Android Automotive im Hands-on: Mit dem Volvo Polestar 2 in die Zukunft

Unser CURVED-Redakteur hatte Android Automotive im ersten Hands-on.
Unser CURVED-Redakteur hatte Android Automotive im ersten Hands-on.(© 2019 Volvo Polestar)

Die nahe Zukunft des Autos wird persönlich: Dank Android Automotive wird euer Fahrzeug selbstständig euren Kalender mit Google Maps synchronisieren, bereits zu Hause vor Staus warnen und bei der aktuellen Hitzewelle schon mal die Klimaanlage einschalten, bevor ihr einsteigt. Wir haben uns mit dem Volvo Polestar 2 eines der ersten Autos angeschaut, das Android Auto 2019/2020 auf die nächste Technologiestufe bringt. 

Die Zukunft wird immer anders, als wir denken: Wer sich auf den großen Technologie-Shows dieser Welt wie der CES herumtreibt, der erlebt das Auto der Zukunft oft im Rausch des Luxus. Der Mercedes F105 etwa ist eine fünf Meter lange Lounge-Limo von der Größe eines Maybach. Salontüren schlagen zu den Seiten auf, es ist wie ein Hotelzimmer auf Rädern. Mit Sitzen, die sich zum Meeting-Raum formieren lassen, für unterschiedliche Anlässe Düfte und Lichtstimmung ändern. Doch so schön sich das auch immer im Hands-on anfühlt, diese Produkte haben mindestens zwei Probleme:

  1. Der Release dauert noch. Der Mercedes-Benz F105 in der Lounge-Variante soll erst 2025 erscheinen
  2. Sie kosten in etwa im Bereich einer Mercedes S-Klasse oder eines Porsche 911, also ab 100.000 Euro und richten sich eher an eine sehr gutbetuchte Klientel.

Wir haben uns daher gefragt: Was gibt es eigentlich jetzt schon? Was ist in Entwicklung, kommt sehr bald raus und liegt in einem Bereich, für den wir keinen Geldspeicher wie Dagobert Duck oder Jeff Bezos brauchen. Und wir wurden fündig. Denn Google arbeitet gerade an der nächsten Technologiestufe von Android Auto namens Android Automotive – und wir konnten uns gerade das erste Fahrzeug anschauen, welches diese Technologie an Bord hat: Der Volvo Polestar 2.

Android Automotive: Die nächste Auto-Generation wird deutlich smarter

Android hat sein Auto-Betriebssystem besonders weit entwickelt und möchte Smartphone und Fahrzeug eng verzahnen. Das macht auch absolut Sinn: Wenn ihr Google Maps erlaubt euch zu tracken, weiß euer Huawei P30, Samsung Galaxy S10 oder anderes Android-Smartphone eurer Wahl jetzt schon, wo ihr arbeitet, was euer Lieblingsrestaurant ist, wo ihr einkaufen geht, eure Post hinbringt und vieles mehr. Durch maschinelles Lernen sollen diese Ergebnisse gebündelt und aufs Auto übertragen werden, welches natürlich via SmartphoneSprache gesteuert wird.

„Hey Google, fahre mich zur Arbeit und halte vorher an der Post“

Android Automotive sorgt dann dafür, dass in Google Maps automatisch die beste Route zur nächsten Post und dann zum Büro berechnet und auf dem Screen angezeigt wird. Denn auch das ist ein schöner Trend in der Automobil-Welt: Die Großen lernen von Tesla. Der Volvo Polestar 2 etwa bringt ein 9 Zoll großer Screen in seinen voll elektrischen 5-Türer, der mit 408 PS durchaus Power unter der Haube hat, 500 Kilometer rein elektrische Reichweite mitbringt und mit 35.000 Euro im bezahlbaren Bereich angesiedelt ist.

Was Android Automotive von Android Auto unterscheidet, ist das die Inhalte nicht einfach gespiegelt, sprich Informationen vom Smartphone aufs Auto gestreamt werden – was mitunter etwas lange dauert. Stattdessen liefert das Android-Smartphone die Informationen vorab ans Auto, welches diese dann in einer Oberfläche darstellt, die letztlich wie Android 10 Q aussieht: die Apps für Einstellungen, daneben Spotify, WhatsApp und Google Maps im Untermenü, das Hauptmenü ist gevierteilt und erlaubt den direkten Blick auf die Kacheln für Google Maps, Spotify, WhatsApp und die Batteriekapazität des Autos.

Die Weltpremiere und alle Details zum Polestar 2

Schon mit der nächsten Android-Version, also dem Betriebs-OS nach Android 10 Q soll der Google-Algorithmus in der Lage sein, komplexere Sätze zu verstehen und Daten mit eurem Terminkalender abzugleichen. Das Ziel ist es, Autofahren komfortabler zu gestalten.

Wenn sich euer Android-Auto mit eurem Android-Smartphone synchronisiert, weiß es beispielsweise bereits beim Einsteigen, dass ihr jetzt einen Friseurtermin habt, danach zum Kunden müsst und später einen Restaurantbesuch geplant habt. Oder aktiviert automatisch die Route zum Flughafen, schließlich wissen Smartphone und Auto, dass ein Flug ansteht, weil ihr eurem Telefon erlaubt habt eure E-Mails nach Bordkarten zu scannen.

Euer nächstes Auto möchte euch dank Android Automotive kennenlernen

Das ist kein Witz und klingt wie wir finden sehr interessant. Denn wir Menschen sind alle unterschiedlich: Der eine fährt eher schnell, der andere langsam. Der eine muss morgens um 7 Uhr ins Büro, der andere um 9 Uhr. Wenn euer Auto euch kennenlernt, hat das den enormen Vorteil, dass es Daten auswerten und Empfehlungen geben kann. Das Smartphone bezieht, so ihr das aktivieren möchtet, aktuelle Verkehrsdaten von Google Maps, welches wiederum weiß wo Staus lauern.

Entsprechend gibt’s einen kleinen Alert auf dem Display: „Stau auf dem Mittleren Ring in München, lieber 20 Minuten früher losfahren" – Da freut sich der Chef oder die Chefin. Auch sonst hat dieses Kennenlernen einige Sonnenseiten: Google gehört Nest, wer ein solches Thermostat besitzt, der speichert darauf seine bevorzugte Raumtemperatur, die auch das Fahrzeug adaptieren kann. Via Smartphone lässt sich entweder aktiv die Klimaanlage anschalten oder das Auto erledigt das automatisch.

Schließlich weiß es, wann ihr in der Regel zur Uni oder zur Arbeit fahrt. Oder ihr macht das über den Google Assistant, der direkt ins Fahrzeug eingebaut ist. Zudem bietet bereits das nächste 2019er Update von Android Auto die Funktion Stop-and-Play. Damit könnt ihr über das Soundsystem des Wagens direkt euren Lieblingssong weiter hören. Oder Podcasts, was sehr praktisch ist.

Schnelleres Betriebssystem mit voller WhatsApp-Integration

Wer von euch schon mal die aktuellen Systeme von Audi, Mercedes oder BMW ausprobiert hat, der weiß, dass Sprachsteuerung zwar funktioniert, aber nicht so schnell in der Erkennung ist wie etwa eine Alexa oder ein Google Home. Zudem hat man die gewohnte Obersicht seiner Lieblings-Apps auf einem Tablet, das in etwa die Größe des kleinen iPad Pro oder Samsung Galaxy Tab S5 hat und sehr schnell reagiert – sowohl auf Touch-Eingaben als auch Voice-Steuerung. Erfreulich ist auch die volle Integration von WhatsApp. Es ist noch unklar, ob eventuell später auch Slack oder Skype integriert werden, aber via WhatsApp lässt sich schnell eine Nachricht für Mama diktieren oder eine Message ans CURVED-Team.

Wann geht’s los mit Android Automotive? Der Volvo Polestar 2 lässt sich bereits vorbestellen und wird im Mai 2020 geliefert. Audi, Mitsubishi, Nissan und andere Hersteller wollen ebenfalls Android Automotive verwenden. BMW setzt auf Apple CarPlay, welches wir euch ebenfalls bald vorstellen werden. Mercedes-Benz bleibt bei seinem eigenen MBUX-System.


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