Talenthouse: Wo Stars die Crowd arbeiten lassen

Talenthouse präsentiert Kali Rea im berühmten Viper Room in West Hollywood
Talenthouse präsentiert Kali Rea im berühmten Viper Room in West Hollywood(© 2014 Talenthouse)

Eine Kapitalspritze in Höhe von zehn Millionen US-Dollar, der Großteil davon von Medienriese ProSiebenSat1: Talenthouse war in Europa bisher kaum bekannt. Das soll sich mit der neuen Partnerschaft ändern. CURVED hat das junge Unternehmen in Los Angeles für einen Blick hinter die Kulissen besucht. 

Vom Silicon Valley nach Hollywood

Es ist ein ungewöhnlicher Standort für ein Startup. Zwischen Nobel-Restaurants hat sich das junge Unternehmen Talenthouse vor einiger Zeit in West Hollywood angesiedelt, im Hinterhof parkt ein Tesla. Vor einem Jahr noch hatte das Portal eine Dependance im Silicon Valley.

„Aber dort hat es keinen Sinn mehr für uns gemacht, unsere Industrie ist hier“, sagt der Head of Growth Michael Eisler, ursprünglich aus Österreich. Er ist nicht der einzige Österreicher, der für Talenthouse arbeitet. Der britische Künstler Amos Pizzey gründete das kreative Social Network 2009 mit Roman Scharf, Mitgründer des VoIP-Dienstes Jajah, der an den Telekom-Konzern Telefonica verkauft wurde.

Für die Crowdsourcing-Plattform ist Hollywood tatsächlich der perfekte Ort. Gerald Butler geht hier aus und ein, berichtet Eisler. Nicht ohne Grund: Der Schauspieler hat sich an der aktuellen Finanzierungsrunde beteiligt. Auch Dave Stewart, Eurythmics-Mitglied und heute Musik-Produzent, hat investiert.

Wie baut das Startup diese hochrangigen Verbindungen auf? "Amos kennt hier jeden", erklärt der Business-Manager.  Der Popstar Boy George erkannte Pizzeys Talent in den 80er Jahren und rekrutierte den Jugendlichen für seine Band "Culture Club". Seither ist der gebürtige Londoner in der Musikindustrie aktiv.

Bühnenoutfits und Promo-Videos

Diese Verankerung nutzte Pizzey vor fünf Jahren, um die Plattform Talenthouse zu gründen, erzählt Eisler die Geschichte des Unternehmens. Als Crowdsourcing für Künstler bezeichneten die Gründer ihr Vorhaben. Aber was steckt dahinter? Talenthouse setzt gemeinsam mit Popstars und Marken Kampagnen und Wettbewerbe auf, an der Mitglieder der Community teilnehmen können. Eine der ersten großen Promotions entwickelte das Portal für Rihanna. User wurden dazu aufgerufen, ein Promo-Video für einen Album-Launch einzureichen. Die Gewinner-Filme wurden bei der Launch-Party ausgestrahlt.

Mit dem neuen Investment verschiebt sich allerdings der Fokus: "Künftig wollen wir verstärkt mit Medien und Werbern kollaborieren." Denn Geld verdient Talenthouse durch die Abwicklung von Kampagnen für große Marken wie Coca Cola oder Nikon. Der Pop-Bezug bleibt jedoch: Jüngst suchte die britische Sängerin Jessie J für einen Auftritt ein Outfit. Gemeinsam mit den Machern des US-Trendgetränks "Vitamin Water" motivierten sie die Nachwuchskünstler, die auf Talenthouse registriert sind, Designs vorzuschlagen. Die Partnerschaft mit ProSiebenSat1 bedeute auch einen Schritt in Richtung traditioneller Medienkanäle wie eben Fernsehen, lässt Eisler anklingen.

Portfolio für Nachwuchskünstler

Der Head of Growth sieht Talenthouse als eine Art digitale Agentur für Künstler und Marken. Die Kreativen in dieser Agentur sind demnach die Nutzer der Plattform.  Von denen hat das fünf Jahre alte Startup eigenen Angaben zufolge bereits 3,5 Millionen. Eine Herausforderung ist es, diese zu behalten. "Bei uns sollen Nachwuchskünstler ein Portfolio aufbauen können", lautet Eislers Vision. Aktuelle Kooperationspartner wie Spotify stellen Gewinnern der Crowdsourcing-Kampagne Folgeaufträge in Aussicht.

Ein Segment, das Hollywood-Partner bisher kaum angetastet hat, ist Mobile. Eisler gibt zu, dass es hier noch Nachholbedarf gibt. Mit dem jüngsten Relaunch haben die Entwickler die Website auch mobil optimiert.

Ein Konzept mit Potenzial?

Die User zu aktivieren, scheint eine der größten Hürden für Talenthouse zu sein. Energie in unbezahlte Arbeit reinzustecken, erfordert massive Incentives. Die gibt es derzeit meist nur für jene Nutzer, die vom Auftraggeber ausgewählt werden, der Rest geht leer aus.

Ein Bindeglied zwischen Brands und der kreativen Crowd zu schaffen, klingt erst einmal wenig spannend. Der Trumpf von Talenthouse sind jedoch das Netzwerk, das Gründer Pizzey mitbringt. Mit renommierten Marken und den beliebtesten Popstars als Partner sind die Macher vielen anderen Anbietern im Crowdsourcing-Bereich einen Riesensprung voraus. Die Partnerschaft mit dem Medienkonzern wird zusätzliche Öffentlichkeit bringen, Werbezeit könnte nur die erste Stufe einer großen Promotion sein.

Ist Talenthouse das Crowdsourcing der neuen Generation, wie es das Unternehmen selbst einst bezeichnete? Nicht unbedingt, muss es auch nicht. Denkbar ist, dass sich das Startup durch seine neue Finanzierungsrunde in eine ganz andere Richtung entwickelt, die ein lukrativeres Geschäft bedeutet. Die Unterstützung von Hollywood hat Talenthouse bereits, jetzt müssen die Newcomer der Kreativ-Branche überzeugt werden, ihre Arbeiten herzuschenken.


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