Galaxy S10 Plus statt Mittelklasse: Umstieg mit Hindernissen

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Unser Autor ist vom Mittelklasse-Huawei aufs Samsung-Flaggschiff umgestiegen: Ob das Samsung Galaxy S10 Plus ihn überzeugen konnte?
Unser Autor ist vom Mittelklasse-Huawei aufs Samsung-Flaggschiff umgestiegen: Ob das Samsung Galaxy S10 Plus ihn überzeugen konnte? (© 2019 CURVED)

Bevor der Mensch etwas Neues schätzen lernt, dominiert häufig die Skepsis. Das kann auch bei einem neuen Handy so sein. Ungleich schwerer ist das Ganze jedoch, wenn man vom Huawei P9, einem Mittelklasse-Handy, aufs Samsung Galaxy S10 Plus umsteigt – und damit auf ein echtes Flaggschiff. Ein Erfahrungsbericht.

Während eines Spaziergangs durch das sommerliche Allgäu offenbaren sich schließlich zentrale Stärken und Schwächen beider Handys sehr deutlich. Das Huawei P9 liefert – im Vergleich wohlgemerkt – ein teils unscharfes, fast flimmerndes Bild. Das Samsung Galaxy S10 Plus nimmt Farben und Kontraste auf und ein Ergebnis entsteht, das vielleicht doch jeden Cent wert sein könnte; zumindest, was die Kamera angeht. Lange habe ich mich geweigert, war überzeugt, auf dem richtigen Smartphone-Weg zu sein, doch nun komme ich ernsthaft ins Grübeln. Soll ich künftig doch mehr Geld für ein Handy ausgeben als bisher? Macht es für mich gar Sinn, mein Dogma von der Preis-Leistung zu überwinden und auf ein Flaggschiff umzusteigen?

Beim Anblick des Samsung Galaxy S10 Plus kommen erste Trennungsgefühle auf

Und das alles kam so: Wir saßen eines schönen Tages in der CURVED-Redaktion. Wie eigentlich immer, lag mein etwas in die Monate gekommenes Huawei P9 (eines dieser "Hol dir halt endlich mal ein Neues"-Handys) rechts neben mir, als der Paketbote einen braunen Karton auf meinen Schreibtisch stellte. Der Inhalt war ein Testgerät: das Samsung Galaxy S10 Plus, also das aktuelle Flaggschiff der Galaxy-Reihe. Ich nahm das Handy in die Hand, blickte verstohlen auf mein P9 in seinem zerfledderten Leder-Case – und spürte einen Hauch der Entfremdung. Sind das Trennungsgefühle?, dachte ich. Haben wir uns etwa auseinandergelebt? Kommt ja in den besten Beziehungen vor.

Eines muss man über mich wissen: Ich bin seit Jahren ein überzeugter Anhänger der Preis-Leistungs-Fraktion; bei Lebensmitteln genauso wie beim Sport-Equipment und eben auch bei Handys. Ein iPhone zum Beispiel habe ich nie besessen. Nicht, weil ich grundsätzlich etwas gegen Apple hätte, nein, sondern weil ich immer fand, dass es mein Geld nicht wert war. Ich fand: Andere Hersteller haben auch schöne Smartphones, die obendrein noch deutlich preisgünstiger waren beziehungsweise sind.

Was, dachte ich an besagtem Tag jedoch, wenn es an der Zeit wäre, alte Überzeugungen über Bord zu werfen? Was, wenn es längst überfällig war, vom Preis-Leistungs-Handy beziehungsweise einem Mittelklasse-Phone auf ein echtes Flaggschiff umzusteigen? Schließlich schreibe ich für Curved, ja, schreibe über Handys, darüber, was sie leisten können und was nicht. Ich weiß um Stärken und Schwächen, ganz pragmatisch. Ich weiß aber auch um meine Überzeugungen, ganz emotional.

Galaxy S10 Plus vs. Huawei P9: Currywurst und Drei-Gänge-Menü

An dieser Stelle soll es nicht darum gehen, mein altes P9 ernsthaft gegen das Samsung Galaxy S10 auszuspielen. Wenn wir uns darauf konzentrieren, welches Modell mit welchen Kennzahlen daher kommt, steht der Sieger bereits fest. Die Frage, die ich mir stellte, war eine andere: Gibt es am Ende eines solchen Duells eine echte Klatsche? Also, so etwas wie ein 0-64 bei einer Wasserball-WM. Oder setzt sich am Ende – sagen wir – Borussia Dortmund erwartungsgemäß, aber dennoch knapper als erwartet gegen den FC Augsburg durch? Oder schlägt die Currywurst gar das Drei-Gänge-Menü? Also nicht, weil die Qualität insgesamt besser wäre, sondern weil das eine einfach besser zu mir passt als das andere?

Tatsächlich fühlte sich das Samsung Galaxy S10 Plus beim ersten Mal fremd, ja, falsch an. In dem Sinne, dass ich es sorgfältiger und vorsichtiger anfasste als ich das bei einem Mittelklasse-Handy getan hätte. Dies, dachte ich, könnte ja schon ein erstes und gewichtiges Ausschlusskriterium sein. Denn, klar ist: Ich möchte keine Hemmungen haben, mein eigenes Handy zu benutzen; mir keine Sorgen um einen Nutzgegenstand machen. Das sind Handys für mich eigentlich: Nutzgegenstände, die bestimmte Möglichkeiten eröffnen, also unterwegs online gehen, Nachrichten verschicken, News lesen ohne Zeitung, dergleichen eben.

Für jemanden, der seit jeher auf Flaggschiffe setzt, mag das etwas albern klingen: Aber es dauerte ungefähr eineinhalb Wochen, bis ich die ersten Hemmungen im Umgang mit dem Samsung Galaxy S10 Plus abgebaut hatte und nicht mehr ständig nachfühlte, ob es sich tatsächlich noch in meiner Hosentasche befand. Währenddessen fiel es mir ein einziges Mal herunter – und ich war dem Herzinfarkt nahe. Der Sturz ging glimpflich aus, aber wie lange noch? Schließlich bin ich nicht gerade dafür bekannt, Handys besonders pfleglich zu behandeln. Spider-App bei einem Mitteklasse-Handy: ärgerlich. Spider-App bei einem teuren Flaggschiff: katastrophal.

Mein Haus, mein Auto, mein Samsung Galaxy S10 Plus

Da war aber noch etwas anderes: Wer – wie ich – über Jahre das Preis-Leistungs-Verhältnis propagierte, entwickelt eine gewisse Bescheidenheit, was Gegenstände allgemein angeht, Handys im Besonderen. Tatsächlich drehte ich mich in der U-Bahn etwas weg, wenn ich das Samsung-Flaggschiff benutzte. Mehr noch kostete es mich auch noch Überwindung, das Samsung Galaxy S10 Plus einfach vor mir auf den Tisch zu legen – dann nämlich, wenn meine Freunde dabei waren.

Vielleicht kennt der ein oder andere Leser noch diese Sparkassen-Werbung. Darin entbrennt ein kleines Duell, wenn sich beide Protagonisten gegenseitig in der Größe ihres Hauses, ihres Bootes und anderer Dinge übertrumpfen wollen. Dafür knallen sie nacheinander kleine Fotografien auf den Tisch. So ähnlich fühlte es sich an, wenn ich das Flaggschiff vor mir auf den Tisch legte; nur eben, ohne dabei so etwas wie Befriedigung zu empfinden. Meine Freunde nahmen es – selbstredend – gelassen und interessierten sich ganz unaufgeregt fürs Samsung Galaxy S10 Plus. Edles Design, hervorragende Performance, Keramikgehäuse, … Keramik? Ja, Keramik – lass uns über etwas anderes sprechen.

Galaxy S10 Plus: Wenn das Flaggschiff für Glücksgefühle sorgt

Gut drei Wochen hatte ich beide Handys in meinen Hosentaschen herumgetragen. Die meiste Zeit war der Himmel grau und auch sonst war mir kaum ein gutes Motiv untergekommen, um die Bildqualität beider Smartphones gegenüber zu stellen. Dass das Samsung Galaxy S10 Plus hier das potentere Handy sein könnte, war ohnehin klar.

Beim eingangs erwähnten Spaziergang war es dennoch so weit: eine graue Kneipp-Anlage, in der ein laues Lüftchen für kleine Wellen auf dem Wasser sorgte; das Grün der Büsche und Bäume drumherum; ein strahlend blauer Himmel; das Sonnenlicht, das durch die Blätter drang; eine Lichtung, hinter der Häuser in unterschiedlichen Formen standen. Das Ergebnis: eindeutig – und extrem beeindruckend, wenn man beide Bilder gegenüber stellte.

Tatsächlich war dies der Moment, in dem ich wirklich ins Grübeln kam. Die Bildqualität des Samsung Galaxy S10 Plus mit meinem alten P9 direkt zu vergleichen, löste regelrechte Glücksgefühle in mir aus. Ein Bedürfnis obendrein, auf Motivjagd zu gehen, tage- und nächtelang, und zu wissen, dass der Akku dabei lange durchhält. Setze ich künftig auf Flaggschiffe? Noch bin ich unsicher, aber ich werde weiter darüber nachdenken – bei dem ein oder anderen Spaziergang.r

Habt auch ihr ein Preis-Leistungs-Handy gegen ein Flaggschiff eingetauscht – oder andersrum? Seid ihr eher Team Preis-Leistung oder Team Flaggschiff? Schreibt uns eure Erlebnisse und Erkenntnisse gerne an redaktion@curved.de. Die besten Zuschriften werden zeitnah in einem Folge-Artikel veröffentlicht.


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