Die Twitter-Krise: Selfie-Hype, Instagram, Userflucht

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Kommt auf keinen grünen Zweig: Twitters Probleme werden immer offenkundiger
Kommt auf keinen grünen Zweig: Twitters Probleme werden immer offenkundiger (© 2014 CC: Flickr/clasesdeperiodismo)

Der 140 Zeichen-Dienst Twitter hat ein Problem. Bzw. gleich ein paar: Das Nutzerwachstum stagniert, andere Social Media-Dienste ziehen links und rechts vorbei, die Monetarisierung hakt, die Aktie stürzt ab. Ist Twitter auf dem Weg zum neuen MySpace?   

War es der Todeskuss? Seit Ellen DeGeneres' Oscar-Selfie geht nichts mehr bei Twitter.  Wenn nicht der größtmögliche Anschub Twitter in neue Wachstumssphären hieven kann, was dann? Stattdessen blinken die Alarmsignale inzwischen im Wochentakt. Das Nutzerwachstum verflacht zusehends, in den USA stagniert es bereits.

Noch bemerkenswerter: In der mobilen Nutzung ist Instagram in den USA mobil vorbeigezogen. Bild schlägt Text: Selfies scheinen einfach spannender zu sein als geschwurbelte Schenkelklopfer in 140 Zeichen.

Dabei kann man nicht sagen, dass Twitter tatenlos zusieht. Tatsächlich scheint der Mikroblogging-Dienst mit purem Aktivismus alles zu versuchen: Fotos werden plötzlich sichtbar in die Timeline integriert, inzwischen sogar im Collagenformat dreifach. Wie oft ein Tweet gesehen wurde, soll in Zukunft möglicherweise angezeigt werden. Noch radikaler: Der Retweet könnte gekillt und dafür wie bei Facebook ein Share-Button eingeführt werden. Auch das Redesign legt nahe, dass Twitter facebookiger werden könnte.

Twitter versucht noch immer herauszufinden, was es sein will

Klar wird: Der 140 Zeichen-Dienst ist ein Unternehmen im Umbruch. Auch im acht Jahr des Bestehens scheint es noch immer so chaotisch zuzugehen wie in der großartigen Unternehmenshistorie „Hatching Twitter“ von Nick Bilton beschrieben, die sich liest wie ein Epos von Ränkekämpfen aus dem Alten Rom. Dabei ist Twitter kein Start-up mehr, sondern eine 28 Milliarden Dollar schwere Aktiengesellschaft, die ihren Anteilseignern doch zusehends Rätsel aufgibt. 

Bei 75 Dollar notierte der Börsenüberflieger wenige Wochen nach IPO Ende vergangenen Jahres einmal – keine 45 Dollar wurden dagegen noch im Verlauf der vergangenen Woche bezahlt. Wie konnte das passieren?

„Twitter ist Arbeit“

Die Wurzel des Problems ist im Grunde schnell gefunden: Twitter ist ein Missverständnis von Tag eins an – der nach Facebook hochgejazzte Social Media-Dienst war nie ein Mainstream-Medium, sondern ein Medien-Medium. Es geht um die schnelle Selbstinszenierung in wenigen Zeichen, die nicht jedem liegt: Medienmacher lieben sie, Prominente brauchen sie, der Durchschnittsnutzer indes ist schlicht überfordert, dem 140 Zeichen-Schwarm ununterbrochen zu folgen – es geht einfach zu schnell. 

„Twitter ist Arbeit“,  brachte es Business Insider unlängst auf den Punkt. Es erinnere an den Turmbau zu Babel, so Nonsens-beladen wäre die Timeline. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:  Fast 1 Milliarde Nutzer haben sich inzwischen bei Twitter registriert, nutzen es aber nicht. Die Schwarzliste an inaktiven Accounts ist erschreckend und verdeutlicht das eigentliche Problem: Twitter ist einfach nicht für jeden. Es wird Zeit für eine Neubewertung.


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