RCA: Tablet-Hersteller in der Tradition von Sinatra

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Unerwartetes Comeback: RCA-Hund Nipper posiert nun erfolgreich für Tablets!
Unerwartetes Comeback: RCA-Hund Nipper posiert nun erfolgreich für Tablets!(© 2014 RCA)

Es ist nur eine Randnotiz des jüngsten weltweiten Tablet-Rankings, aber es ist doch eine bemerkenswerte Fußnote: Nicht Amazon, Acer, HP, Toshiba, ja nicht mal Microsoft mit seinem Surface zählen zu den fünf meistverkauften Tablets der Welt, sondern ein Billiganbieter mit der traditionsreichsten Geschichte aller vertretenen Hersteller …

Die Welthits sind unvergessen: „Imagination“,  „I’ll be seeing you“ oder „Fools rush in“ – so klingen die Gassenhauer der frühen 40er-Jahre, angestimmt von Bandleader Tommy Dorsey, veredelt von Frank Sinatra in der Frühphase seiner sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere. Seine ersten Meriten verdiente sich „The Voice“ beim seinerzeit mit Abstand größten Label der Welt: RCA Records, Teil der 1919 gegründeten RCA (Radio Corporation America).

RCA kann man getrost als das Apple der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bezeichnen:  RCA begründete das  moderne Radio und kontrollierte den jungen Markt ebenso weitgehend wie die Fernsehindustrie mit dem 1926 gegründeten Sender NBC und die Musikbranche mit der Einführung der Schallplatte und Übernahme des weltgrößten Labels Victor. Bis heute in Erinnerung ist das Symbol jener glorreichen Ära – der Hund Nipper, der vor einem Grammophonlautsprecher der „Stimme seines Herren“ (His Masters Voice) lauschte.

Mehr verkauft als Microsoft, Amazon, HP, Acer oder Toshiba!

Was folgte, ist der Gang, den alle Imperien im Verlauf ihres Lebenszyklus durchschritten haben – an einer Stelle bricht die Entwicklung ab. Nach dem Tod von Konzernpatriarch David Sarnoff verlor RCA durch wachsende Konkurrenz in allen Sparten zunehmend an Bedeutung und wurde schließlich 1986 an Mehrheitseigentümer General Electric verkauft und in der Folge aufgespalten – das Plattengeschäft ging an Bertelsmann, der Traditionssender NBC blieb das größte Asset.

Und das Unternehmensmaskottchen Nipper? Taucht plötzlich auf einer Unternehmenswebseite von RCA auf, auf der Tablets verkauft werden! Und das mit Erfolg, der an vergangene Glanzzeiten erinnert: Im abgelaufenen dritten Quartal setzte RCA bemerkenswerte 2,6 Millionen Tablets ab – das waren mehr verkaufte Einheiten als die Tech-Riesen Amazon mit der Kindle Fire-Serie oder Microsoft mit seinem aufwendig in den Markt gedrückten Surface verkaufen konnten!

Nach Absatzanstieg von 200 Prozent weltweit fünftgrößter Tablet-Hersteller

Auch HP und die asiatische Konkurrenz von Acer und Toshiba konnte es nicht mit dem unwahrscheinlichsten  Emporkömmling aufnehmen. Tatsächlich ist RCA mit einem Absatzplus von enormen 200 Prozent zum weltweit fünftgrößten Tablet-Hersteller mit einem Marktanteil von fünf Prozent aufgestiegen!

Die Gründe für eine der erstaunlichsten Erfolgsstorys des Tech-Jahres 2014 sind schnell gefunden: Das Android-Tablet ist extrem günstig und wird bei der weltgrößten Supermarktkette Walmart vertrieben. Und das zu absoluten Kampfpreisen: Die vier verschiedenen Modelle in 7, 8, 9 und 10 Zoll sind bereits ab 65 Dollar zu haben. Die teuerste Variante, die 10,1 Zoll große RCA Pro10 Edition, ist für199 Dollar erhältlich – inklusive Tasche mit Bluetooth Tastatur.

921 Gramm: 10-Zöller von RCA ein Schwergewicht mit 2 MP-Kamera

Der genügsame Nutzer bekommt für das vermeintliche Schnäppchen ein schwergewichtiges Android-Tablet (921 Gramm,!) mit 1,5 Ghz Quadcore-Prozessor, 16 GB Speicher, 1 GB RAM, einem Display in HD-Auflösung (1024x600 Pixel), einer 2 MP-Kamera (Frontkamera: 0,3 MP!) und 6 Stunden Akkulaufzeit.

Die Billigvariante in 7-Zoll kommt zu einem Drittel des Gewichts zu ähnlichen Specs (8 statt 16 GB Speicher) daher. Gefertigt wird das RCA-Tablet vom kanadischen Elektronikkonzern Venturer Electronics, der sich die Rechte an der ruhmreichen Markenhülle von RCA sicherte.

RCA auch in der Weihnachtssaison gut positioniert – doch was dann?

„Mit seinen günstigen Angeboten waren RCA Tablets ein großer Erfolg der Back-to-School-Season und dürften es auch während der Weihnachtssaison werden“, kommentierte der Marktforscher IDC den Erfolg des Überraschungsaufsteigers. Dass sich RCA nachhaltig unter den besten Tablet-Herstellern festsetzen kann, erscheint indes eher unwahrscheinlich: Die Kooperation mit Walmart läuft nach dem Black Friday Ende des Monats aus.

Gleichzeitig sagt der Sensationserfolg auch viel über den Zustand des Tabletmarktes aus, auf dem laut IDC im vergangenen Quartal nur 53 Millionen Einheiten verkauft wurden: Der Markt ist zersplittert, die Käufer wechselbereit und weitaus weniger loyal als beim Smartphone-Kauf. In gewisser Weise ist RCAs Erfolg mit für Apples jüngsten Verlust beim iPad verantwortlich – wenn das nicht eine historische Dimension ist…


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