Smart Home Trends 2020: Was wir bei der IFA 2019 erfahren haben

Türschloss mit Smartphone öffnen? In Deutschland eher noch kein Thema.
Türschloss mit Smartphone öffnen? In Deutschland eher noch kein Thema.(© 2019 Getty Images)

Bei der IFA 2019 waren nicht nur riesige 8k-Fernseher ein echter Blickfang. Aufgefallen sind auch Smart-Home-Produkte so weit das Auge reicht. Wir haben uns ein paar Gadgets angeschaut und Experten gefragt, wo es mit Smart Home im nächsten Jahr hingeht.

Smart Home wird aus vielen Gründen gekauft. Einer Studie des Statistik-Portals Statista zufolge kaufen sich 56 Prozent die Produkte, da sie den Komfort-Faktor schätzen. Ganze 49 Prozent wollen die Sicherheit ihrer vier Wände erhöhen, 38 Prozent ihr Heiz- und Stromkosten senken. Spaß, Entertainment und Umweltschutz gibt rund jeder fünfte Smart-Home-Anwender an.

Gleich am Eingang der IFA steht der CityCube. Darin veranstaltete Samsung auf der IFA 2019 quasi seine eigene Messe – die ganze Halle gehörte den Produkten des südkoreanischen Herstellers. Der hatte einen Querschnitt seiner gesamten Produktpalette ausgestellt, und von allem natürlich das Neueste dabei. Unter anderem ein Connected Living House. Und der Fokus der Anwendungen? Der lag ganz klar auf Komfort.

Smart Home Konzepte mit kleinen Lösungen für jedermann

Das ausgestellte Tiny House war jedoch nicht unbedingt das "Wohnkonzept von morgen", es sollte vielmehr zeigen, wohin sich Smart Home in den nächsten Jahren entwickeln könnte. Nächstes Jahr wird nicht das Jahr des von Samsungs SmartThings-vernetzten "Cabon One", wie es die Ausstellung möglicherweise nahelegen könnte. Vielmehr gehe es darum zu zeigen, was eigentlich möglich ist. Um eine Inspiration: Ihr sollt euch selbst zusammenstellen können, was ihr eigentlich braucht.

In die gleiche Richtung gehen die Hersteller Hisense, gorenje, ASKO und VIDAA U. Die zeigen anhand einer großflächigen Grafik, wie ihr euer Zuhause vernetzen könnt. Ob Temperaturregler im Schlafzimmer, smartes Türschloss oder Alexa-Integration, die euren Ofen vorheizt, wenn ihr sie in der Nähe eines Alexa-Hubs darum bittet – vernetzt werden kann, was ihr vernetzen wollt.

Sicherheit mithilfe des Smart Home

Den Fokus auf Sicherheit legen EZVIZ. Die Consumer-Sparte des Sicherheitssystem-Herstellers Hikvision bietet eine Vielzahl an smarten Sicherheitslösungen für euer Zuhause. Ihr Motto: Konkrete Lösungen anstelle abstrakter Zukunftsvisionen. Das Thema Sicherheit sei besonders handfest, und so die Schwelle besonders niedrig, sich ein entsprechendes Produkt zuzulegen.

EZVIZ bietet beispielsweise eine kleine Einsteigerlösung, bestehend aus drei Kameras und einer Basisstation, die um die 400 bis 500 Euro kostet. Apropos Basisstation: Die schließt ihr direkt per Kabel ans Netz an und entlastet so euren WiFi-Router. Gespeichert werden die Aufnahmen übrigens lokal auf einer SD-Karte in der Kamera, mithilfe einer Basisstation oder in der Cloud, die allerdings kostenpflichtig ist. Damit die Basisstationen funktionieren, auch wenn das WLAN mal den Geist aufgibt, verfügen sie über ein LTE-Modul, wofür ihr eine SIM-Karte braucht.

Produkte wie eine farbige Nachtsichtkamera oder eine Überwachungskamera, die erst bei Körperwärme reagiert, sind in dem Bereich wohl eher für den anspruchsvollen Anwender – Produkte wie ein smartes Türschloss, das zum Beispiel per Fingerabdruck öffnet, sei in Deutschland momentan eher uninteressant. Eher kommen laut Hersteller Lösungen wie eine smarte Klingel infrage – mit Kamera, anhand der ihr seht, wer eigentlich vor der Tür steht, sowie einer Gegensprechanlage.

Was können wir erwarten?

Wo geht es nächstes Jahr also hin? Egal ob Sicherheit oder Komfort – das Angebot wächst und wird immer breiter. Fluch und Segen zugleich ist die Vielzahl an denkbaren Anwendungsmöglichkeiten, doch die Hersteller versuchen euch mit pragmatischen Ansätzen und eindrucksvollen Demonstrationen die Optionen zu zeigen, so wie in Samsungs Tiny House.

Zudem ist Smart Home auch immer eine Kompatibilitätsfrage. Ob ihr Amazons Alexa, Google Assistant oder Apples Siri nutzen wollt – der Trend geht auf jeden Fall dahin, dass ihr die Smart Home Produkte unabhängig davon nutzen könnt. Allerdings liefert jeder Hersteller eigene Apps, und ob ihr mit nur einer App auf dem Smartphone auch wirklich alle Geräte unter einen Hut bekommt, steht auf einem anderen Blatt.

Stichwort Kompatibilität: die große Herausforderung

In punkto Kompatibilität solltet ihr auch bei den sogenannten Hubs zukünftig aufmerksam sein. Diese Stationen funktionieren ähnlich wie euer WLAN-Router, nur dass ihr den Wechsel von einem Hub zum anderen nicht spürt. Würdet ihr zwei WIFI-Router nutzen, würde sich zum Beispiel euer Smartphone immer neu verbinden. Per App steuert ihr dann den Hub an, der mit kompatiblen Produkten verbunden ist.

Gerade in Zeiten, in denen die Hersteller sich mit eigenen "Ökosystemen" aufstellen, könnte sich herauskristallisieren, dass ihr euch künftig zwischen Apple-, Samsung-, oder auch Huawei-Systemen und anderen Marktteilnehmern entscheiden müsst, die wiederum jeweils mit anderen Geräten kompatibel sind.

Hier kommt es auch auf die Hersteller an: Gehen sie den Weg des "geschlossenen Systems" oder versuchen sie, die Lösungen möglichst "offen" zu gestalten? Wie sich die Kräfte dort formieren, und welche Chancen es für kleinere, auf einen spezialisierten Teilbereich fokussierte Anbieter gibt, wird sich erst noch herausstellen müssen.


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