Netflix' „Narcos“ im CURVED-Check: ein spannendes, lehrreiches Drogen-Epos

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Wagner Moura spielt Pablo Escobar in „Narcos“
Wagner Moura spielt Pablo Escobar in „Narcos“(© 2015 Netflix/Daniel Daza)

„Narcos“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von Netflix und Gaumont International Television und widmet sich einem ernsten Thema: Im Mittelpunkt der in Kolumbien gedrehten Serie steht die Geschichte von Pablo Escobar und dem Medellin-Kartell, einem der größten Drogen-Netzwerke der 80er-Jahre. Serie und Darsteller haben bereits sehr gute Kritiken erhalten – nicht zuletzt auch aufgrund der Tatsache, dass es in „Narcos“ nicht (nur) um US-amerikanische Helden im Drogenkrieg geht und die Geschichte perspektivenreich erzählt wird. Die erste Staffel von „Narcos“ steht seit dem 28. August auf Netflix zur Verfügung. Wir haben uns die ersten Folgen schon angeschaut.

Schlechte Wortwitze bieten sich leider an, wenn man die Qualität von „Narcos“ (eine Abkürzung für Drogendealer) beschreiben möchte: Die Serie macht ziemlich schnell süchtig. Dabei ist Narcos keineswegs einfache Kost. Die Serie führt gleich zu Beginn sehr viele Figuren ein, wobei die Ereignisse vom DEA-Agenten Steve Murphy aus dem Off kommentiert werden. In der ersten Folge werden wir Zeuge, wie der Geschäftsmann Pablo Escobar (sehr überzeugend gespielt von Wagner Moura) Ende der 70er Jahre beginnt, einen florierenden Kokain-Export nach Miami aufzubauen und dabei immer reicher, mächtiger und rücksichtsloser wird. Die Serie macht deutlich, dass die Schmuggler dabei zunächst wenig zu befürchten hatten: Die Droge Kokain wurde zu diesem Zeitpunkt kaum als Bedrohung wahrgenommen, und Grenz- und Flughafenkontrollen führte man nur mäßig intensiv durch.

Spannend und lehrreich

Hier wird „Narcos“ immer wieder auch zur Geschichtsstunde, wie einige Rezensenten der Serie bereits zurecht bemerkt haben: Der Zuschauer erfährt einiges über die politischen und gesellschaftlichen Zustände im Latein- und Mittelamerika der 70er und 80 Jahre, wobei „Narcos“ gleichermaßen einen kritischen Blick auf die US-Politik im aufkeimenden Kampf gegen die wachsende Bedrohung durch die verheerende Droge wirft. So kommentiert Murphy am Ende der ersten Folge, dass nicht etwa die wachsende Anzahl der Drogen- und Gewaltopfer auf amerikanischem Boden die USA seinerzeit zum Handeln bewegte, sondern die Tatsache, dass durch den Drogenhandel ein immer größer werdender Geldstrom aus den USA nach Kolumbien floss – was man nicht hinnehmen wollte.

Über weite Strecken arbeitet die Serie mit Untertiteln und immer wieder fließen auch dokumentarische Bilder in der Darstellung ein – etwa wenn Nancy Reagan erstmals den berühmten „Just Say No“-Slogan in einer TV-Übertragung äußert. Wie gesagt, „Narcos“ ist keine seichte Unterhaltung. Stattdessen präsentiert die Serie einen intensiven (teilweise fiktionalen) Blick auf ein Stück Zeitgeschichte. Verklärend oder eindimensional ist „Narcos“ dabei zu keinem Zeitpunkt: Pablo Escobar wird als Familienmensch genauso gezeigt wie als skrupelloser, immer brutaler agierender Drogenbaron, der eiskalt unzählige Menschen tötet und töten lässt. "Narcos" beschreibt, wie schwangere Frauen unter Einsatz ihres Lebens als Drogenkuriere missbraucht wurden und Escobar es gleichzeitig schaffte, sich in seiner Heimat als eine Art Volksheld zu stilisieren. Und natürlich: Wenn man als Zuschauer Pablo Escobar intensiv bei seinem Aufstieg begleitet, dann ist das auch einfach packend und spannend, zu unterschwelligen Identifikationsfiguren werden die Drogen-Gangster dabei jedoch nie – dafür strahlt gerade Moura als Escobar in jeder Szene eine nahezu physisch greifbare Kälte aus.

Großes, nahezu fehlerfreies „Kino“

Nach den ersten beiden Folgen lässt sich sagen: An „Narcos“ gibt es eigentlich nichts bemängeln. Natürlich kann einen die Thematik als Zuschauer nicht interessieren oder gar abstoßen, aber als anspruchsvolle Serie ist „Narcos“ tadellos inszeniert. Hier gibt es keine bunten „Miami Vice“-Bilder und keine US-zentristische Sichtweise – stattdessen zeigt „Narcos“ auch kolumbianische Helden im Kampf gegen die Drogen. Die Serie erfasst das Sujet intensiver und facettenreicher als so mancher Kinofilm zu diesem Thema und lässt dabei die Spannung niemals zu kurz kommen. Die Darsteller sind ebenfalls sehr gut bis großartig. Der Brasilianer Wagner Moura als Pablo Escobar etwa ist bekannt aus „Elite Squad“ („Tropa de Elite“), bei dem er ebenfalls mit „Narcos“-Regiesseur Jose Padilha („RoboCop“) zusammengearbeitet hat. Neben Moura stehen zudem Boyd Holbrook als DEA-Agent Murphy und Pedro Pascal („Game Of Thrones“) als kolumbianischer Fahnder Javier Pena.

Fazit

Eine gleichsam unterhaltsame und lehrreiche Serie über einen der schlimmsten Drogen-Dealer aller Zeiten zu schaffen, ohne dabei in die Falle zu tappen, diesen als Identifikationsfigur zu präsentieren oder sich andererseits kritiklos auf die Rolle der Behörden im Krieg gegen die Drogen zu konzentrieren, ist keine einfache Aufgabe. „Narcos“ schafft die Balance auf dem schmalen Grat jedoch mehr als gut und ist schlichtweg ein erwachsenes Thriller-Drama. Alle zehn Folgen der ersten Staffel stehen ab sofort auf Netflix zur Verfügung.


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