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Nach Heartbleed: Nie aufhören, das Internet zu erklären

Gefangen in der Filterbubble: Warum müssen die Passwörter nach Heartbleed nun geändert werden?
Gefangen in der Filterbubble: Warum müssen die Passwörter nach Heartbleed nun geändert werden? (© 2014 Strato AG )

Meine Twitter-Timeline war in der letzten Woche von Begriffen wie TLS, Public-Key-Encryption und Heartbleed geprägt. Und dabei ging es nicht um ein Festival mit Newcomer-Bands, sondern um einen Bug, der manche User sofort ihre Passwörter ändern ließ. Manche? Ja. Denn viele Menschen erreicht gar nicht, was wir in unserer Filterbubble so mitbekommen.

Wie selbstverständlich wir das Netz benutzen, uns darin bewegen und wie naiv wir oft davon ausgehen, dass der Rest der Welt das genauso macht, ist mir in der letzten Woche erneut besonders aufgefallen.

Wenn ich mich aber umhöre, weiß kaum jemand, wie genau Heartbleed jetzt wirklich funktioniert. Was der Bug auslöst. Was passiert ist.

Meine Timeline redete kaum über etwas anderes als über jeder lesen.

Wenn ich mich aber umhöre, weiß kaum jemand, wie genau Heartbleed jetzt wirklich funktioniert. Was der Bug auslöst. Was passiert ist. Kaum jemand kann nachvollziehen, was genau da vor sich ging, aber doch wechseln die meisten nun ihre Passwörter, weil sie ihren Quellen, ihrer Filterbubble vertrauen. Doch das ist nur ein Bruchteil.

Da passieren Dinge, die uns alle betreffen, und keiner kann's erklären.

Nach und nach fangen nun auch die Netzwerke selbst an, Mails zu versenden, die zu einem Passwortwechsel aufrufen. Warum genau dieser nun nötig ist, wird in keiner dieser Mails so erklärt, dass ein normaler Mensch, der nichts mit Programmierung zu tun hat oder sich für das Social Web interessiert, versteht, was eigentlich los ist. Ich hab's auch noch nicht bis ins Kleinste kapiert.

Da passieren Dinge, die uns alle betreffen, und keiner kann's erklären. Jan hat es versucht und so aufgeschrieben, dass man zumindest halbwegs nachvollziehen kann, was kaputt gegangen ist im System zur sicheren Übermittlung von Daten. Aber die wenigsten haben Zugriff auf so eine - ich nenne sie mal 'menschliche' - Erklärung, die Vergleiche herstellt und technische Implikationen übersetzt und verständlicher macht.

Und dann stolperte ich über eine Erklär-Seite von Facebook. Nicht zum Heartbleed Bug, aber zum Datenschutz allgemein. Eine Seite, die hübsch und bunt aussieht, der Text ist in kurze Abschnitte unterteilt, so wie es Internet das mag. Lieblich sieht die Seite aus, mit Figürchen und Verweisen. "Ja, wir möchten, dass du dich mündig fühlst, deswegen klären wir dich auf" möchte Facebook vermitteln. "Pass auf deine Daten auf" steht auf dem T-Shirt, das Facebook hier trägt. Aber der Waschzettel wurde abgeschnitten. Da soll man als 'normaler User' nämlich nicht draufschauen.

Facebook erklärt angeblich das Thema Datenschutz. Und erwähnt sein eigenes Werbemodell dabei mit keinem Wort. Mit keinem Wort wird erwähnt, welche Daten von Nutzern zum Beispiel Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, um Anzeigen zu schalten. Nirgendwo steht, welche Research-Dienste Facebook seinen unternehmerischen Kunden anbietet, um noch besser auf Facebook agieren und werben zu können. Es wird nicht gesagt: "Mein lieber Kunde, wir verdienen unser Geld mit deinen Daten". Deswegen können sich das die meisten auch nicht vorstellen.

Wir Menschen, die wir uns beruflich mit dem Netz beschäftigen, vergessen das oft. Dass viele das nicht tun. Dass den meisten nicht bewusst ist, wann sie Daten übermitteln, frei- und aus den Händen geben. Dass vor allem viele nicht verstehen, wie das Netz und seine Dienste funktionieren, miteinander verwoben sind und wie auch Politik im Netz passiert. Wie auch – ist natürlich kompliziert. Ist immer kompliziert – auch ohne Netz. Aber wir, die wir uns täglich damit beschäftigen wie mit unserem Kopfkissen und unserem Teelöffel, sollten nie anfangen uns zurückzulehnen, nicht aufhören, das Internet zu erklären, nie aufhören, Fragen zu stellen und nachzuhaken.

Und vor allem sollten wir nicht müde werden, das Netz und seine Dynamiken zu übersetzen. In Worte, die nicht nur wir verstehen – sondern noch viel mehr Menschen. Sonst platzt die kleine Seifenblase und nichts bleibt übrig außer hässlichen Flecken. Es wäre schade drum.

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