Ausfälle bei WhatsApp: Wächst der Messenger zu schnell?

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WhatsApp down? Das Netz spekuliert über die Ursache
WhatsApp down? Das Netz spekuliert über die Ursache(© 2014 WhatsApp, CURVED Montage)

Am Wochenende waren die Server von WhatsApp stundenlang down — mal wieder. In den letzten Wochen seit der Übernahme des Messengers durch Facebook scheinen sich derartige Ausfälle zu häufen. Was ist da los bei der wohl wichtigsten mobilen Kommunikationsplattform dieser Tage? Hat WhatsApp schlicht zu viele Nutzer? Betreiben seine Macher Wachstum um jeden Preis? Oder sind wir Nutzer einfach zu verwöhnt und reagieren übertrieben panisch auf die Ausfälle?

Eine halbe Milliarde Nutzer verzeichnet WhatsApp laut eigener Aussage inzwischen — und die schicken sich täglich 700 Millionen Bilder und 100 Millionen Videos quer über den Globus. Wenigstens die 32 Millionen deutschen User reagieren schnell äußerst verunsichert, wütend und hämisch, wenn das mal für ein paar Stunden nicht funktioniert. Das mag mit ein wenig Abstand übertrieben wirken, ist aber nachvollziehbar: Schließlich verlassen wir uns inzwischen extrem darauf, dass WhatsAppen funktioniert. So wie der Zugang zum Internet gefälligst stets und überall zu funktionieren hat. WhatsApp hat schließlich die SMS für die meisten von uns abgelöst.

Was das über unsere Psychologie aussagt, ist eine interessante Frage, der andernorts bereits umfassend nachgegangen wird. Was die Ausfälle bei WhatsApp über den Messenger und seine Zukunft aussagen, eine andere, die ebenfalls seit Wochen energisch diskutiert wird.

Über die Gründe für die WhatsApp-Ausfälle kann nur spekuliert werden

Vorweg: Alles, was dazu geschrieben wurde und dieser Tage wird, kann nur höchst spekulativ sein. WhatsApp äußert sich traditionell nicht zu den Gründen für seine Server-Auszeiten — und schon gar nicht würden die Macher der App, die kürzlich für 19 Milliarden Dollar von Facebook gekauft wurde, über größere Schwierigkeiten oder Zukunftspläne plaudern. Facebook hat bislang ebenfalls noch nicht konkretisiert, was man langfristig mit WhatsApp vorhat.

Und so kursieren bereits erste Vermutungen im Netz, Facebook könne WhatsApp mutwillig sabotieren, um über kurz oder lang den eigenen Messenger als bessere Alternative platzieren zu können. Oder: WhatsApp breche unter der eigenen Last allmählich zusammen. Aber statt das Wachstum zu bremsen setze man intern immer weiter auf Zuwachs, mit VoIP-Telefonie-Experimenten beispielsweise, und verursache so selbst die sich zuletzt häufenden Server-Ausfälle.

Was daran wahr sein könnte, lässt sich wie angedeutet bislang nicht final festhalten. Erstere Möglichkeit ist zwar nicht undenkbar, erscheint uns aber ziemlich hanebüchen: Selbst wenn WhatsApp derartig instabil werden sollte, dass die Nutzer millionenfach davonlaufen, ist damit nicht automatisch garantiert, dass die alle umgehend zum Facebook Messenger greifen. Wenn sie denn überhaupt weglaufen — wie oft wurde in der Vergangenheit von tausenden Nutzern bei Ausfällen, echten oder vermeintlichen Datenschutzskandalen oder eben nach Bekanntwerden der Übernahme durch Facebook (abermals wenigstens in Deutschland) lautstark im Netz verkündet, WhatsApp künftig nicht mehr nutzen zu wollen? WhatsApp hat aber immer noch über 500.000.000 Nutzer weltweit; und das ist ein Kapital, das den Messenger sehr, sehr fest im Sessel sitzen lässt. Denn was nützt ein alternatives Programm zur mobilen Kommunikation, wenn ich damit nicht möglichst jeden meiner Kontakte erreichen kann?

Sind die Ausfälle ganz gewöhnliche Wachstums-Symptome?

Wahrscheinlicher scheint da im Ansatz schon das zweite Szenario: WhatsApp möchte in nächster Zeit viel erreichen — immer größer werden, immer funktionaler, mit Telefonie-Option statt nur noch Text- und Audionachrichten. Auf dem Weg dahin kann es aber schon mal zu einem Schluckauf kommen. Bedeutet das nun gleich, dass sich die Macher verzetteln und selbst sabotieren? Wohl kaum.

Für ein derartiges  Fazit müsste der Service noch regelmäßiger und länger ausfallen, als das der Fall ist.  Auch wenn die Probleme sich auch objektiv häufen, läuft WhatsApp nach wie vor weitestgehend stabil. Man vergleiche einfach mal, wie oft andere, weniger genutzte Online-Dienste Ausfälle verzeichnen. Wie sehr YouTube immer wieder mit der Serverlast zu kämpfen hat. Wie häufig wir mit unseren Providern und ihren ungleich teurer bezahlten Dienstleistungen zu kämpfen haben - oder mit der Deutschen Bahn. Der Unterschied ist, das WhatsApp so viele Kunden hat, die den Service konstant in Anspruch nehmen, dass ein Ausfall ungleich dramatischer wirkt.

Warten wir also besser noch ein paar Wochen oder Monate ab, und geben den Machern der App Gelegenheit zur Schadensregulierung und zur Optimierung, bevor wir den Abgesang auf den erfolgreichsten Messenger aller Zeiten anstimmen.

Was WhatsApp derweil tun kann und sollte, nicht nur um derartigen Gerüchten Einhalt zu bieten, sondern vor allem auch, um seinen Nutzern ein wenig Beruhigung zu schenken: offener kommunizieren — darüber, was da gerade schief gelaufen ist, warum und ob weiterhin mit Schwierigkeiten zu rechnen ist. Ganz toll wäre auch eine nette Nachricht an alle Nutzer, nachdem der Service wieder stabil läuft, vielleicht sogar mit Entschuldigung.

Ja, eine halbe Milliarde Nutzer geben eine gewisse Sicherheit, Kundenfreundlichkeit und Transparenz können aber für mehr Verständnis und sogar ein gewisses Maß an Loyalität sorgen. Und das kann offensichtlich gerade WhatsApp gebrauchen.


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