Anki Cozmo im Test: Nümmerchen 5 lebt – auf Eurem Schreibtisch [mit Video]

Cozmo ist das perfekte Haustier: Er haart nicht, macht keinen Dreck und lässt sich abschalten. Ist aber unverschämt süß für einen Roboter, der auf Eurem Schreibtisch lebt. Wenn er nicht so fordernd wäre...

Tatsächlich ist der knuffelige Roboter nicht dazu da, Euch Arbeit abzunehmen. Vielmehr macht er sie Euch, wenn auch auf eine sehr unterhaltsame Art und Weise. Damit erinnert er ein wenig an die Tamagotchis der 90er Jahre. Und tatsächlich: Nur wenn man Cozmo regelmäßig füttert, pflegt und mit ihm spielt, ist er wirklich zufrieden. Aber Cozmo kann viel mehr: Man kann mit ihm spielen, ihn programmieren oder ihm einfach dabei zusehen, wie er sich alleine die Zeit vertreibt.

Ein verspielter Roboter mit Emotionen

Cozmo hat seine eigene Persönlichkeit. Er ist zwar ein Roboter aus Elektronik und Kunststoff. Doch seine Bewegungen, die Geräusche, die er von sich gibt, und die animierten Augen geben ihm genug Möglichkeiten, seine Gefühle auszudrücken. Falls man mal nicht versteht, was er will, verrät die App auf dem Smartphone, wonach ihm der Sinn steht. Mit dem Verkaufsstart in Deutschland erhielt die App ein Update und Cozmo drei "Bedürfnisse": Füttern, Spielen und Tuning. Kümmert man sich um diese Dinge und füllt die drei Balken auf, bekommt man alle drei Tage sogenannte "Sparks" zur Belohnung. Die sind die In-Game-Währung, mit der man Cozmo zu bestimmten Aktionen und Spielen überreden kann.

Zum Füttern schüttelt man einen der mitgelieferten Power Cubes und stellt ihn vor Cozmo. Der zieht sich dann sinnbildlich seine Nahrung aus dem Würfel. Beim Tuning muss man Kopf, Hebearm oder die "Raupenketten" bewegen, um ihn fit zu halten. Bei den Spielen ist die Auswahl größer: Sie tragen Namen wie "Fang mich", "Hau mich" oder "Erinnere dich" und nutzen die Power Cubes. Mal geht es darum, den Würfel wegzuziehen, bevor Cozmo drauf haut. Mal gilt es, schnell draufzuhauen, wenn beide in der gleiche Farbe aufleuchten. Das Gedächtnis ist gefragt, wenn es darum geht, sich eine Abfolge zu merken und die Power Cubes in der korrekten Reihenfolge anzutippen. Manchmal will Cozmo aber auch einfach nur nach Euren Fingern schnappen.

Je öfter man mit Cozmo spielt, desto besser wird er und desto mehr Spielvarianten schaltet man frei. Bei "Hau mich" startet man zum Beispiel mit einer Farbe, in der die Würfel aufleuchten. In der schwersten Spielstufe leuchtet dann jedes der vier Felder in einer anderen Farbe. Über die App kann und will Anki von Zeit zu Zeit weitere Spiele und Gesten, bzw. Aktionen für Cozmo hinzufügen.

Cozmo beschäftigt sich alleine und animiert Kinder zum Programmieren

Lässt man Cozmo sich alleine die Zeit vertreiben, schlägt er selber Spiele vor oder beschäftigt sich eigenständig mit den Power Cubes. Die trägt er nicht nur durch die Gegend oder stapelt sie, sondern hat auch klare Vorstellungen davon, wie sie herumstehen sollen. Ist der Stapel höher als zwei Würfel, schmeißt er ihn um. Und wenn die leuchtende Seite nicht oben liegt, dreht er den Power Cube, bis er oben leuchtet. Manchmal steht Cozmo aber auch einfach nur da und summt ein Lied vor sich hin. Spätestens nach anderthalb Stunden ist aber Schluss mit Cozmo. So lange hält in etwa sein Akku und er muss zurück auf die Ladestation.

Im Kopf von Cozmo untergebracht ist eine kleine Kamera, die der Roboter nutzt, um Gesichter zu scannen. So kann er Menschen erkennen und sich Gesichter mit passenden Namen merken, um sie zu grüßen und sich zu freuen, wenn er alte Bekannte trifft. Sogar Haustiere erfasst Cozmo – und ahmt dann deren Geräusche nach. Im Test hat er allerdings viele Phantom-Katzen und -Hunde entdeckt – und nie war ein echtes Tier in seiner Nähe.

Über die Cozmo-App kann man die Kontrolle über den Roboter übernehmen und ihn fernsteuern. Dabei hat er sich vor allem mit seinem "Bieep"-Warnton beim Rückwärtsfahren sofort einen Platz in unseren Herzen gesichert. Dann klingt er nämlich wie ein kleiner LKW. Der Kopf und der Greifarm lassen sich ebenfalls bewegen, sodass man auch selbst die Power Cubes stapeln könnte.  Mehr noch: Sogar Worte kann man Cozmo in den Mund legen. Bei einigen Kraftausdrücken weigert er sich allerdings.

Cozmo ist aber nicht nur ein Spielzeug, sondern auch hoch entwickelte Technik. Damit der Roboter so gut und realistisch funktioniert, hat Anki im Bereich der Robotik und Künstlichen Intelligenz sehr viel geleistet. Und so will der Hersteller Kinder an die Themen Robotik und KI ebenso spielerisch heranführen. In der Cozmo-App hat man deswegen ein Code Lab implementiert, in dem man ohne Vorwissen aus Bausteinen neue Aktionen für Cozmo zusammensetzen bzw. programmieren kann. Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann mit dem Entwicklerbaukasten auf weitere Funktionen von Cozmo zugreifen und eigene Anwendungen in Python programmieren.

Fazit: das bessere Haustier

Im Science-Fiction-Klassiker "Nummer 5 lebt!" wurde ein Roboter vom Blitz getroffen und entwickelte in Folge ein Eigenleben. 31 Jahre später braucht es kein Blitz, um Cozmo über Euren Schreibtisch zu schicken. Vielmehr hat Anki mit viel Aufwand dem kleinen Roboter einen Charakter verpasst. So ist ein bisschen das Haustier für alle, die kein Haustier haben wollen. Nebenbei bringt er dem Nachwuchs noch das Programmieren bei. Dafür müssen Eltern aber auch tief in die Tasche greifen: Mit 230 Euro ist Cozmo kein günstiges Gadget.


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