Let's Play mit "Valiant Hearts": Auf dem Tablet in den Krieg

1914 brach der Erste Weltkrieg aus, im vergangenen Jahr wurde weltweit des 100. Jahrestages des Beginns der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" gedacht. Auch Spiele-Publisher Ubisoft leistet seinen Beitrag und beschert uns mit "Valiant Hearts" einen hübschen, lehrreichen, vor allem aber emotionalen Titel — der nun auch für Android und iOS bereitsteht. Wir sind auf dem Tablet ganz ohne Augusterlebnis und Euphorie in den Krieg gezogen.

Gleich vorweg: Für Hardcore-Gamer, die auf ein actiongeladenes Shooter-Erlebnis in den Schützengräben Europas aus sind, ist "Valiant Hearts" nichts. Die spielerischen Elemente sind zwar da, aber eher als Mittel zum Zweck, die bewegende Geschichte von "The Great War" voranzutreiben.

Es wird hier und da getippt und über den Screen gewischt, es wollen kleine Puzzles und Mini-Games bewältigt werden und ab und an ist durchaus Timing und Geschick vonnöten — ganz so passiv wie in Telltales "The Walking Dead" oder "Game of Thrones" verfolgt Ihr das Geschehen also nicht. Aber "Valiant Hearts" möchte vor allem erzählen. So nennt Ubisoft sein Werk auch ein "animiertes Graphic-Novel-Abenteuer". Spielerisch stellt der Titel maximal eine Herausforderung für Einsteiger oder Kinder dar.

Mit hübscher, ein wenig an die Janosch-Bücher erinnernder Grafik, einem feinen technischen Grundgerüst in Form des UbiArt-Framework und guter Touchsteuerung folgt "Valiant Hearts" den Erlebnissen von vier Protagonisten in den Jahren des Krieges.

Lehrreich dabei: Die Handlungsstränge basieren lose auf den Korrespondenzen echter Personen aus dem ersten Weltkrieg, im Spiel werden Euch auf Wunsch anhand von Fotos, Postkarten und Gegenständen Hintergründe zur Epoche, zur Politik, zur Kultur und zum Kriegsverlauf geboten.

Die Fratze des Krieges...und der Soldaten

"Valiant Hearts" wurde von Ubisoft Montpellier in Frankreich entwickelt, betrachtet den Ersten Weltkrieg deswegen aber nicht etwa einseitig: Unter den Protagonisten befindet sich auch Karl, ein in Frankreich lebender Deutscher, der zu Beginn des Krieges des Landes verwiesen und später in die kaiserliche Armee eingezogen wird. Zwar ist Karl mit seinem blonden Schopf und der stämmigen Figur ziemlich "teutonisch", an ihm wird im Spiel aber auch das Kaiserreich von seiner menschlichen Seite gezeigt.

Das ist leider nicht immer so: Kritik musste sich das eigentlich so um Menschlichkeit bemühte "Valiant Hearts" wegen der übrigen Darstellung deutscher Soldaten gefallen lassen, die Euch im Spiel allzu oft nur als bärtige, mit Pickelhaube bewehrte, barbarische Karikaturen des typischen Preußen begegnen. Andererseits werden auch französische Soldaten mit vielen schlechten Eigenschaften vorgestellt, allen voran Rassismus gegenüber einem dunkelhäutigen amerikanischen Fremdenlegionär, der im weiteren Verlauf noch eine Rolle spielt

In erster Linie sollt Ihr aber die hässliche Fratze des Krieges zu spüren bekommen:  Trotz vermeintlicher Kuschelgrafik müsst Ihr schon in einem der frühen Level beim Sturm über ein Feld  unter Artilleriebeschuss an zerfetzen Körpern und Leichenteilen vorbeilaufen und Euch im späteren Spielverlauf auch mit Giftgas-Opfern und Scharfschützen auseinandersetzen. Dennoch bleibt die Gewaltdarstellung zwar dramatisch, aber stets im Rahmen - sprich: jugendfrei.

Deprimierend wirkt "Valiant Hearts" dann eher durch die bedrückende Atmosphäre des Krieges und der entfremdeten, ausgestorbenen, ja fast entmenschlichten Schlachtfelder — unterstützt von den todtraurigen Klavierklängen leide ich als Spieler mit den Protagonisten und bekomme einen Eindruck von den schrecklichen Geschehnissen um sie herum.

Kein Schnäppchen

Günstig ist diese lehrreiche emotionale Talfahrt (im positiven Sinne) jedoch nicht: Android- wie iOS-Version kosten 4,99 Euro und beinhalten lediglich die erste Episode des insgesamt vierteiligen Spiel — jede weitere Folge schlägt derzeit noch einmal mit 3,59 (iOS 3,99) Euro zu Buche. Oder Ihr kauft das Multipack aus den Teilen 2 bis 4 für etwas günstigere 7,99 (iOS 8,99) Euro.

Aber auch schon die erste Episode bietet viel Tiefgang, sodass Ihr Euch ein gutes Bild davon machen könnt, ob Euch der Rest der Geschichte den Aufpreis wert ist. Eltern von Kindern, die den Ersten Weltkrieg gerade in der Schule durchnehmen, sei "Valiant Hearts" als Ergänzung zum drögen Schulbuchwissen durchaus ans Herz gelegt. Aber natürlich auch, um das eigene Wissen um die für die europäische Geschichte zwischen 1914 bis 1918 aufzufrischen.


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