Handysucht: So schraubt ihr eure Smartphone-Nutzung herunter

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Wenn Smartphones süchtig machen
Wenn Smartphones süchtig machen(© 2019 Beatrix Boros)

Intensive Nutzung oder schon Handysucht? Was die Bildschirmzeit über meine Liebe zum Smartphone verrät – und wie man bewusst etwas Digital-Detox machen kann. Von Lisa Bierbauer.

 Wie misst man eigentlich Handysucht? Vielleicht so: Meine persönliche Bildschirmzeit für die letzten sieben Tage liegt durchschnittlich bei fünf Stunden und 14 Minuten pro Tag. Wenn man bedenkt, dass ich etwa 16 Stunden am Tag wach bin, ist das… ganz schön viel. Ich verbringe demnach ein Drittel meines Tages mit meinen Lieblings-Apps wie Instagram, WhatsApp oder Spotify. In einer Woche habe ich knapp 37 Stunden an meinem Smartphone verbracht. Fast ein Fulltime-Job! Bin ich abhängig – und habe ich sonst keine Hobbys ? Nun, scheinbar nicht so viele.

Handysucht: Wie viel Bildschirmzeit ist überhaupt normal? 

Am meisten verwende ich Instagram: Ich beende und beginne meinen Tag stets mit dem Checken von Storys oder dem Liken neuer Bilder. Mein Instagram-Tages-Durchschnitt liegt bei eineinhalb Stunden. In dieser Zeit könnte ich auch die Zeitung lesen. Oder joggen. Mache ich bisher aber nur am Wochenende.

Mit meiner Bildschirmzeit bin ich übrigens nicht allein. Verschiedene Studien kamen alle auf eine durchschnittlich ähnliche Handynutzung – und zwar auf über drei Stunden am Tag. Diese Zeit gilt damit als normal.

Wie kann man seine Handynutzung herunterschrauben? 

In meinem Freundeskreis machen immer mehr Handy-Detox. Heißt also: Sie verzichten bewusst für eine gewisse Zeit auf ihr Smartphone, um nicht nicht immer und überall erreichbar sein zu müssen. Vor allem deswegen, weil sie das Gefühl haben, durch die permanente Erreichbarkeit fremdbestimmt zu sein.

Die neuen Betriebssysteme von Apple (ab iOS12) und Google (ab Android 9 Pie) bieten ein in dieser Hinsicht praktisches Feature: die Bildschirmzeit. Hier bekommt man zunächst einen Einblick in die tatsächliche Smartphone-Nutzung – und sieht wie viel oder wenig Zeit man mit dem Handy verbringt. Zudem kann man eine Auszeit einrichten. Ich habe für mich festgelegt: Von 22 bis 7 Uhr möchte ich detoxen.

Verspüre ich den Drang, die für diesen Zeitraum gesperrten Apps dennoch verwenden zu wollen, werde ich gefragt, für wie lange ich die Bildschirmzeit heute „skippen“ möchte. Zudem kann man App-Limits einrichten und festlegen, wie lange man am Tag in einer jeweiligen App verbringen möchte. Das Limit hilft, um nicht unnötig viel Zeit am Smartphone zu verbringen.

Die Bildschirmzeit von Kindern regulieren 

Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit am Smartphone. Grundsätzlich ist es praktisch und gibt ein Gefühl von Sicherheit, wenn man sein Kind hier oder dort erreichen kann. Verbringt der Sprössling allerdings seine halbe Freizeit am Smartphone mit irgendeiner „mega angesagten“ App – dürften das die meisten Eltern nicht ganz so lustig finden.
Sätze wie „früher haben wir einfach in echt und nicht digital zusammen gespielt“ müssen für Digital Natives unglaublich alt klingen. Besser: Dem Kind die persönliche Bildschirmzeit vor Augen führen, was Handysucht bedeutet  und Vergleiche schaffen. „Hättest du nicht so und so viele Stunden mit deinem Handy verbracht, hättest du dies oder das machen können.

Zusätzlich gibt es spezielle Apps für iOS und Android, mit denen Eltern den Handykonsum ihrer Kinder kontrollieren und App-Limits einrichten können. FamilyTime zum Beispiel.

Smartphone-Detox – war früher vielleicht doch alles besser? 

Natürlich war früher nicht alles besser und ein Smartphone hat 1000 und eine positive Eigenschaft. Ich persönlich möchte mir – übermäßige Handynutzung hin oder her – kein Leben ohne meinen handlichen, digitalen Helfer mehr vorstellen. Es lohnt sich allerdings, wenn man sein Smartphone reflektiert verwendet. Und nicht immer irgendeine App öffnet, nur weil einem beim Warten auf die U-Bahn oder kurz vor dem Einschlafen zwei Minuten langweilig sein könnte. In manchen Situationen sollte man sich eher daran erfreuen, ein paar Momente gar nichts tun zu müssen. Oder sich daran erinnern, wie schön es ist, in die Luft zu starren, ein Treiben zu beobachten – oder ganz klassisch zwischendurch mal wieder zu Buch oder Zeitschrift greifen. Maximal retro sozusagen.


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