Disneys Reale Remakes: Wie gut ist "Dumbo"?

"Dumbo"-Neuverfilmung: die Zirkuskulissen sind eine Wucht
"Dumbo"-Neuverfilmung: die Zirkuskulissen sind eine Wucht(© 2019 Disney Enterprises, Inc.)

Seit dem Erfolg von Disneys neuen Version des "Dschungelbuch" und "Die Schöne und das Biest" war klar, dass der Mäusekonzern sich mit Realverfilmungen seiner Stoffe nicht zurückhalten würde. 2019 erscheinen gleich drei: Im Juli kommt "König der Löwen", im Mai "Aladdin" und jetzt im März "Dumbo".

Während die beiden ersten aus den goldenen Zeiten der 90er stammen, ist "Dumbo" ein echter Klassiker: Das Original ist von 1941! Zwischen "Fantasia" und "Bambi" erzählte Disney die Geschichte des kleinen, fliegenden Elefanten mir den großen Ohren. Und brauchte damals nur 64 Minuten dafür. Das Remake läuft mit 115 Minuten fast doppelt so lang. Was ist sonst noch anders?

Die Handlung

Florida 1919: Weil er mit nur einem Arm aus dem Krieg zurückkehrt, gibt es für den Trickreiter Holt Farrier (Colin Farrell) in der Manege des kleinen Zirkus keine Arbeit mehr. Um dennoch für seine Kinder Milly (Nico Parker) und Joe (Finley Hobbins) sorgen zu können, nimmt er den Job als Elefantenpfleger an. Und entdeckt eines Tages, dass die neu gekaufte Elefantendame ein Baby bekommen hat. Allerdings hat der Kleine derart große Ohren, dass er kaum laufen kann, weil er ständig darauf tritt – er erhält den Namen Dumbo. Doch während die Farrier-Kinder mit ihm allein sind, bekommt der kleine Elefant aus Versehen eine Feder in den Rüssel, muss niesen – und hebt kurz ab, indem er mit den Ohren schlägt.

Erst will den Kindern niemand glauben, doch während einer Vorstellung sehen alle den fliegenden Elefanten – eine Weltsensation. Schon bald erscheint der reiche Geschäftsmann Vandervere (Michael Keaton), um Zirkusdirektor Max (Danny DeVito) den ganzen Zirkus abzukaufen – samt Dumbo. Vanderveres Freundin und Star Colette (Eva Green) soll mit dem Elefanten eine neue Nummer einstudieren. Doch bald merken die Farriers, dass dem neuen Boss nicht zu trauen ist...

Viel Disney, wenig Burton

Als bekannt wurde, dass Regisseur Tim Burton die Inszenierung von "Dumbo" übernehmen würde, waren Fans überrascht. Denn Tim Burtons Liebe gehörte bislang stets den schrägen Stoffen, mit einer zuckersüßen Disney-Geschichte hätten ihn wohl die wenigsten in Verbindung gebracht. Doch auf den ersten Blick gibt es tatsächlich viel Burton fürs Geld. So hat er mit Michael Keaton und Danny DeVito nicht nur seine Stars aus "Batman" Rückkehr“ wieder vor die Kamera gebracht, sondern mit Eva Green auch seinen Liebling aus jüngerer Zeit dabei. Dazu konnte er seinen Haus- und Hofkomponisten Danny Elfman verpflichten und das Set-Design maßgeblich mitbestimmen – denn "Dumbo" sieht aus wie ein waschechter Burton-Film.

Allerdings gilt das für den Inhalt und die Art der Erzählung weit weniger. Hier hat Disney deutlich mehr auf Nummer sicher gespielt und dem Regisseur allzu schräge Eskapaden offenkundig untersagt. Denn trotz eines recht düsteren Plots, in dessen Verlauf dem armen kleinen Elefanten ganz schön übel mitgespielt wird, bleibt "Dumbo" insgesamt ein sauberer, typischer Disney-Film, bei dem man die kleinen subversiven Momente eines Tim Burton mit der Lupe suchen muss. Es gibt sie – aber viele sind es nicht. Stattdessen klappert der Film säuberlich die meisten großen Szenen des Zeichentrick- Originals ab. Das traurige Wiegenlied der gefangenen Mutter, die ihren Kleinen mit dem Rüssel aus
den Gittern hervor liebkost. Die Clownsnummer mit dem brennenden Haus, bei der Dumbo zum ersten Mal fliegt. Kenner des Originals finden hier jede Menge wieder, selbst die Maus Timotheus, die hier allerdings nur einen Cameo-Auftritt hat.

Unterhaltsam, aber nicht immer packend

Weil Burton im Ton nur selten schräg werden durfte, bekam er dafür für Ausstattung und Tricks umso mehr: Die Sets sind üppig und wunderschön anzusehen. Und die Effekte sind ebenfalls beeindruckend, die Elefanten sehen so real aus wie schon die Tiere im Dschungelbuch. Allerdings sind einige davon schon recht düster für einen Kinderfilm, der "Dumbo" ohne jeden Zweifel sein soll, die Freigabe ab sechs Jahren ist für sehr sensible Kinder eher zu niedrig. Ein wenig von Tim Burton ist also doch im Film gelandet.

Der hätte aber gern ein wenig kürzer ausfallen dürfen, denn die Story trägt über die die knapp zwei Stunden nicht immer. Zudem sind ausgerechnet die beiden Kinder, mit denen sich das Publikum am schnellsten anfreunden soll, relativ blass und nicht sonderlich interessant geraten. Dafür haben die Großen umso mehr Spaß, denn DeVito, Keaton, Farrell und Green erfüllen ihre Rollen mit viel Charme. Besonders Michael Keaton gibt den Schurken wunderbar boshaft. Und so ist "Dumbo" insgesamt nicht der ganz große Wurf, den sich das Publikum – und vielleicht auch Disney – von Tim Burton erhofft hat, aber ein stets unterhaltsamer und besonders im Kino absolut sehenswerter Film – schon aufgrund seiner hohen Schauwerte.

Fazit

Für einen typischen Tim Burton-Film deutlich zu harmlos, für einen Disney fast ein wenig zu düster: Die Realverfilmung von Disneys Klassiker "Dumbo" überzeugt optisch mehr als inhaltlich. Nicht jede Hauptfigur ist wirklich interessant, nicht jeder Handlungsstrang wirklich spannend. Doch die Stars reißen in ihren Rollen viel raus – und die Zirkuskulissen sind eine Wucht. Das kann man sich also gut ansehen!


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