Devialet Phantom vs. Audio Physic: Soundgigantenduell

Eine Weltpremiere: der Hersteller Devialet verspricht mit seinem Phantom-System nicht weniger als eine Revolution im High-End Hifi und wird erst im April erste Testexemplare in die Redaktionen schicken. Wir waren schneller und haben das neue System nicht nur ausführlich ausprobiert – sondern sogar gegen die ältere und klassische Produktlinie von Devialet im Gespann mit High-End-Lautsprecher von Audio Physic ins Rennen geschickt. 

Update vom 9.12.2015: Apple startet verkauf

Apple verkauft ab sofort den Devialet Phantom in einigen seiner Stores in den USA und will 2016 den Verkauf noch ausweiten - vielleicht auch nach Deutschland. Zum iPhone oder iPad könnt Ihr dann zwischen der 1700 Euro teuren 750 Watt starken Version "Phantom" und der 3000 Watt starken und 2000 Euro teuren Variante "Silver Phantom" wählen.

So toll es auch ist, dank Smartphone und kleinen Bluetooth-Lautsprechern überall Musik hören zu können, ganz egal, ob die Songs per MP3 oder als Stream abgespielt werden: Die Art des permanenten Hörens macht unsere Ohren unsensibel. Wir fangen an, Lautstärke mit Qualität zu verwechseln, hören keine Nuancen mehr. Wir konditionieren unsere Sinne auf Effekte und überhören den dann doch meist flachen Sound.

Aber es geht auch anders. Devialet, ein französischer Hersteller von Soundsystemen, versucht seit ein paar Jahren, das opulente Hören wieder salonfähig zu machen. Allerdings bis vor Kurzem vor allem für jene Musikfans, die ein gut gefülltes Portemonnaie zur Verfügung haben. Mit der Phantom rückt Devialet nun wohltönende Lautsprecher in bezahlbarere Regionen. Ein Design-Schmuckstück, dass auch für Apple-Enthusiasten interessant sein könnte.

Doch halt, eigentlich ist das Phantom-System viel mehr als ein Lautsprecher. Die Box beinhaltet neben verschiedenen Speakern auch analoge und digitale Verstärker, Funkmodule für kabelloses Hören – und das alles in einem futuristischen Gehäuse. Schon eine Phantom alleine ist in der Lage, selbst größere Räume vortrefflich zu beschallen. Will man allerdings in den Genuss von Stereo-Sound kommen, braucht man natürlich eine zweite Box.

Die Phantom gibt es in zwei Varianten, die sich äußerlich lediglich durch die Farbgebung unterscheiden. In der komplett weißen Version für 1700 Euro sorgen 750 Watt für ordentlich Dampf. Die 3000-Watt-Variante fällt nicht nur durch die Platin-farbenen Seitenteile auf, auch beim Preisetikett muss man zweimal hinschauen: 2000 Euro möchte Devialet dafür haben. So kommen schnell bis zu 4000 Euro zusammen. Ein stolzer Preis – zumindest auf dem ersten Blick. Doch es ist möglicherweise eine lohnende Investition für all jene, die optisch ansprechende Soundsysteme suchen, die zudem einen ausgesprochen guten Klang produzieren.

Doch wie gut ist der Sound wirklich? Die Entscheidung, wie sich ein optimaler Klang anhören muss, ist wie fast überall reine Geschmackssache. Selbst Labortests geben lediglich Auskunft darüber, ob alle vorhandenen Signale der Aufnahme optimal ausgespielt werden – und nicht, ob dies den persönlichen Vorlieben den Zuhörers entspricht. So ist es auch zu erklären, dass Kopfhörer wie die der Marke Beats zwar eigentlich klangtechnisch nicht zu den besten ihrer Gattung zählen, dennoch Verkaufsschlager sind.

Das Setting

Wir haben es trotzdem gewagt und die Phantom mit zwei Highend-Lautsprechern der Marke Audiophysics  verglichen: ein Paar der Tempo25+ kostet rund 5000 Euro, sind also preislich vergleichbar mit den Phantom. Rechnet man allerdings den Zuspieler hinzu, kommt eine ganz andere Summe zustande. Wir haben aufgrund der besseren Vergleichbarkeit die Lautsprecher an eine Devialet 120 angeschlossen, welche die gleiche patentierte Digital-Analog-Verstärkertechnologie (ADH) wie die Phantoms besitzt. Zum Stückpreis von ebenfalls rund 5000 Euro sicher kein Schnäppchen und nur wirklichen Highend-Enthusiasten zu empfehlen.

Dagegen bringen wir zwei 3000-Watt-Phantom ins Rennen. Zusätzlich haben wir noch eine kleine Schaltzentrale, die Dialog-Box von Devialet für etwa 300 Euro, angeschlossen. Dadurch lassen sich bis zu 24 Phantoms parallel mit Music versorgen und variabel einsetzen (sowohl für Multi-Room als auch bis zur gleichzeitigen Beschallung ganzer Konzertsäle). Außerdem bietet Dialog die Möglichkeit, USB-Geräte und Zuspieler per optischen Kabel anzuschließen. Leider ist die Verarbeitung der Dialog-Box eher mies, es wird im Betrieb unglaublich warm und wirkt wie ein Stück chinesische Billigtechnik – überhaupt nicht passend zum luxuriösen Image der Marke.

Bei unserem Vergleich haben wir unsere Playlist parallel auf beiden Systemen gestreamt. Als Musikquelle dienten jeweils identische, verlustfreie FLAC-Dateien in echter CD-Qualität (16 Bit / 44,1 kHz), die wir über Qobuz bezogen. Die traditionelle Kette bestand aus einem iMac mini, der die Daten in Devialets eigenem AIR-Format per Ethernet über die Devialet 120 an den Audio-Physic-Boxen zum Klingen brachte. Die Phantoms bezogen ihre Daten kabellos von der Dialog-Station, die über Devialets SPARK-App gesteuert wurde.

Der Sound

Um es vorweg zu nehmen: Beide Systeme geben sich keine Blöße. Die Songs klingen sowohl über die Tempo 25+ also auch über das Phantom-System unglaublich. Der Klang ist ausgewogen, voll und voller Nuancen. Bei einigen Stücken sind Details hörbar, die sonst kaum wahrzunehmen sind.

Und doch gibt es gravierende Unterschiede. Während die Tempo 25+ eher warm und nach Wohnzimmer klingen, wirkt der Sound der Phantom viel präziser, klarer, ja fast chirurgisch. Es ist erstaunlich, dass der saubere Klang selbst bei hoher Lautstärke sauber (im Peak maßen wie 102 db) und ohne zu verzerren aus den Lautsprechern dringt. Es wird einfach nur lauter.

Die Aufnahme eines Live-Konzerts wirkt auf den Tempo 25+ angenehmer, fast so, als würde die Band wirklich direkt vor einem spielen. Die Phantom wirkt da ein wenig distanzierter, man fühlt sich hier eher wie ein Beobachter – und nicht so, als wäre man mitten im Publikum. Der Bass der Phantom ist zwar sehr präsent, aber nicht unangenehm dominant, sondern er fügt sich harmonisch ins gesamte Klangbild ein. Die verschiedenen Instrumente und stimmen lassen sich zudem deutlich besser unterscheiden, während die Audio-Physic-Lautsprecher aus den verschiedenen Klängen eher einen Soundteppich zu einem schönen Gesamtbild knüpft.

Fazit

Allein schon der Größenunterschied der beiden Lautsprecher-Konzepte kann zu einer Kaufentscheidung führen. Denn während die wuchtigen und hohen Tempo 25+ einen festen Platz im Zimmer benötigen und dort sehr offensiv zeigen "wir sind hier", lassen sich die Phantom-Boxen viel freier im Raum platzieren. Durch die kabellose Zuspielung, kann das System auch schnell in einen anderen Raum gestellt werden.

Während klassische Lautsprecher auf Grund ihrer Bauweise extrem sensibel bezüglich der Raumakustik und Aufstellung sind (Hifi-Enthusiasten "winkeln" sie penibel ein), verdanken die Phantoms ihre Unempflichkeit diesbezüglich ihrer revolutionären Bauweise, die viele Probleme des traditionellen Baus löst. Bisherige Lösungsversuche – wie etwa von La Spère oder den B&W Nautilus – durchbrachen nicht selten die die Schallmauer von 50.000 EUR.

Beim Sound sind es wie schon beschrieben ganz persönliche Vorlieben, die erfüllt werden müssen. Bei beiden Systemen macht man nichts verkehrt. Die Phantom beweisen eindrucksvoll, dass sich großer Sound auch auf kleinstem Raum entfalten kann – und das in einer vorbildlichen Qualität. Der sehr cleane Sound ist sicher nicht jedermanns Sache, ist aber in Summe grandios und überzeugt qualitativ selbst Fans von wärmeren Klängen.

Im Vergleich zum deutlich teureren Expert-System von Devialet hat Phantom keinerlei Schwächen gezeigt. Geht man also nach dem Anschaffungspreis, spricht vieles für die Phantom. Das System ist erweiterbar, externe Zuspieler können können über die Dialog-Box über TOSlink eingebunden werden, sind aber nicht nötig und vor allem dank der App-Steuerung äußerst flexibel einsetzbar.

Leider ist die App noch nicht ausgereift. Die Bedienung ist umständlich und, was viel schwerer wiegt: Es lassen sich bisher zu wenige Musik-Quellen nutzen (Spotify und Deezer sind noch nicht integriert). Außerdem wäre es schön gewesen, wenn Phantom sich mit dem Airplay-System von Apple verstehen würde. Der CEO von Devialet versicherte uns aber vor zwei Tagen, das mit dem nächsten Release der SPARK-App Ende März, unsere wesentlichsten Kritikpunkte abgestellt würden. Wir lassen uns überraschen!

Dennoch ist die Phantom eine Empfehlung für all jene, die für einen (noch) bezahlbaren Preis Musik in Perfektion abspielen wollen – und dabei nicht auf ein hübsches Design verzichten wollen.


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