DB Zugradar: Digitales Trainspotting

Die Bahn erweitert ihre App-Familie um den DB Zugradar. Damit sieht man auf einer Landkarte die aktuelle Position aller Fern- und Regionalzüge. Der praktische Nutzen ist übersichtlich, doch die Technik begeistert. 

Wo ist der Zug jetzt im Moment? Schaffe ich es noch Blumen zu besorgen und meine Liebste dann pünktlich am Bahnsteig zu begrüßen? Wichtige Fragen in Fernbeziehungen, wenn der Partner mit dem Zug anreist.

Die Deutsche Bahn erweitert Ihre App-Familie dafür um den DB Zugradar. Die App für digitales Trainspotting gibt es für iOS, Android und Windows Phone 8. Es gleitet ein roter Punkt über eine schwarz-weiße Linie in der Landkarte: Cool, man schaut einem Zug bei der Fahrt zu! Derartige Apps kennt man für Flugverbindung oder den Taxi-Ruf. In meiner Technikbegeisterung blicke ich auch beim Zugradar fasziniert auf das Display. Bis vor wenigen Jahren waren derartige Gadgets ausschließlich James Bond vorbehalten...

Doch wer nun meint, seinen ICE per GPS zu tracken, der irrt. Die Positionen im deutschen Streckennetz sind das Ergebnis einer Berechnung. Dazu nutzt die Bahn ihren Fahrplan, die Aus- und Einfahrtzeiten in Bahnhören sowie Positionsmeldungen auf der Strecke. Bleibt ein Zug unterwegs zwischen zwei Messpunkten stehen oder verringert die Geschwindigkeit, zeigt die App das nicht sofort an. Die Positionsanzeige ist also eher eine Schätzung als die Abbildung der Wirklichkeit.

Die Position im deutschen Streckennetz ist eher eine Schätzung als die Abbildung der Wirklichkeit

Darum bezeichnet die Bahn den Zugradar auch als Beta-Version. Die Zugverfolgung funktioniert für Fernzüge und Regionalbahnen. In den Einstellungen legt der Nutzer fest, ob neben einem ICE (rotes Icon) und dem IC/EC (graues Icon) auch RE/RB (weißes Icon) angezeigt werden sollen. Die Zugverfolgung funktioniert über die Zoomstufen auf der Landkarte.

Man sucht sich seine Region und zieht den Kartenausschnitt auf, bis man die Züge „fahren“ sieht. Ein Fingertipp auf den Punkt zeigt Zugnummer sowie Ziel an. Zusätzlich lassen sich der letzte und nächste Halt mit aktuellen Zeiten und eventuellen Verspätungen einblenden. Wer einen bestimmten Zug sucht, gibt die Zugnummer ins Suchfeld ein. Natürlich kann man auch nach Start- und Zielbahnhöfen suchen.

Zugegeben, der praktische Nutzen des Zugradars ist übersichtlich. Es ist eher eine Spielerei für Technikverliebte. Ganz neu ist die Funktion auch nicht, bereits seit Sommer 2013 präsentiert die Bahn die Positionsdaten in der Desktop-Version ihrer Webseite. Für Reisende ist der DB Navigator schon nützlicher, denn die App bezieht bei Verbindungsauskünften die Live-Daten mit ein. Damit kann ein Reisender sehen, ob er am nächsten Umsteigepunkt einen verspäteten Zug erwischt, der ihn schneller an sein Ziel bringt.

Außerdem existiert in den Verbindungsdetails der Navigator-App bereits eine Kartenansicht, in der man die Zugstrecke mit allen Stationen sieht. Hier fehlt nur die aktuelle Zugposition in Form eines Punktes. Aber genau darauf dürfte die Bahn zusteuern. Der Zugradar als separate App ist ein Testlauf. Wenn Positionsberechnung und Kundenakzeptanz stimmen, wird die Funktion mit Sicherheit in den DB Navigator übernommen. Bei den digitalen Bahntickets war es nicht anders. Die sind als DB Tickets gestartet und machen heute den DB Navigator zu einem unverzichtbaren Reisebegleiter auf der Schiene.


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