Tschüss, Facebook Messenger! Hallo, Plattform!

Weg damit !42
Facebook Messenger: Aus dem Chat-Tool wird eine Plattform
Facebook Messenger: Aus dem Chat-Tool wird eine Plattform(© 2015 Facebook, CURVED Montage)

Warum hat Facebook die Messages ausgegliedert? Und warum WhatsApp gekauft? Eine einfache Antwort auf diese Fragen: Plattform.

Übereinstimmenden Berichten zufolge wird Facebook auf seine Entwicklerkonferenz F8 kommende Woche verkünden, den Facebook Messenger auch für Drittanbieter zu öffnen. Diese könnten dann mit ihren eigenen Apps an die Chat-App von Facebook andocken. So würde im Nu aus dem reinen Messenger-Tool eine Plattform.

Wer aufmerksam CURVED liest, erinnert sich: Wir hatten vor einigen Wochen ausführlich über WeChat berichtet - in Fernost längst eine Übergröße und teils sogar wichtiger als das reguläre Web. Der rasante Erfolg in China ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass WeChat neben dem reinen Messaging allerlei Zusatzfeatures bietet:  In China können Nutzer nicht nur miteinander chatten, sie können Spiele spielen, Taxis und Essen bestellen, Investements tätigen und und und... Huawei verkauft über die Plattform sogar seine Smartphones.

Auch Snapchat schickte sich bereits an, zur Plattform zu werden: Seit kurzer Zeit können die Nutzer, vorerst nur in den USA, über den Service Snapcash Geld an andere Nutzer verschicken. Das wird zwar medienwirksam auch von Pornosternchen dazu benutzt, das schnelle Geld zu machen, bereichert die Plattform aber in erster Linie um eine spannende Komponente. Und auch über den Facebook Messenger könnt Ihr in Kürze Geld versenden. Amerikanische Facebook-Nutzer können sich demnächst über den Messenger des sozialen Netzwerks gegenseitig Geld überweisen. Wie das Zuckerberg-Unternehmen aktuell in seinem Newsroom erklärt, ist dafür lediglich der Besitz einer Visa- oder EC-Karte nötig. Allerdings funktioniert das Feature vorerst nur mit Maestro-Karten. Transaktionen per Kreditkarte sind noch nicht möglich.

Weniger Spam

Facebook ist bekannt dafür, beliebte Features der Konkurrenz in den eigenen Dienst zu implementieren. Mit dem Erfolg von Foursquare launchte das Social Network Places, als Twitter Vine Kurzvideos anbot, zog Facebooks Instagram mit einem eigenen Video-Feature nach. Beispiele hierfür gibt es zuhauf. Und so verwundert es nicht, wenn der blaue Riese seinen Messenger tatsächlich zur Plattform umbauen würde.

Das hätte einen weiteren Vorteil: weniger Spam. Erinnert Ihr Euch noch an die Gaming-Welle auf Facebook vor rund fünf Jahren? Der News Feed wurde überflutet von Statusmeldungen anderer Spieler und Benachrichtigungen aus Spiele-Apps, für die man sich angemeldet hatte. Mit dem Aufbau einer Plattform würde der News Feed dauerhaft um einiges aufgeräumter wirken.

WhatsApp hingegen scheint sich, und das spätestens nach dem Kauf durch Facebook, dagegen zu sträuben, mehr als ein Messenger zu sein. Aus Sicht des neuen Eigentümers ist das nur verständlich, denn ansonsten würde der grüne Messenger die Dienste des blauen Riesen eventuell kannibalisieren. Zumindest wird jetzt umso klarer, warum Facebook mobile Chats ausgegliedert und damit den Messenger gestärkt hat. Bleibt die Trennung bestehen, wäre WhatsApp der weltverbindende SMS-Ersatz, während eine Messenger-Plattform theoretisch ein lukratives Zusatzgeschäft durch die Vermittlung von Diensten bedeuten könnte.


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