Nachruf auf CyanogenMod: Mehr als ein Betriebssystem

Smart138
Dieses Logo werden wir bald nicht mehr sehen: Cyanogenmod wird eingestellt
Dieses Logo werden wir bald nicht mehr sehen: Cyanogenmod wird eingestellt(© 2016 CURVED)

„Cyanogen services shutting down“ – und CyanogenMod wird nicht fortgesetzt, hieß es einen Tag vor Weihnachten auf der offiziellen Webseite von Cyanogen. Wie bitte?! Ein schlechter Scherz? Ich war völlig überrascht. Seit Jahren verwende ich auf allen Smartphones das alternative Android-Betriebssystem.

Verwechselt nicht CyanogenMod mit CyanogenOS. Denn im Gegensatz zur beliebten freien Variante (Mod), ist das OS kommerziell und kaum modifizierbar. Jetzt werden am 1. Januar 2017 aber beide Distributionen nicht mehr mit Updates versorgt. Das Betriebssystem ist am Ende, nur der bisherige Quellcode bleibt bestehen.

Mehr als nur ein Betriebssystem

Während sich andere darüber beschwerten, dass ihr Samsung-und-Co.-Handy mit der Zeit immer langsamer wurde, habe ich nur still in mich hineingeschmunzelt und ihnen erklärt, dass das bei mir nicht so ist. CyanogenMod war für mich mehr als ein Betriebssystem. Es war eine technische Lebenseinstellung.

Aber was hat die CyanogenMod (CM) zu etwas Besonderem gemacht? Für mich war es vor allem der Datenschutzmodus. Sobald eine App Zugriff auf meine Kontakte wollte, konnte ich entscheiden, ob ich mein echtes Adressbuch oder ein komplett leeres senden mochte. So konnte ich Apps benutzen, auch wenn ich mit ihren Berechtigungsforderungen nicht einverstanden war. Normalen Android-Nutzern bleibt da nur der Verzicht oder die Offenlegung persönlicher Daten.

CM war eins der wenigen Systeme, die man komplett ohne Google Apps und Google-Dienste betreiben konnte. Das Smartphone blieb immer schnell, hat meistens super funktioniert (experimentelle Nightly-Builds mal ausgenommen). Und Sicherheitsupdates kamen nahezu sofort, sodass wir oft im Vorteil gegenüber anderen Herstellern waren, die erst "ihr" Android mit haufenweise Zeugs, das kaum einer benutzt, anpassen müssen.

Ich bin sehr traurig, dass ich durch interne Streitigkeiten der Mutterfirma und fehlgeschlagene Kooperationen wie etwa mit OnePlus oder Lenovo auch die Leute betroffen sind, die dem Community-Android viel abgewinnen konnten. Denn die teilweise Hobby-Entwickler haben sich oft den Allerwertesten aufgerissen, um uns Nutzern die aktuellste Version zur Verfügung zu stellen. Das hat das Community-Projekt für mich ebenfalls zu etwas Besonderem gemacht.

Weiter geht's mit Lineage

Das Nachfolgeprojekt "Lineage" (deutsch: "Abstammung") soll zurück zu den Wurzeln des alternativen Betriebssystems gehen. Ich bin gespannt, wie und in welcher Form das passieren wird. Bald wollen sich die Entwickler zu Wort melden und Einzelheiten bekannt geben. Doch bis da etwas Ausgereiftes an den Start geht, das wieder flächendeckend von freiwilligen Entwicklern für alle möglichen Android-Smartphones angepasst wird, dürfte es noch ein Weilchen dauern.

In der Zwischenzeit gehe ich auf die Suche nach einer sinnvollen Alternative, die stabil und im besten Fall mit allen von CM bekannten Vorteilen laufen wird. Paranoid, Replicant, das Blackphone oder etwas ganz Anderes? Wir probieren uns durch! Sobald wir erste Ergebnisse haben, lassen wir es Euch wissen. Denn die Idee eines alternativen Betriebssystems ist nicht tot.


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