„Marvel's Jessica Jones“ im Check: düsterer, guter Superhelden-Thrill

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Keine typische Actionhelden-Serie: „Marvel’s Jessica Jones“
Keine typische Actionhelden-Serie: „Marvel’s Jessica Jones“(© 2015 Myles Aronowitz/Netflix)

„Marvel’s Jessica Jones“ (oder schlicht „Jessica Jones“) ist nach „Daredevil“ die zweite Netflix-Original-Serie, die im Marvel Cinematic Universe angesiedelt ist. Die Show um die Privatdetektivin mit ganz speziellen Fähigkeiten läuft jetzt in Deutschland an. Wir konnten uns bereits vor dem Release der Serie etliche Folgen ansehen und verraten Euch, ob Ihr Jessica Jones Eure Zeit schenken solltet.

Jessica Jones (dargestellt von Krysten Ritter) arbeitet als Privatdetektivin im New Yorker Viertel „Hell’s Kitchen“ – also dort, wo Daredevil ebenfalls agiert – und setzt im Rahmen ihres Jobs mitunter auch ihre übermenschlichen Fähigkeiten wie zum Beispiel eine gesteigerte Stärke ein. Sie ist im Gegensatz zu den meisten ihrer „Kollegen“ jedoch nicht (mehr) als aktive Superheldin mit Kostüm unterwegs. Jones haust stattdessen in einem heruntergekommenen Appartement mit kaputter Tür und greift gern und häufig zur Schnapsflasche, was nicht zuletzt mit traumatischen Erlebnissen in ihrer Vergangenheit zu tun hat. Im Laufe der ersten Folgen erfahren wir dabei als Zuschauer bruchstückhaft mehr über die Geschichte von Jessica Jones. Ihr aktuelles Leben gerät vollständig Kontrolle als sie mit einer Nemesis aus der Vergangenheit erneut konfrontiert wird.

Kaputte Figuren, gute Darsteller

In „Jessica Jones“ wimmelt es von mehr oder weniger kaputten Typen. Neben der Titelheldin mit einem ernsthaften Alkoholproblem („It’s a lot of booze for such a small woman“) sind dies unter anderem der drogenabhängige Nachbar oder ihre toughe und egoistische Gelegenheitsauftraggeberin, die Anwältin Jeryn Hogarth. Comic-Fans merken an dieser Stelle zwar auf, da sich die Serie hier von ihren Comic-Vorlagen unterscheidet, in denen letztgenannter Charakter ein Mann ist, der geneigte Zuschauer freut sich jedoch über eine exzellente Performance von Carrie Ann „Matrix“ Moss als Jeryn Hogarth. Moss spielt die harte Business-Frau sexy und kühl und empfiehlt sich aufgrund dieser Performance für weitere düstere Serienprojekte (zu sehen war sie in den vergangen Jahren unter anderem in „Vegas“).

Einen besonderen Coup hat man bei Casting der Serie jedoch mit David Tennant als Jones’ Gegenspieler Zebediah Kilgrave gelandet. Kilgrave besitzt die übermenschliche Fähigkeit, andere Personen psychisch zu kontrollieren, wenn sie sich in seiner Nähe befinden und sie zu allen erdenklichen Handlungen bewegen zu können. Während Kilgrave in den Marvel-Comics ein purpurfarbene Hautfärbung besitzt (weshalb er auch als „Purple Man“ bezeichnet wird), wurde in der Serie darauf verzichtet, um nicht Gefahr zu laufen, den Charakter auf der Leinwand lächerlich wirken zu lassen. Lediglich ein Hang zu purpurfarbener Kleidung des Serien-Kilgrave stellt in dieser Beziehung die Verbindung zur Comic-Vorlage her. Tennant beziehungsweise die Kilgrave-Figur tragen nach den ersten Folgen einen wesentlichen Teil dazu bei, die düstere Atmosphäre von Jessica Jones weiter zu intensivieren. Der schottische Top-Darsteller und Marvel-Fan mimt den skrupellosen Psychopathen Kilgrave, für den die Welt ein Selbstbedienungsladen ist, absolut intensiv und sorgt für die prägnantesten Serie-Momente. Durch Kilgrave wird „Jessica Jones“ auch zu einer ziemlichen harten Serie, die nicht allzu häufig durch humorvolle Einsprengsel, wie sie etwa ein fester Bestandteil der meisten Marvel-Kinofilme sind, aufgelockert wird. Hier fliegen nicht nur keine Typen in bunten Anzügen durch die Gegend, hier passieren auch einige wirklich üble Sachen. Kilgraves Fähigkeiten eröffnen den Drehbuchautoren in dieser Beziehung natürlich eine ganz Reihe von Möglichkeiten. Wenn Kilgrave etwa einen Zeitungsverkäufer durch eine kleine Bemerkung dazu bringt, sich einen kochenden Becher Kaffee ins Gesicht zu schütten, ist das für seine Verhältnisse eher noch als „harmloser Scherz“ zu betrachten. Und übrigens: Wer den Ex-Dr.-Who Tennant in einer weiteren tollen Serie sehen will (und zum Beispiel „The Killing“ mag), schaut sich „Broadchurch“ an, das ebenfalls via Netflix verfügbar ist.

Krysten Ritter, das sei darüber hinaus angemerkt, ist als Hauptdarstellerin vermutlich ebenfalls eine gute Wahl und hat für ihre Darstellung bereits erste ziemlich gute Kritiken erhalten. Mich persönlich lässt sie aber irgendwie ein wenig kalt. Die zerrissene, traumatisierte Psyche des Charakters und die damit einhergehende die eigenen Abgründe kaschierende Coolness nimmt man Ritter zwar ab, trotzdem packt mich die Darstellung nicht einhundertprozentig. Ob die Original-Figur gut getroffen ist, kann ich – das muss man fairerweise sagen – dabei allerdings nur bedingt beurteilen, da ich kein Experte für die Comic-Vorlagen bin.

Weniger Action, mehr Finsternis

Die Netflix-Serie Daredevil zeichnet unter anderem durch ihre toll choreographierten Action-Sequenzen aus, von denen einige schon fast Kult-Status erreicht haben. Aber das ist eben auch den Fähigkeiten des Comic-Charakters geschuldet, der sein fehlendes Augenlicht unter anderem durch immense Kampfkunst und Schnelligkeit ausgleicht. In „Jessica Jones“ sind die Action-Sequenzen etwas rarer gesät und weniger imposant, die Serie kommt dafür abgründiger daher. Bereits in den ersten sieben Folgen gibt es einige Überraschungen und Twists, durch die sich die spirale der Finsternis, in der sich die Charaktere befinden, weiter nach oben schraubt. Die weiteren Folgen dürften hier noch einiges mehr zu bieten haben. Nachtaufnahmen sowie düstere Bars und schäbige Apartments als Teile des Settings werden darüber hinaus als Standard-Repertoire genutzt, um eine bedrohliche Schattenwelt-Atmosphäre zu kreieren. Der wahre Horror setzt jedoch ein, wenn Kilgrave sich am helllichten Tag – zum Teil scheinbar willkürlich – in das Leben unschuldiger Menschen drängt, um diese zu seinen Spielzeugen zu machen.

Gespannt, wie es weitergeht…

…sind wir nicht nur in Bezug auf die verbleibenden Folgen von Jessica Jones, sondern auch in Erwartung der weiteren im Marvel-Universum angesiedelten Netflix-Serien sowie des geplanten Crossover-Projektes. Die Marvel-Charaktere Luke Cage (der bereits in Jessica Jones auftaucht) und Daniel Rand alias „Iron Fist“ werden ebenfalls eigene Serien auf Netflix erhalten, darüber hinaus ist im Anschluss eine „Defenders“-Miniserie geplant. Kleine Verweise auf die Avengers-Filme sind bereits in „Jessica Jones“ vorhanden, wenn diese etwa Bemerkungen über den „Big Green Guy“ und den „Flag-Waver“ verweist.

David Tenannt als Kilgrave(© 2015 Myles Aronowitz/Netflix)

Also angucken?

Klar. „Jessica Jones“ ist ein gelungener neuer Teil des Marvel Cinematic Universe mit eigener Identität und hält mit David Tenannt als Kilgrave ein ganz besonderes Schmankerl bereit.

Alle Folgen der ersten Staffel der Serie stehen ab Freitag, dem 20. November, auf Netflix zur Verfügung.


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