Root unter Android erklärt: Die Wurzel alles Guten

Ein Gespenst geht um in der Android-Welt — das Root: "Wurzel" heißt das übersetzt und es erlaubt den Zugriff auf eigentlich gesperrte Bereiche des Betriebssystems und des Smartphones. Manch praktische App benötigt Root, oftmals wird aber vor dem Rooten und seinen Folgen gewarnt. In unserem Einsteiger-Guide erklären wir Euch, was genau Root-Zugriff bedeutet, wo die Gefahren liegen, wie Ihr davon profitieren könnt und die wichtigste Frage: Wie Ihr ihn bekommt.

1. Root — was ist das?

Um zu verstehen, was Root bedeutet, müsst Ihr Euch vergegenwärtigen, dass das Android OS im Grunde wie ein Computerbetriebssystem aufgebaut ist. Tatsächlich basiert es sogar auf Linux. Daher rührt auch die Begrifflichkeit: Unter Linux wird ein Nutzer, oder besser Systemadministrator, der Zugriff auf alle Systemebenen hat, Root genannt. Und genau das bedeutet Root eigentlich auch unter Android — kompletter Zugriff für Apps auf alle Bereiche des OS.

Ab Werk sind Android-Smartphones nicht gerootet; um zu verhindern, dass unbedarfte Nutzer oder schädlich Apps Zugang zu Bereichen oder Einstellungen erlangen, die bei falscher oder bösartiger Handhabung das Smartphone schaden könnten. Bei vorhandenem Root-Zugriff kann nämlich das installierte Betriebssystem und unter Umständen gar die Hardware (beispielsweise durch Übertakten des Prozessors) beschädigt werden, auch können sich so Malware und Trojaner theoretisch noch leichter im System festsetzen. Aus diesen Gründen "untersagen" die meisten Gerätehersteller das Rooten und drohen mit der Verwirkung der Garantieansprüche für vom Nutzer gerootete Smartphones und Tablets.

Root-Zugriff erfolgreich(© 2014 CURVED Montage)

2. Wozu brauche ich denn dann überhaupt Root?

Wo Schatten ist, da ist auch Licht: Der Zugriff auf vormals gesperrte Systemebenen kann sehr nützlich sein und erlaubt Euch, Apps zu nutzen, die Euer Smartphone verbessern und mit erweiterten Funktionalitäten ausstatten können.

So lassen sich mit Root-Zugriff und entsprechenden Anwendungen beispielsweise fest im System verankerte Apps (zum Beispiel nicht benötigte System-Software oder Hersteller-Bloatware) entfernen. Außerdem könnt Ihr App-Daten beispielsweise mit Helium oder Titanium Backup sichern. Wer tiefer einsteigen möchte, kann mit Root auch bestimmte Dateien verändern oder ersetzen und so beispielsweise die Bootanimation des Gerätes verändern, die Hardware übertakten oder auf erweiterte Gerätfunktionen zugreifen.

Apps, die Euer Gerät je nach Anwendungsfall um sinnvolle Funktionalität erweitern — beispielhaft seien hier Screen Recorder, Rom-Manager, Anruf-Blocker  oder die bereits erwähnten Backup-Tools genannt — und dazu Root benötigen, gibt es im Play Store überdies wie Sand am Meer.

3. Root ist also nützlich, kann aber auch gefährlich sein. Worauf muss ich achten?

Je nach Root-Methode wird auf dem Gerät automatisch ein Superuser-Verwaltungstool mitinstalliert, das den Root-Zugriff für jede App regelt — sozusagen als Türsteher. Sollte diese App nicht auf Eurem gerooteten Smartphone oder Tablet auftauchen, empfehlen wir die manuelle Installation von SuperSU , Superuser von CM oder Superuser von ChainsDD.

Alle drei Apps benachrichtigen Euch als Nutzer jedes Mal, wenn eine App SU- respektive Root-Zugriff anfragt, um entsprechende Erlaubnis und dokumentieren Zugriffe und Anwendungen. So habt Ihr Kontrolle darüber, welche App sich in den eigentlich geschützten Systembereichen zu schaffen machen und lasst im Idealfall natürlich nur diejenigen gewähren, denen Ihr vertraut. Seid aber gewahr, dass Apps die Ihr (möglicherweise gleich dauerhaft) zulasst, in der Folge von Euch unerkannt auf die Systemebene zugreifen. Das kann im Falle einer böswilligen Veränderung der Anwendung — zum Beispiel durch ein nachträgliches Update — theoretisch auch nach hinten losgehen.

Bein einigen Geräten und Herstellern kann erlangter Root auch dazu führen, dass offizielle Firmware-Updates nicht mehr ankommen. Hier muss im Notfall der Root-Zugriff erst wieder beseitigt werden, damit die Aktualisierung heruntergeladen werden kann.

4. Und wie erlange ich nun Root?

Mit Framaroot erlangt Ihr mit nur einem Tipp Root-Zugriff(© 2014 CURVED Montage)

Der einfachste Weg, Root-Zugriff einzurichten, sind sogenannte 1-Touch-Apps: Framaroot oder towelroot können als APK-Dateien auf das zu rootende Gerät geladen und installiert werden (dazu in den Sicherheitseinstellungen von Android die Installation von Apps aus unbekannten Quellen kurzzeitig erlauben) und ermöglichen dann das Rooten per App selbsterklärend und mit nur ein paar Fingerstrichen — im Idealfall, denn diese Apps sind leider nicht mit allen Android-Geräten und führen somit nicht immer zum Root-Erfolg.

Sollte dies bei Euch der Fall sein, dann bleibt Euch nur die händische und deutlich komplizierte Installation von entsprechenden Root-Files über den PC oder Mac, was ähnlich wie das Flashen eines Custom Roms funktioniert und ein gewisses Maß an Kenntnissen voraussetzt. Außerdem sind Vorgang und nötige Dateien für jedes Gerät unterschiedlich, so dass wir an dieser Stelle keine allgemein gültige Anleitung bereit stellen können. In diesem Szenario ist aber Google Euer bester Freund, denn im Netz tummeln sich hunderte Anleitungen für jedes Gerät, das grundsätzlich gerootet werden kann — eine gute Anlaufstelle für Nutzer, die gut Englisch verstehen, ist xda-developers, im deutschsprachigen Bereich ist das Forum android-hilfe mit zahlreichen Anleitungen bestückt.

Möchtet Ihr wegen der oben erwähnten Problematik mit den offiziellen Geräte-Updates oder aus anderen Gründen den Root-Zugriff wieder abstellen, hilft erneut die App  SuperSU aus dem Play Store: Die bietet im rechten Reiter "Einstellungen" ziemlich weit unten die Option "Vollständiges Un-Root" an.

SuperSU ermöglicht das Un-rooten(© 2014 CURVED Montage)

Noch Fragen zum Root offen? Oder habt Ihr ergänzende Hinweise zum Thema? Dann  ab damit in die Kommentare, wir freuen uns auf Euer Feedback.


Weitere Artikel zum Thema
Sony Xperia Z5 und Xperia Z3 Plus: Sicher­heits­up­date für Novem­ber rollt aus
Christoph Groth
Das Sony Xperia Z5 erhält das Sicherheitsupdate für November 2016
Sony rollt ein Update für das Xperia Z5, das Xperia Z3 Plus sowie das Z4 Tablet aus. Im Download inbegriffen: Die Sicherheitspatches für November.
Galaxy S8: Samsung lässt sich "smart AF" paten­tie­ren
Dieses inoffizielle Konzept zeigt ein mögliches Design des Galaxy S8
Samsung will sich die Bezeichnung "smart AF" schützen lassen. Hinter diesem Begriff könnte sich ein Autofokus-System für das Galaxy S8 verbergen.
Kodak Ektra: Kamera-Smart­phone im Retro-Look erscheint am 9. Dezem­ber
Die Rückseite vom Kodak Ektra ist für einen besseren Grip gewölbt
Ein Smartphone für Foto-Freunde: Das Kodak Ektra ist besonders auf die Kamera-Funktion ausgelegt und kommt mit vorinstallierter Bildbearbeitungs-App.