Ausprobiert: Google Play Musik hat jetzt kuratierte Playlisten

Naja !8
Google Play Music ab sofort mit kuratierten Playlisten und automatischen Vorschlägen.
Google Play Music ab sofort mit kuratierten Playlisten und automatischen Vorschlägen.(© 2015 CURVED)

Google reagiert auf Apple Music sowie die angekündigten Neuerungen von Spotify und baut seinen Musik-Streamingdienst Google Play Musik weiter aus. Ab sofort schlägt dieser von Musikexperten zusammengestellte Playlisten automatisch vor. Da haben wir reingehört.

Dienstagnachmittag wird andere Musik gehört als Freitagabend oder Sonntagvormittag. Dies weiß auch Google  und schlägt bei seinen neuen, von Hand zusammengestellten Playlisten passend zu Tageszeit, Aktivitäten sowie der aktuellen Jahreszeit eine Songauswahl vor. Sie sind aber auch nach Genres und Stimmungen sortiert und lassen sich anhand dieser Kriterien auswählen.

Playlisten wichtiger als Song-Auswahl

Neben der Zahl der zur Verfügung stehenden Songs sind fertige Playlisten das neue Lockmittel, mit dem Musikstreaming-Dienste neue Nutzer ködern oder alte Nutzer halten wollen. Und so ist Google nicht das erste Unternehmen, das versucht die Hörer seines Streaming-Angebots mit Playlisten für die verschiedensten Anlässe, Stimmungen oder Aktivitäten zu begeistern.

Google hat aber nicht nur mit großem Aufwand Playlisten erstellt, beziehungsweise erstellen lassen und will sie in Zukunft weiter pflegen, sondern sich auch Gedanken darum gemacht, wie Ihr als Nutzer sie besser findet. Wie bei den anderen Streaming-Anbietern zeigt Euch Play Musik sie natürlich in den Suchergebnissen an. Außerdem könnt Ihr sie sortiert nach Genres, Stimmungen, Aktivitäten und Jahrzehnten durchstöbern, wobei mir persönlich die Genres nicht fein genug gegliedert sind -  ein Problem, das meiner Meinung nach alle Anbieter derzeit haben. Die Playlisten fangen das nur vereinzelt durch Zusammenstellungen für enger eingegrenzte Musikstile auf. So existiert zwar das Genre Reggae, aber Ska suche ich immer noch vergeblich. Und wenn mir mal nach Punk zumute ist, komme ich nicht weiter als in die große Alternativ/Indie-Schublade - anstatt mit wenigen Klicks beim Skate-Punk zu landen.

Auf den ersten Blick wirkt es zumindest teilweise passend, was Google Play Musik vorschlägt. Klickt man dann auf "Spaß in der Sonne", "Zeit für Sport", "Neue Energie" oder "Autofahren", dann erwartet einen teilweise noch eine zweite Entscheidungsebene: bei "Heißer Tag im Büro" zum Beispiel "Spaß im Büro", "Fernweh" und "Songs zum Abkühlen". Im letzten Schritt zeigt die Play Musik-App dann drei verschiedene Playlisten aus dem großen Fundus an, die in meinen Augen aber nicht immer passend sind, für mich einerseits zu wenig Auswahl und andererseits an dieser Stelle auch schon wieder zu viele Optionen bieten.

Unpassenderweise bezeichnet Googles Musikdienst die Playlisten konsequent als "Radiosender". Das ist entweder eine schlechte Übersetzung oder ein Hinweis darauf, dass es sich doch nur um automatisch erstellte Playlisten und nicht um per Hand zusammengestellte Sammlungen handelt. Ihr könnt Euch in dem Streamingangebot schon lange zu Künstlern, Alben oder einzelnen Songs automatisch Radiosender erstellen lassen. In der Suche unterscheidet Google Play Musik dagegen deutlich zwischen Radiostationen und Playlisten.

Geheime Musikexperten

Google spricht zwar viel davon, dass Musikexperten die Playlisten zusammengestellt haben. Auf Nachfrage heißt es dann, dass es sich dabei um Journalisten, Musiker, DJs oder Blogger handele. Einzelne Namen oder eine genaue Zahl verrät der Konzern aber nicht und wirbt auch nicht, wie etwa Apple Music, mit bekannten Kuratoren.

Falls Euch eine Playlist nicht komplett gefällt, müsst Ihr die schlechten Titel nicht mithören. Anders als bei Spotify oder Apple Music könnt Ihr die Playlisten der Experten für Euch selbst bearbeiten und Songs hinzufügen oder entfernen. Gefällt Euch eine Playlist so gut, dass Ihr sie auch offline hören wollt, ist auch das kein Problem, da sich die Playlisten ebenso wie einzelne Songs oder Alben im Rahmen von Play Musik auf Euer Smartphone oder Tablet herunterladen lassen.

Sinnvolle Ergänzung, keine Musik-Revolution

Für Nutzer von Google Play Musik sind die kuratierten Playlisten eine sinnvolle Ergänzung des Streaming-Dienstes, aber noch lange kein Grund, um Spotify oder Apple Music den Rücken zu kehren. Deren Playlisten unterscheiden sich zwar in Details, sind aber im Großen und Ganzen ein vergleichbares Angebot.

Mir persönlich gefallen die Zusammenstellungen von Google genauso gut wie die von Spotify. Der Streaming-Pionier versucht schon seit längerer Zeit, mir zur Tageszeit passende Playlisten zu empfehlen - in der App aber weniger aufdringlich als Google. Apple Music kann zwar mit bekannten Namen wie Dr. Dre aufwarten, hat in meinen Augen aber die kleinste Auswahl an von Hand gepflegten Playlisten.

Die kuratierten Playlisten von Google Play Musik sind in Deutschland neu und seit dem 26. August freigeschaltet. Zuvor gab es sie bereits in den USA und Kanada. Viele der Zusammenstellungen von Songs sind für Deutschland angepasst oder sogar extra erstellt worden. Die Vorschläge und kuratierten Playlisten, stehen allen Nutzern offen, die das kostenpflichtige Angebot von Google Play Musik für 9,99 Euro im Monat verwenden. Im kostenlosen Basis-Account sind sie nicht mit inbegriffen.


Weitere Artikel zum Thema
Samsung soll an Einstei­ger-Smart­phone mit Android Go arbei­ten
Lars Wertgen
Das Galaxy J2 Core dürfte soll weniger Leistung als das Galaxy J5 von 2017 (Bild) bieten
Samsung arbeitet offenbar an einem Galaxy J2 Core. Auf dem Budget-Smartphone soll Android Go installiert sein.
YouTube Kids: Eltern erhal­ten mehr Einstel­lungs­mög­lich­kei­ten
Michael Keller
YouTube Kids ist in Deutschland seit Herbst 2017 verfügbar
YouTube Kids erhält neue Features: 2018 sollen Eltern mehr Kontrolle über die von den Kindern abgerufenen Inhalte bekommen.
Wie Apple: Google ersetzt das Pisto­len-Emoji in Android
Christoph Lübben
Rechts im Bild seht ihr das neue Pistolen-Emoji von Android
Google entwaffnet Android: Aus dem Handfeuerwaffen-Emoji wird nun eine einfache Wasserpistole – wie bei Apple, Twitter und Samsung.