Prisma: Die gehypte Foto-App ist ein Privatsphäre-Albtraum

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Die Foto-App Prisma
Die Foto-App Prisma(© 2016 CURVED)

Am Wochenende bestimmten zwei Themen die Social Networks: das EM-Finale und die Foto-App Prisma. Was es damit auf sich hat und warum Ihr die Software besser nicht nutzen solltet.

Einfach formuliert wandelt die Software einfache Fotos in komplexe Kunstwerke um. Doch warum wurde die App die erfolgreichste Foto-Anwendung im App Store? Nun, Prisma legt nicht einfach einen Filter über ein Foto. Es zeichnet das Bild komplett neu.

Weil dafür auch das schnellste Smartphone viel Zeit und viel Energie in Anspruch nehmen würde, nutzt die Software die Power der Cloud. Denn hinter Prisma steckt der russische Mailprovider Mail.ru. Genauer: die Holding Mail.ru Group, die nach eigenen Angaben zusätzlich weitere zwei Millionen Euro in die Weiterentwicklung pumpen will. Viel Geld für eine App, die noch kein erkennbares Geschäftsmodell hat.

Was passiert mit den Bildern?

Eben jenen Upload in die Cloud kritisieren viele Nutzer. Denn was mit den Bildern auf den Servern des Anbieters passiert, ist unklar. Ob sie anschließend auf den Servern bleiben: unklar. Auf der Privacy-Seite des App-Anbieters heißt es lediglich recht schwammig: "Informationen können gespeichert und weiterverarbeitet werden." Ferner erklärt Prisma dort: "Eventuell nutzen wir Nutzer-Informationen, wie Geodaten, Logfiles und weitere Informationen und teilen diese mit Drittanbietern."

Was sich den AGB auch entnehmen lässt: Mit dem Upload gewährt Ihr Prisma "nicht-exklusive, weltweite, weiter veräußerbare" Nutzungsrechte. Diese darf das Unternehmen auch an Unternehmen in Ländern weiterverkaufen, in denen etwa EU-Recht mit Blick auf die Sicherheit Eurer Daten nicht greift.

Zweifelsohne: Die Ergebnisse sind beeindruckend. Denn der App gelingt es tatsächlich, Fotos aus der eigenen Mediathek im Stile bekannter Künstler, wie van Gogh, Munch oder Kandinsky nachzuzeichnen. Wurde ein Bild nach einigen Sekunden Wartezeit "umgemalt", lässt sich die Intensität noch nachjustieren. Anschließend könnt Ihr das Bild in den Social Networks teilen.

Die Krux mit neuralen Netzwerken

Nun darf man sich nicht über die Maßen beklagen, schließlich ist die App kostenlos. Doch würde es zweifelsohne genug Nutzer geben, die für ein entsprechendes Feature auch bezahlen würden. Das Problem, dass die Bilder jedoch erst auf Server hochgeladen werden müssen, um dort neu gezeichnet zu werden, wird sich aber nicht umgehen lassen. Denn eben dieser Vorgang ist der Kern der Technologie, auf der Prisma fußt. Es handelt sich um sogenannte neurale Netzwerke.

Dahinter steckt auch keine Eigenerfindung. Tatsächlich stammt die Idee von Google, die mit Deepdream einen komplexen Algorithmus entworfen haben, der die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen zwei Bildern erkennen und entsprechend smart kombinieren kann. Seit der Vorstellung von Deepdream vor einigen Monaten gab es etliche Portale, überwiegend im russischen Raum, die sich die Technologie zu eigen gemacht haben.

Prisma ist die erste App für iOS, die den Vorgang aufs Smartphone holt. Eine Android-App soll folgen. Doch anstatt neuer Features wünschen wir uns eine Überarbeitung der Privatsphäre-Einstellungen mit der Möglichkeit, der uneingeschränkten Nutzung der hochgeladenen Bilder zu widersprechen. Ist das nicht der Fall, kann man von der Nutzung der App, so cool sie auch sein mag, nur abraten.


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