Smartphones und die Mär vom Zwei-Tage-Akku

Peinlich !18
Mittlerweile eine Seltenheit: Beim LG G5 lässt sich der Akku herausnehmen
Mittlerweile eine Seltenheit: Beim LG G5 lässt sich der Akku herausnehmen(© 2016 CURVED)

Die Kritik ist immer dieselbe. Und sie ist nur allzu nachvollziehbar: Warum muss selbst das brandneue Top-Smartphone nach einem Tag an die Steckdose? Die Antwort: genau deswegen.

"Mit großer Macht kommt große Verantwortung", hieß es einst im ersten Spiderman. Für die Smartphone-Welt bedeutet das: Mit großen Features kommt großer Stromverbrauch. So ungefähr äußerte sich Dee Strand, Chief Scientific Officer bei Wildcat Discovery Technology, spezialisiert auf Akku-Forschung, auf die Frage, wann denn iPhones endlich nicht mehr jeden Tag an die Steckdose müssten. Die kurze Antwort des Forschers: "Nie."

"Akkus werden besser, aber auch Smartphones werden immer besser"

Und weiter: "Mit jeder Verbesserung bei der Akkutechnologie will der Smartphone-Hersteller neue Features hinzufügen: größerer Bildschirm, größeres Display, mehr Apps, neue Touchscreen-Features und so weiter." All diese Features sind so ausgerichtet, dass das Smartphone durchschnittlich einen Tag lang durchhält, aber spätestens am Abend an die Steckdose muss. "Akkus werden besser, aber auch Smartphones werden immer besser."

Anders formuliert: Wenn Smartphones entwickelt werden, dann orientieren sich Entwickler und Ingenieure an der Akkuleistung. Nicht andersherum. So viel Energie, wie verbraucht werden kann, wird verbraucht. Hinzu kommt der Designfaktor: Um signifikant mehr Kapazitäten bereitstellen zu können, müssten die Hersteller größere Akkus verbauen. Damit verbunden wären Rückschritte bei Design und Gewicht. Fragt Euch selbst: Würdet Ihr ein Smartphone kaufen, dass dicker und schwerer als sein Vorgänger ist?

Wir sind schuld

Die Antwort eines der führenden Akkuforscher während eines Reddit-AMA zielt in erster Linie auf aktuelle Top-Smartphones ab. Natürlich gibt es Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones mit längeren Laufzeiten. Die Erklärung: nicht so hochauflösende Displays, nicht so schnelle und stromhungrige Chipsätze und weniger Features. Wer allerdings in Zukunft auch immer das Neueste vom Neuen in der Hosentasche mitführen will, muss Abstriche bei der Laufzeit machen.

Nun stellt sich die Frage: Warum legen die Hersteller bei ihren Flaggschiffen generell nicht mehr Wert auf eine verbesserte Laufzeit? Gemeint sind hier nicht einige Stunden durch Ultra-Stromsparmodi, sondern eine Verdopplung. Hier sollten wir uns alle mal an die eigene Nase fassen: Bei einem neuen Smartphone verlangen wir nicht weniger als das absolute Maximum an möglichen Specs. Verfügt ein neues Device nicht über den neuen Top-Chip? Frechheit! Nicht das Maximum an Arbeitsspeicher? Frechheit! Und dann noch nicht einmal alle theoretisch möglichen Software-Features? Skandal!

So kriegen wir von den Hersteller genau das, was wir verdienen: pixelpotente Performance-Monster, die um Lichtjahre fortschrittlicher sind als ihre Vorfahren, die Handys. Mit einer Ausnahme: die Akkulaufzeit.


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