Deutschland einig Playstation-Land: Warum ist das so?

Der Erfolg spricht für sich: In 12 Jahren konnte Sony mehr als 100 Millionen Einheiten der Playstation verkaufen.
Der Erfolg spricht für sich: In 12 Jahren konnte Sony mehr als 100 Millionen Einheiten der Playstation verkaufen.(© 2017 Sony)

Spiele-Konsolen erfreuen sich auch in Deutschland großer Beliebtheit. Neben den weit verbreiteten PCs verfügen viele Spieler zusätzlich noch über Daddel-Hardware von Sony, Nintendo oder Microsoft. Doch nur eine Marke rennt in Deutschland allen davon, wenn es um die Verbreitung geht: Die Playstation ist eine echte Erfolgsgeschichte – aber warum ist das so?

Als Nintendo sich 1992 aufgrund einer Hardware-Erweiterung für das Super Nintendo an Sony wendete, war das eine große Sache. Die Erfinder des Walkman sollten für die Japaner, die zu dieser Zeit weltweit große Erfolge mit ihrer Spielekonsole feierten, ein CD-ROM-Laufwerk entwickeln mit dem das SNES einfach und schnell gekoppelt werden konnte. Der Name des Projekts: Play Station. Doch während Sony fleissig an der neuen Hardware schraubte, wagte Nintendo einen unüberlegten Schritt, der sich später als großes Glück für Sony – und uns entpuppen sollte: Anstatt weiter auf die Kooperation mit Sony zu setzen, wurde ein Abkommen mit dem niederländischen Hardware-Hersteller Philips abgeschlossen – die sollten sich nun um das CD-ROM für das Super Nintendo kümmern.

Das Ende vom Anfang

Doch Sony dachte nicht daran, die getane Arbeit an dem CD-Laufwerk auf der Halde vergammeln zu lassen – ganz im Gegenteil. Der japanische Konzern witterte seine große Chance im Bereich der Videospiele Fuß zu fassen und nutzte das eigens entwickelte Laufwerk, um eine eigene Spiele-Konsole im Dezember 1994 zuerst in Japan und knapp ein Jahr später auch in Europa herauszubringen: Die Playstation war geboren.

Ich kann mich noch bildlich daran erinnern, wie ich in den Jahren 1992 und 1993 durch die Spielhallen Hamburgs getingelt bin und jedem Spieler, den ich vor dem "Ridge Racer" oder "Tekken"-Spielautomaten antraf, voller Begeisterung davon berichtet habe, dass diese Spiele schon bald zu Hause gezockt werden können. Ungläubige aber neugierige Blicke und oft auch viele Rückfragen waren die Folge.

Da für Konsolen-Spieler das Super Nintendo bis zu diesem Zeitpunkt das Maß aller Dinge war, konnte Sony mit der Playstation für offenstehende Münder und darauffolgende Kaufwilligkeit sorgen: Dank des CD-ROM-Laufwerks war es nun möglich, Full Motion-Video-Sequenzen nebst orchestralem Soundtrack in die Spiele einzubinden. Damalige Perlen wie "Krazy Ivan" oder das Weltraum-Spektakel "Colony Wars" waren nur einige Beispiele für die Leistungsfähigkeit der neuartigen Spiele-Hardware. Dann kam 1996 das futuristische Rennspiel "Wipeout" heraus  und sorgte für Begeisterungs-Stürme – auch in deutschen Daddelzimmern.

"Besser" dank Hardware-Mods

Da die meisten Spiele für die Playstation zuerst in Japan und viel später, wenn überhaupt, auch in Deutschland zu haben waren, machten sich etliche Elektro-Bastler daran, ein Modding-Konzept für die Konsole zu entwickeln. Die ersten Hardware-Mods sind vielen Spielern auch heute noch in bester Erinnerung geblieben: PAL-Spiele-Disc rein, die Konsole die Spur mit dem Boot-Sektor auslesen lassen, Schalter zum Stoppen des Laufwerks umlegen, NTSC-Spiel rein, Laufwerk wieder loslaufen lassen und schon konnte man – einige Versuche vorausgesetzt – aktuelle Spiele aus Japan und den USA spielen. Je mehr Zeit ins Land ging, desto besser wurden auch die Hardware-Mods für die Playstation. Spätere Umbauten konnten beliebig von PAL auf NTSC umgestellt werden und auch eine weitere Entwicklung ebnete den Weg zum Riesenerfolg: Einmal "korrekt" umgebaut, war es ein Kinderspiel auch selbst hergestellte oder erworbene Raubkopien auf der Konsole zum Laufen zu kriegen.

Da die Deutschen – und nicht nur die – zu dieser Zeit kein echtes Verständnis für die Preisstruktur eines Videospiels hatten und die Playstation auch über keinerlei Internet-Zugang verfügte, der es dem Hersteller ermöglicht hätte, die Korrektheit der Hardware online abzufragen, schlugen viele Käufer die ob der recht happigen Spiele-Preise bis jetzt noch zögerlich waren, mit der Anschaffung einer Playstation zu. Genau das war der Moment, als die Spiele-Hardware nicht mehr wegzudenken war. Rund 100 Millionen Konsolen konnte Sony bis zum Jahr 2006 von der Playstation verkaufen, selbst als im November 2000 die Playstation 2 auf dem Markt kam, war der Vorgänger immer noch heiß begehrt. Wobei die Playstation 2 in ihrem gesamten Lebenszyklus dann noch erfolgreicher wurde, als es die Playstation sowieso schon war.

Playstation 2: Für happige 879 Mark damals sicher kein Pappenstil.(© 2017 Sony)

Der Neue im Ring

Zwischenzeitlich versuchte sich nun auch Microsoft mit der neuen Xbox als Playstation-Konkurrent zu positionieren. Der Name kam von "Box" und dem Kürzel "DirectX", der Grafikschnittstelle, die auch die Xbox nutzte. 2002 feierte die Kiste in Europa zu einem Preis von 469 Euro Premiere. Microsoft tat sich zu Beginn – besonders in Deutschland – extrem schwer, die neue Hardware zu vermarkten. Zu sehr hingen viele deutsche Spieler an "ihrer" Marke, und das war nun schon seit etlichen Jahren eben die Playstation. Kurz nach der Markteinführung der Xbox hatte Microsoft allerdings eine richtungsweisende Idee: Bis dahin schien sich Sony sprichwörtlich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, online spielen war für die Japaner damals kein Thema. Und schon gar nicht so, wie es Microsoft vorschwebte. Xbox Live war eigentlich dann auch der erste echte Grund für einen Playstation-Spieler, sich mal auf der Xbox "umzusehen". Mit der Einführung der Xbox 360 konnte Microsoft das Online-System weiter perfektionieren, erstmals schien der bis dahin unangreifbare Playstation-Mythos zu wackeln. Denn auch die Playstation 3 – die sich deutlich schlechter verkaufte als ihre Vorgänger – verfügte anfangs über so gut wie kein funktionierendes Online-Gaming.

Die Japaner stellten sich zu dieser Zeit regelrecht taub. Für Phil Harrison, den damaligen Chef der Sony Interactive Worldwide Studios waren Online-Fähigkeiten von Konsolenhardware und den dazugehörigen Spielen "ein überschätztes Thema" und "es sei nicht geplant, dahingehend in der Zukunft etwas derartiges anzubieten". Wie er sich doch täuschen sollte. Denn Sony sah langsam aber sicher seine Felle davonschwimmen, besonders in den USA konnte sich die Xbox 360 gegen die Playstation 3 durchsetzen. 2006 kam dann die Wende, denn für die Playstation 3 wurde das "Playstation Network" etabliert. Anfangs in Umfang und Bedienkomfort keinesfalls vergleichbar mit dem gut funktionierenden Xbox Live, hatte Sony nun scheinbar immerhin verstanden, was notwendig war, um auch den zukünftigen Erfolg der Marke "Playstation" zu sichern.

Die Playstation 3 – hier in der überarbeiteten "Slim"-Variante, zwang Sony zum Umdenken.(© 2017 Sony)

Down and out?

Die E3 2013 wurde für Microsoft dann zum absoluten Media-Debakel. Die Vorstellung der neuen Hardware, Xbox One, geriet komplett aus den Fugen. Ein Fail jagte den nächsten und Microsoft konnte sich vor lauter Spott und Hohn kaum retten. Das nutzte Sony damals mehr als geschickt, die die fast zeitgleiche Vorstellung der neuen Playstation-Hardware so drehten, dass Microsoft nun noch dümmer dastand, als sowieso schon. Keine guten Vorzeichen für die Xbox One im Kampf um die Käufergunst gegenüber der Playstation 4. Und genau so bildet sich der Markt heute auch ab. Während die Xbox-Verkäufe bei knapp 35 Millionen liegen, verzeichnet die Playstation 4 mit über 70 Millionen verkauften Einheiten einen mehr als deutlichen Vorsprung. Besonders krass sieht es in den Regionen aus, die sowieso schon immer etwas mehr auf die Playstation gesetzt haben. In Großbrittanien, Spanien und Deutschland fristet die Xbox One fast schon ein Nischendasein.

Auch für die Zukunft sieht es für die Xbox-Familie nicht wirklich rosig aus: Während Microsoft sich zwar aktuell damit brüsten kann, die leistungsstärkste und auch teuerste Konsole anzubieten, kann Sony einen eklatanten Vorteil für sich verbuchen: Die große Auswahl an exklusiven Spielen, die es nur für die Playstation gibt. Der Nachschub für das nächste Jahr ist dahingehend ebenfalls gesichert: Mit "God of War", "Spider-Man", "Dreams", "Detroit: Become Human" und dem erst kürzlich angekündigten "Ghosts of Tshushima" feuert die Konsole aus allen Rohren. Es bleibt spannend zu sehen, ob die Karten vielleicht bei der Einführung der neuen Playstation und einer neuen Xbox – das sollte um 2020 der Fall sein – neu gemischt werden. In Deutschland aber ganz sicher nicht.

Noch mehr Playstation?

Zusätzlich zur Playstation gibt es ja auch noch die Playstation 4 Pro. Warum sich für euch ein Upgrade auf die stärkere Hardware lohnt, auch wenn ihr keinen 4K-Fernseher habt, erklären wir euch hier. Außerdem haben wir für euch die Playlink-Games "Hidden Agenda" und "Wissen ist Macht" getestet, die ihr dank Smartphone-Unterstützung gemeinsam mit Freunden zocken könnt.