3.400 MHz bis 3.700 MHz). Die höheren Frequenzbänder für 5G liegen aber in einem komplett anderen Bereich, bei 26, 40 und 86 GHz. Wegen ihrer Wellenlänge spricht man von Millimeterwellen.

5G-Strahlen gefährlich? Das sagt das Bundesamt für Strahlenschutz

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) geht nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht von negativen gesundheitlichen Auswirkungen durch die elektromagnetische Strahlung von 5G aus. Im niedrigen Frequenzbereich beruft man sich dabei auf das Deutsche Mobilfunk Forschungsprogramm (DMF) in dem von 2002 bis 2008 die gesundheitlichen Auswirkungen von Mobilfunk untersucht wurden.

Das Ergebnis: "Innerhalb der gültigen Grenzwerte für Mobilfunksendeanlagen und bei Einhaltung der im Rahmen der Produktsicherheit an Mobiltelefone gestellten Anforderungen gibt es keine bestätigten Belege für eine schädigende Wirkung des Mobilfunks." Diese Einschätzung betrifft auch die bisher in Deutschland vergebenen 5G-Frequenzen.

Klärungsbedarf bei höheren Frequenzen

Doch auch das BfS sieht noch Forschungsbedarf rund um die Millimeterwellen. Zwar geht man davon aus, dass auch in diesen Bereichen unterhalb der bestehenden Grenzwerte keine gesundheitlichen Auswirkungen drohen, es gibt bisher aber nur wenige belastbare Studien. Die Absorption der hochfrequenten elektromagnetischen Felder findet sehr nahe an der Körperoberfläche statt. Mögliche Auswirkungen betreffen laut BfS deshalb eher Haut und Augen, direkte Wirkungen auf oder gar eine Gefahr für innere Organe seien nicht zu erwarten. Weitere offene Fragen ergeben sich laut BfS auch aus der steigenden Zahl der Sendeanlagen.

Streit um das Vorsorgeprinzip

Schaut man genau hin, liegen BfS und 5G-Kritiker gar nicht so weit auseinander, das Bundesamt fordert hingegen keinen kompletten Ausbau-Stopp, wohl aber umsichtiges Vorgehen beim Ausbau. Der soll eng durch Forschung begleitet werden. Von den 5G-Kritikern wird dagegen das Vorsorgeprinzip gefordert: "Strahlenminimierung bei GSM-, UMTS- und LTE-Mobilfunk, Ausbaustopp bei 5G sowie Umsetzung von technischen Alternativen, um mobile Kommunikation gesundheitsverträglich zu machen." Für die Politik geht ein Stopp von 5G dagegen zu weit. Die Anwendung des Vorsorgeprinzips sei "eine zu drastische Maßnahme", sagt Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Beim Handy-Kauf auf SAR-Werte achten

Verunsicherten Nutzern rät das BfS beim Handy-Kauf dazu, einen Blick auf die spezifische Absorptionsrate (SAR) zu werfen, denn auch mit 5G sei das eigene Handy die größte Strahlungsquelle. Was aber nicht vergessen werden darf:  Die Werte bei den erhältlichen 5G-Smartphones liegen kaum höher als bei ihren Schwester-Modellen ohne 5G - und allesamt liegen unter den Grenzwerten.


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