Jimdo: Der deutsche Mittelstand im Silicon Valley

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Jimdo Dependance in San Francisco: Seit 2011 im  Silicon Valley präsent
Jimdo Dependance in San Francisco: Seit 2011 im Silicon Valley präsent (© 2014 jimdo)

Das Hamburger Internet-Unternehmen Jimdo sitzt seit drei Jahren in San Francisco. Vom schnellen Geld will sich Mitgründer Christian Springub jedoch nicht verleiten lassen.

Klischee-Büro

Ziegelsteinwände voll mit Post-it-Notizen, abgetragenes Sofa und Wasserrohre an der Decke: Wenn es ein Klischeebild eines typischen Startup-Büros in San Francisco gibt, hat es Jimdo mit seinem Büro erfolgreich besetzt. Im Mission District, dort wo sich derzeit Jungunternehmer zwischen Burrito-Läden und Hipster-Coffeeshops ansiedeln, hat das Hamburger Unternehmen im Jahr 2011 seine US-Präsenz aufgebaut. Hier beschäftigt Jimdo, das ein Baukastensystem zum Erstellen von Websites entwickelt hat, derzeit neun Personen.

Vor sieben Jahren startete Jimdo in Hamburg mit der Mission, Menschen ohne Programmier-Kenntnisse einfach eine Internetpräsenz bauen zu lassen.  Im Gegensatz zu anderen europäischen Internetfirmen war jedoch nicht die Suche nach Investoren die Motivation, um in die Vereinigten Staaten zu expandieren:  "Die USA sind für uns ein wichtiger Markt, und wir wollten dort sein, wo unsere Kunden sind", erklärte Mitgründer Christian Springub, der Jimdo 2007 mit Matthias Henze und Fridtjof Detzner startete, diese Woche vor einer Runde deutscher Medienleute, die derzeit durch das Silicon Valley reisen. Dass man hier im Zentrum der Innovation und Technologiebranche sitze, sei ein hilfreicher Nebeneffekt. 

Deutsche Einstellung zur VC-Kultur

Springub hat zur Startup-Community in der San Francisco Bay Area eine unaufgeregte deutsche Sicht: "Die Unternehmer hier geben gerne zurück. Wer einmal erfolgreich war, investiert sein Geld in neue Ideen" – 'Angel Investment' lautet der Fachbegriff für kleine Beteiligungen, die Gründern eine Starthilfe sein sollen. Investoren und Venture Capital-Firmen seien ständig auf der Suche nach neuen Geschäften, Investments seien derzeit relativ einfach zu bekommen, so der Jimdo-Gründer.

Unter seinen amerikanischen Unternehmerkollegen sorgt er jedoch für Erstaunen. Das Hamburger Unternehmen hat bisher kein Fremdkapital aufgenommen und arbeitet mit 180 Personen profitabel. "Die sind ganz verwundert, dass das auch funktionieren kann." Zehn Millionen Internetseiten wurden mit Jimdo bisher erstellt. Wie viel davon durch die Bezahlversion entstanden sind, verrät Springub nicht. Es scheint jedenfalls genug zu sein, um auch expandieren zu können.

"Social ist noch ein großes Fragezeichen. Was bedeutet das künftig für Websites?"

Der Hamburger will sich dennoch nicht vom schnellen Geld verleiten lassen: "Da haben wir einen sehr deutschen Zugang. Es ist einfach ein gutes Gefühl zu wissen, dass man als Eigentümer alle Entscheidungen treffen kann und keinen Druck von Geldgebern und Beteiligten hat."

Den Druck spürt Springup vor allem durch den Mitbewerb. Wix, ein großer Anbieter von Werkzeugkasten-Websites, ging vergangenen Herbst an die Börse. "Die haben Millionen-Investments, schreiben aber auch ordentlich Verluste." Jimdo wolle vorerst organisch und nachhaltig weiter wachsen.

Mobile Websites statt Apps

"Ein deutsches Unternehmen, das mit 180 Mitarbeitern profitabel ist, klingt doch eher nach einem mittelständischen Unternehmen als nach einem Startup", warf die in Seattle lebende  Medienjournalistin Ulrike Langer ein. Springub gibt ihr recht: "Ja im Grunde sind wir eher ein mittelständisches Unternehmen.

Aber Jimdo fühlt sich wie ein Startup an, nicht wegen des Wachstums oder Gelds, sondern wegen der Mentalität. Die Art, wie wir arbeiten, ist geprägt von der Startup-Kultur." Kommuniziert wird über Online-Tools wie Yammer, aber auch persönliche Interaktion ist Chef Springub wichtig: "Unsere Mitarbeiter hier in San Francisco reisen auch mal eine Woche zum Headquarter nach Hamburg."

Springubs langfristiges Ziel ist, Nummer eins im Segment der Website-Tools zu werden. Mittlerweile stehe man etwa auf Platz drei. Was Jimdo einen Vorsprung gebracht hat: "Wir waren die ersten, die über das Baukastenprinzip auch mobil-optimierte Seiten ermöglicht haben", so der Mitgründer.

Einen App-Baukasten anzubieten, habe das Unternehmen derzeit nicht vor: "Unsere Kunden sind vorrangig Kleinunternehmer. Für die macht es wenig Sinn, Apps anzubieten." Während Mobile bereits im Fokus des deutschen Startups steht, bereitet Springub ein anderer Trend noch Kopfschmerzen: "Social ist noch ein großes Fragezeichen. Was bedeutet das künftig für Websites? Google ist nach wie vor wichtig, aber die User sind immer mehr woanders zu finden."


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