Apps und Al-Qaida: Warum Terroristen Android bevorzugen

ANALYSEUnfassbar !14
Al-Qaida Android
Al-Qaida Android(© 2014 alfajrtaqni.net)

Nicht nur findige Entwickler und Promis wie Kim Kardashian veröffentlichen eigene Apps - auch Terroristen. Warum sie Android bevorzugen.

Nein, das ist kein Aprilscherz: Tatsächlich und eigentlich auch selbstverständlich nutzen Dschihadisten auch die Möglichkeiten, die Smartphones und Tablets bieten, um ihre Botschaften zu verbreiten. Laut einem Report von Recorded Future sind die Organisationen GIMF, Al-Fajr Technical Committee und ISIS ganz vorne mit dabei.

So sind nach den Snowden-Enthüllungen in einem Zeitraum von mehreren Monaten mehrere Verschlüsselungs-Apps von Terrorzellen gelauncht worden:

  • Tashfeer al-Jawwal, eine Mobile-App entwickelt von der Global Islamic Media Front und veröffentlicht im September
  • Asrar al-Ghurabaa, veröffentlicht vom Islamic State of Iraq und Al-Sham im November
  • Amn al-Mujahid, herausgebracht im Dezember vom Al-Fajr Technical Committee

Aus guten Gründen verlinken wir jetzt nicht auf die Download-Quellen. Zum Vergleich: Bis dahin hatten Al-Qaida und Co. seit 2007 das Programm Mujahideen Secrets benutzt, um ihren Mail-Verkehr zu verschlüsseln.

Die neue Software würde nach eigenen Angaben die "neuesten Technologien" nutzen, um ein Aufspüren der Betreiber zu vermeiden.

Immerhin heißt es auf der Download-Seite für die Tashfeer al-Jawwal App von GIMF für Android und Symbian: "Trefft Vorkehrungen angesichts der ständigen Enthüllungen über Kooperationen von Technologie-Unternehmen mit Geheimdiensten bei der Ausspähung von Daten, die mit dem Smartphone versendet oder empfangen werden."

Das Update-Dilemma 

Warum kein iOS? Das hat gleich mehrere Gründe. So fällt unter anderem die Kontrolle durch den Store-Betreiber - im Fall von iOS ist das Apple - weg. Ferner erlaubt es das Google-Betriebssystem, Anwendungen abseits des Google Play Stores zu installieren, indem die Datenpakete einfach heruntergeladen und manuell installiert werden.

Wichtiger noch: Wie wir vergangene Woche berichtet haben, ist Android extrem populär in den Entwicklungsländern, in denen die Terrorzellen vorrangig beheimatet sind und über eine große Anhängerschaft verfügen. Das liegt weniger am Betriebssystem, sondern vor allem an den extrem niedrigpreisigen Smartphone-Modellen, die dort verfügbar sind. Apple trohnt über das Luxus-Segement, kann aber nicht mithalten, wenn Google, Nokia und Co. Smartphones für rund 100 Dollar auf den Markt bringen.

Laut einer neuen Branchenstudie beträgt der Anteil am Weltmarkt für Mobiltelefone im zweiten Quartal des Jahres 2014 ganze 85 Prozent. Die direkte Konkurrenz in Form von iOS, Windows Phone und Blackberry OS ist demnach weit abgeschlagen, berichtet AndroidAuthority unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Reuters. Apples Anteil am Weltmarkt für Smartphones ist von 13,4 auf 11,9 Prozent gesunken, der Anteil von Microsoft mit seinen Windows Phones von 3,8 auf 2,7 Prozent, berichtet Die Welt. Blackberry rangiert demnach bei mageren 0,6 Prozent.

Eine große Verbreitung bedeutet allerdings nicht, dass auch alle auf dem neuesten Stand sind. Tatsächlich ist ein großes Problem des Android-Ökosystems, dass vor allem preiswertere Modelle vom Update-Zyklus ausgeschlossen sind oder erst recht spät in den Genuss neuer Firmware kommen. Mehr noch: Flächendeckendes Internet sucht man in Entwicklungsländern ebenfalls vergebens. Das sorgt dafür, dass Terror-Organisationen in diesen Regionen der Erde neue Schwachpunkte für gezielte Angriffe haben: die Sicherheitslücken veralteter Android-Systeme.

Google arbeitet zwar daran, Herstellern die Lizenz für die Google-Apps zu entziehen, wenn sie ihre Modelle nicht auf bestimmte Zeit mit Updates versehen. Allerdings dürfte das ein Prozess sein, der viele Jahre in Anspruch nehmen wird.


Weitere Artikel zum Thema
Audi­ble: Diese bekann­ten Stim­men liefern euch weih­nacht­li­che Geschich­ten
Christoph Lübben
Hörbuch-Portal Audible hat nun Adventsgeschichten mit bekannten Stimmen
Bei Audible gibt es nun Adventsgeschichten. Die Stimmen der Sprecher könnten euch durchaus bekannt vorkommen.
iOS 12: Giphy erleich­tert euch auf dem iPhone das Teilen von GIFs
Michael Keller
Smartphones mit iOS 12 wie das iPhone Xr unterstützen die neue Giphy-Funktion
Mit dem iPhone noch einfacher GIFs verschicken: Die Giphy-App hat unter iOS 12 ein Update erhalten, das eine Tastatur-Erweiterung beinhaltet.
Abneh­men trotz Weih­nach­ten? Einfa­che Regeln und Apps gegen die Extra­ki­los
Tina Klostermeier1
Endlich mal das Gewicht halten oder sogar abnehmen trotz Vorweihnachtszeit? Britische Forscher haben einen Weg gefunden – und wir die passenden Apps dazu.
Vor und an Weihnachten lauern die süßen und fetten Versuchungen überall. Britische Forscher haben konkrete Tipps, wie man selbst im Advent abnimmt.

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.