Darum haben so viele Flüchtlinge ein Smartphone

Peinlich !158
Refugees welcome
Refugees welcome(© 2015 CC: Flickr/Caruso Pinguin)

Bei CURVED geht es nur selten politisch zu. Ok, von den Smartphone-Kriegen einmal abgesehen. Doch seit Wochen halten sich hartnäckig Gerüchte darum, wie sich denn all die angeblich bettelarmen Flüchtlinge Smartphones leisten können. Nach dem Motto: Wer sich ein Smartphone leisten kann, dem kann es so schlecht nicht gehen. Geht's noch? Der Versuch einer Erklärung.

Erst einmal: Nein, die Bundesregierung versorgt Flüchtlinge bei der Einreise nach Deutschland nicht standardmäßig mit einem Smartphone und einer Flatrate. Welcher Aluhutträger auch immer Euch diesen Blödsinn erzählt hat: Vergesst es! Fakt ist: Die meisten Flüchtlinge besitzen tatsächlich Smartphones. Für die meisten dürfte es auch der einzige Besitz von Wert sein. Und zudem der einzige Besitz, der sich problemlos mitnehmen lässt, wenn alles andere zurückbleiben muss.

Eine Flucht ohne Handy ist kaum möglich

Offenbar scheint es für den Otto-Normal-Deutschen so unverständlich zu sein, dass sogar schon die Stadt München auf ihrer Homepage dazu eine Erklärung abgegeben hat. Im Wortlaut heißt es dort:

"Die Kommunikation erfolgt zwischenzeitlich auf der ganzen Welt vor allem über Mobiltelefone. Flüchtlinge brauchen Handys, um mit ihren Angehörigen und Familien in der Heimat Kontakt aufzunehmen. Außerdem ist es ohne Handy kaum möglich, die lange und oftmals gefährliche Flucht aus den Krisengebieten nach Europa zu schaffen."

Und wie können die sich die ganzen Roaminggebühren leisten? Eine Minute nach Afghanistan etwa kostet schon 10 Cent. Ganz einfach: Sie telefonieren, wie wir mittlerweile auch in den meisten Fällen, über VoIP: mit Viber, WhatsApp und Co.. Dazu nutzen sie das WLAN. Oder sie verwenden Messenger, um Angehörigen in der Heimat zu schreiben, wo sie sich befinden und wohin die Reise geht. Gerade für die Orientierung in einem fremden Land ist das Smartphone mit GPS enorm wichtig. Mehr noch: "Viele Flüchtlinge nutzten die Mobilfunkgeräte auch, um sich online die deutsche Sprache beizubringen", erklärt Marisa Lückemann, Asylsozialberaterin bei der Regensburger Caritas gegenüber der Mittelbayrischen Zeitung.

Günstige Modelle für Entwicklungsländer

Bleibt noch die Kostenfrage, die allerdings schnell geklärt ist: Der Smartphonemarkt in den Schwellen- und Entwicklungsländern boomt. In Afrika etwa verfügen nur die wenigsten Einwohner über einen Festnetzanschluss, dafür steigt die Zahl der Smartphonenutzer rasant. Hat 2002 nur rund acht Prozent der Ghanaer ein Smartphone, waren es 2014 bereits rund 83 Prozent. In Ländern, in denen Computer nicht zur Grundausstattung gehören, sind Smartphones mitunter das günstigste Mittel, ins Internet zu gelangen und mit anderen über längere Entfernungen zu kommunizieren und Geld zu überweisen.

Zudem bringen die großen Hersteller von Smartphones für Afrika und den Nahen Osten abgespeckte Versionen ihrer Geräte auf den Markt. Schon zum Mobile World Congress 2014 schrieben wir, dass die Tech-Riesen die Entwicklungsländer für sich entdecken. Nokia stellte zu dieser Zeit die preisgünstige X-Serie vor und Firefox präsentierte das 25-Dollar-Smartphone. Auch Huawei vertreibt in Afrika preiswerte Smartphones. Intel verkauft dort die günstigen Yolo-Smartphones. Zudem verfolgt Google mit Android One ähnlich hehre Ziele und will "die restlichen fünf Milliarden" günstig ins Netz bringen. Das heißt auch: Die meisten Flüchtlinge erwerben die Smartphones bereits in ihrem Heimatland. In seltenen Fällen handelt es sich auch um Sachspenden von Anwohnern.

Fassen wir also zusammen: Flüchtlingen geht es nicht so prächtig, wenn sie ein Smartphone besitzen. Das Gegenteil ist der Fall.


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