Die Netzteil-Rangliste

Ihr dachtet, Ihr habt alles für Euren Computer gut durchdacht? Doch was ist mit dem Netzteil? Die besten Komponenten sind nichts wert, wenn die Stromversorgung nicht perfekt bereitgestellt wird und leider kann man bei Netzteilen viel falsch machen. Qualität hat ihren Preis, diesen Hinweis möchte ich gleich vorweg nehmen. Doch ich zeige Euch in der Tabelle, dass Ihr auch kein Vermögen ausgeben müsst.

Wie viel Watt brauche ich?

Die Leistung Eures Netzteils hängt von den Komponenten eures Computers ab. Ein Office-PC braucht wesentlich weniger Leistung als ein Gamingrechner. Hauptverbraucher im PC ist der Prozessor und die Grafikkarte. Jedoch erhöht sich auch die Leistungsaufnahme, je mehr Festplatten, Laufwerke und Erweiterungskarten ihr betreibt. Diese nehmen jedoch weniger Leistung auf, als die eben genannten  Komponenten.

Office PC

Moderne Office-CPUs haben oftmals eine maximale Leistungsaufnahme von nur noch 45 Watt. Dadurch wird auch weniger Wärme produziert und die Kühlung fällt so oftmals kleiner und auch leiser aus. Eine Grafikkarte wird häufig durch den auf dem Mainboard enthaltenen onBoard-Chip ersetzt. Dieser kommt auch mit einer geringen Leistungsaufnahme aus. So sollte diese ebenfalls nicht höher als 45 Watt liegen. Zusammen mit den anderen Komponenten nimmt ein durchschnittlicher, moderner Office-Rechner etwa 180-220 Watt auf. So reichen hier Netzteile mit 300-450 Watt Leistung locker aus

Gaming PC

Hier liegt der Bedarf in anderen Dimensionen. Ein Quadcore-CPU braucht teilweise 95-115 Watt. Eine Gaminggrafikkarte schlägt im ärgsten Fall mit 200 Watt Leistungsaufnahme zu. Wenn nun in SLI oder Crossfirebetrieb zwei oder drei dieser Karten zum Einsatz kommen, werden jeweils weitere 200 Wann zu befürchten sein. So benötigt Ihr für einen sparsameren CPU und eine gute Grafikkarte etwa 300 bis 400 Watt Leistung. So sollte die Leistung des Netzteiles zwischen 450 und 600 Watt betragen.

Habt Ihr ein richtiges High-End-System, so liegt der Bedarf gerne bei bis zu 750 Watt, so sollte euer Netzteil 800 oder besser etwa 1000 Watt zur Verfügung stellen.

Warum brauche ich bei 300 Watt Leistungsbedarf ein 450 Watt Netzteil?

Netzteile haben bei unterschiedlichen Auslastungen nie eine Leistungseffizienz von 100 Prozent. Die Auslastung sollte deshalb meist zwischen 20 und 80 Prozent betragen, bei sehr guten Produkten zwischen 10 und 90 Prozent. Sonst kann es zum Leistungsverlust kommen und der Rechner möglicherweise Abstürzen oder Komponenten könnten beschädigt werden.

Bei 300 Watt wäre ein 450 Watt-Netzteil zu 66 Prozent ausgelastet. In diesem Bereich ist die Effizienz am Höchsten. Es kann aber auch passieren, dass die Leistung mal 300 Watt übersteigt und so ist noch genug Reserve vorhanden.  Wie viel Leistung der PC aufnimmt, könnt Ihr mit Hilfe eines Leistungsmessers ermitteln, welchen Ihr zwischen Steckdose und  Stecker des Computers platziert.  So ein Gerät könnt ihr bei Amazon.de oder Conrad.de kaufen, wenn Ihr das möchtet.

Was heißt 80 Plus?

Dies ist ein Zertifikat über die Leistungsstabilität eines Netzteils. Diese Auszeichnung gibt es ohne Prädikat und in Bronze, Silber, Gold und neuerdings Platin. Diese nordamerikanische Initiative testet den Wirkungsgrad bei 20, 50 und 100 Prozent Last. Für 80 Plus muss jeweils der Wirkungsgrad über 80 Prozent liegen, für die anderen Stufenweise erhöht. Für Platinum wären es 90,92 und 89 Prozent für die Teststufen. Ist diese Leistung erfüllt, könnt Ihr sicher sein keine Stromfresser im Rechner zu haben und ein stabiles System zu betreiben, ohne zu zu hohen Wattzahlen greifen zu müssen. Was ihr in der Anschaffung mehr ausgebt, zahlt sich in Qualität und Stromersparnis aus.

Worauf muss ich noch achten?

Wenn Ihr mehrere Grafikkarten betreiben möchtet, braucht ihr oftmals einen 6 oder 6+2 Pin Zusatzanschluss für die Stromversorgung, da der PCIe-16x-Slot nur 75 Watt liefert. So müssen auch so viele Stecker am Netzteil vorhanden sein, da sonst das System so nicht betrieben werden kann.

Zusätzlich ist ein großer Lüfter empfehlenswert, 120 oder 140mm Durchmesser. Erstens befördert er mehr Luft nach außen. Daneben kann er langsamer und dadurch leiser drehen und das spart Euch nervigen Lärm.

Die Kabellänge ist auch entscheidend. Je nach dem was ihr für ein Gehäuse benutzt, können Anschlüsse weit unten liegen und so müssten Kabel vielleicht quer durch den Rechner verlegt werden, was unter Umständen die Kühlleistung mindert. Neben der Kühlminderung können Kabel auch anschmoren, wenn sie heiße Komponenten berühren. Lange Kabel lassen sich notfalls immer noch verstecken und sauber verlegen. Sehr gut kann auch ein Kabelmanagment sein, da hier die überflüssigen Kabel einfach abgezogen werden können und so mehr Volumen für Luft da ist.

Die Rangliste

400-600W
PCIe-Anschluss
Effizienz
Lautheit
Wertung
Preis

Enermax Modu 87+ 500 Watt
2x 6+2 PIN
~89%
~0,15 Sone
1,65
120€

Seasonic X-560
2x 6+2 PIN
~90%
~0,35 Sone
1,66
125€

Be quite Staight Power E8 400Watt 


1x 6+2 PIN
~89%
~0,10 Sone
1,93
50€

650-800W
PCIe-Anschluss
Effizienz
Lautheit
Wertung
Preis

Cougar GX G800
4x 6+2 PIN
~ 90%
~0,8 Sone
1,66
170€

Enermax Modu 87+ 800Watt
6x 6+2 PIN
~91%
~0,5 Sone
1,69
210€

Chieftech Nitro BPS-750C

4x 6+2 PIN
~86%
~1,3 Sone
2,07
90€

800W+
PCIe-Anschluss
Effizienz
Lautheit
Wertung
Preis

Corsair AX850
4x 6+2 PIN
~90%
1,1 Sone
1,67
165€

Enermax Revol. 85+ 1020W
6x 6+2 PIN
~90%
1,3 Sone
1,75
235€

Nesteq E²CS X-Strike XS-850
4x 6+2 PIN
~89%
1,1 Sone
1,82
120€

Natürlich sind die Preis-Leistungs-Sieger wieder fett markiert. Es lohnt sich wie immer, die Preise für die Geräte zu vergleichen. Selbst für 50 Euro bekommt ihr schon ein gutes Netzteil. Ich rate euch aber nicht viel weniger als 45 Euro auszugeben. Ein 600 Watt-Netzteil für 30 Euro würde ich niemals verbauen.

Netzteile der Firma Super Flower sind leider nicht in der Testliste, erhielten in viele Einzeltest jedoch sehr gute Bewertungen und haben einen niedrigen Anschaffungspreis, also Augen auf. Ich wünsche euch viel Spaß beim Basteln und viel Erfolg bei der Wahl.

Diese Rangliste wurde mit Hilfe und Inspiration der PC-Games-Hardware 2/2011 erstellt.