WhatsApp Plus: Immer noch Finger weg vom Messenger-Klon

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WhatsApp Plus mit vielen zusätzlichen Funktionen
WhatsApp Plus mit vielen zusätzlichen Funktionen(© 2014 WhatsApp Plus, CURVED Montage)

WhatsApp Plus sieht aus wie eine bessere Version der beliebten Messenger-App. Aber wer steckt hinter dem inoffiziellen Klon für Android? Wir haben einen neuen Besitzer entdeckt und raten Euch immer noch dringend von der Installation ab.

WhatsApp Plus ist Geschichte: Am 21. Januar 2015 erklärte der Betreiber des Drittanbieter-Clients, Mounib Al Rifai, über seinen Google Plus-Account, dass er eine Unterlassungserklärung von WhatsApp erhalten habe. Er und das Team seien in die Ecke gedrängt und kämen da auch nicht mehr heraus. "Es war eine lustige Tour, aber nun ist sie zu Ende", kommentiert er die aktuelle Entwicklung und schließt mit den Worten "21 Januar RIP WhatsApp+". Damit gehört der Messenger der Vergangenheit an.

Was kann WhatsApp Plus?

WhatsApp Plus bietet viele Funktionen, die dem Original-Messenger fehlen: Ihr könnt Euren Online-Status verbergen, Musiktitel versenden und findet zusätzliche Emoticons und Emojis. Darüber hinaus könnt Ihr die Oberfläche anpassen, indem Ihr eines der zahlreichen von anderen Nutzern erstellten Themes herunterladet oder eines der unterschiedlichen Launcher-Icons auswählt. Trotz der riesigen Verbreitung hat WhatsApp kein eigenes Widget für Android. WhatsApp Plus dagegen schon. Mit dem 4x1-Widget habt Ihr vom Homescreen direkten Zugriff auf Euer Profil, Euren Status und die Einstellungen der App. So weit, so gut. Aber was viele nicht wissen: Whatsapp Plus ist nicht die offizielle Pro-Variante von Whatsapp.

Wer steckt hinter WhatsApp Plus?

Anfang 2014 nannte sich der Entwickler von WhatsApp Plus "rafalense" und war nach eigenen Angaben ein in Holland lebender Spanier, der seine wahre Identität geheimhält. Die Domain der "offiziellen" Homepage war damals noch anonym registriert. Angesichts der unerlaubten Nutzung des bekannten Namens keine große Überraschung.

Im Laufe des Jahres scheint rafalense seine Arbeit vergoldet und WhatsApp Plus verkauft zu haben. Anfang 2015 ist die Domain der App auf einen "Rashid Alkalbani" aus dem Oman registriert. Für das Changelog zeichnet ein gewisser "Mohammed Alkalbani" verantwortlich. Die Homepage steht inzwischen nicht nur auf Englisch, sondern auch in einer arabischen Übersetzung zur Verfügung. Die Datenschutzerklärung ist sogar nur auf Arabisch verfügbar. Deutliche Hinweise auf eine neue Zielgruppe und neue Verantwortliche, die nicht mehr der Meinung sind, sich verstecken zu müssen.

Was kostet WhatsApp Plus?

WhatsApp Plus ist kostenlos, Ihr müsst aber natürlich die 0,89 Euro zahlen, die für die Nutzung von WhatsApp nach dem ersten kostenlosen Jahr fällig werden. Die 2,59 Euro teure Spenden-App Plus Donation von rafalense ist derweil aus dem Play Store verschwunden.

Gibt es WhatsApp Plus auch für iOS?

Nein, für das iPhone gibt es die App nicht. Zwar wäre auch eine Installation unter iOS auf anderem Wege möglich, aber deutlich aufwendiger als unter Android. Ein iPhone müsstet Ihr jailbreaken, bei Googles Betriebssystem lässt sich eine APK dagegen mit wenigen Klicks installieren. Die Hintermänner von WhatsApp Plus zeigten bisher auch keine Ambitionen, eine iOS-Version zu programmieren.

Wie installiert Ihr WhatsApp Plus?

Da WhatsApp Plus nicht mehr im Play Store verfügbar ist, müsst Ihr Euch die APK-Datei von einem der mehr oder weniger seriösen Download-Portale, die die Google-Suche auswirft, oder direkt von der "offiziellen" Homepage herunterladen, um die App installieren zu können. Bevor Ihr die Paketdatei öffnen könnt, müsst Ihr unter Einstellungen -> Sicherheit die "Installation von Apps aus anderen Quellen als dem Play Store zulassen".

Damit WhatsApp Plus funktioniert, ist die vorherige Installation, Einrichtung und Nutzung der Originalversion von WhatsApp notwendig. Der Versand von zwei, drei Nachrichten reicht offenbar aus. Anschließend entfernt Ihr die App und installiert die Plus-Version.

Kann ich mit WhatsApp Plus größere Dateien verschicken als mit WhatsApp?

Jein. Über WhatsApp könnt Ihr Fotos und Videos zu einer Größe von 16 Megabyte versenden. WhatsApp Plus erlaubt den Versand von bis zu 30 Megabyte großen Dateien. Diese Grenze setzen die offiziellen Server von WhatsApp, da natürlich alle Nachrichten über sie laufen und WhatsApp Plus kein eigenes Rechenzentren unterhält.

Kann ich ein Backup von WhatsApp Plus anlegen?

Ja, die App verfügt über eine integrierte Backup-Funktion. Unter Menü -> Plus -> Full WhatsApp+Backup könnt Ihr eine Sicherungsdatei anlegen, die Ihr bei der erneuten Installation der App einlesen könnt.

Was spricht gegen WhatsApp Plus?

Um zu funktionieren, benötigt WhatsApp Plus die gleichen umfangreichen Rechte, die der Original-App schon den Ruf einer gefräßigen, unsicheren Datenkrake eingebracht haben. Hinzu kommt, dass trotz einer namentlich registrierten Domain immer noch völlig unklar ist, wer hinter der App steckt - "Rashid Alkalbani" ist im arabischen Raum kein seltener Name.

Zudem handelt es sich bei WhatsApp Plus um eine unerlaubte Kopie des Messengers, die um einige - zugegeben sinnvolle - Funktionen ergänzt wurde. Schon vor der Übernahme durch Facebook ging das Unternehmen wegen Copyright-Verstößen gegen verschiedene Open-Source-Projekte vor, wie heise berichtet. Trotzdem hält sich WhatsApp Plus bereits länger als viele Beobachter vermutet hatten.

Sperrt WhatsApp Nutzer von WhatsApp-Plus?

Ja, im Januar 2015 begann WhatsApp Nutzer von WhatsApp-Plus und weiteren Apps von Drittanbietern für 24 Stunden für den Messenger zu sperren, da sie ein unlizenziertes Programm benutzen, dass gegen die Nutzungsbedingungen verstoße. Beim nächsten Login wird man auf die offizielle FAQ-Seite geleitet, in der WhatsApp zum Download der offiziellen Anwendung auffordert. Nur so seid Ihr in der Lage den Messenger-Dienst weiter zu benutzen. Als Begründung gibt WhatsApp an, dass keine Beziehung zu WhatsApp Plus bestehe und die Entwicklung der App nicht autorisiert sei. Außerdem könne man nicht garantieren, dass der Quellcode sicher sei und es könne sein, "dass deine privaten Informationen potentiell ohne dein Wissen oder dein Einverständnis an Dritte weitergegeben werden."

Besser: Offizielle Alternativen nutzen

Auch wenn die Features des Messenger-Klons verlockend klingen: Installiert die Software nicht. Werft stattdessen lieber einmal einen Blick auf unsere Whatsapp-Alternativen. Wir empfehlen Euch Line als Messenger-Ersatz, der nicht nur auf Smartphones und Tablets, sondern auch unter Windows und OS X funktioniert. Schickt Ihr lieber verschlüsselte Nachrichten, sind Surespot, Textsecure, Wickr, Threema oder Telegram einen Blick wert.


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