Anki Overdrive im Test: die Smartphone-Rennbahn mit Spaßbremse

Anki Overdrive ist die moderne Form der Carrera-Bahn - mit Infrarot-Sensoren statt Schienen und einer App auf dem Smartphone statt eines Handreglers. Willkommen zum Großen Preis von CURVED!

Als ich Anki Drive bei der WWDC-Keynote 2013 das erste Mal gesehen habe, wollte ich die Rennbahn schon ausprobieren. Mit Anki Overdrive hat es die zweite, überarbeitete Version - Rennstrecke aus Klick-Elementen statt eines "Rollteppichs" - endlich zu uns geschafft.

Schneller Start

Zum Test konnte ich eine Rennstrecke aus dem Familien-Bundle von Anki Overdrive sowie dem Kreuzungselement bauen. Zusätzlich zum Starter Kit standen mir damit zwei weitere Autos, sogenannte Supercars, sowie je vier weitere Kurven und Geraden und eine Sprungschanze zur Verfügung. Die Montage der einzelnen Streckenelemente, die von Magneten zusammengehalten werden, geht sehr schnell, da sie von alleine zusammenklicken. Die meiste Zeit verbringt man beim Aufbau damit, sich eine Streckenverlauf zu überlegen. Die Autos sind auf der mitgelieferten Ladestation in acht bis zehn Minuten aufgeladen. Und sie halten lange: Ich habe es in meinen halbstündigen Rennsessions nicht geschafft, die Batterie leer zu fahren.

Wer jetzt denkt, dass er mit dem Smartphone tatsächlich die Autos steuert liegt falsch. Denn die kleinen Supercars verfügen über Infrarot-Sensoren und tasten mit diesen die Streckenelemente hab. So bleiben sie nicht nur in einer der vier Spuren, sondern erkennen auch, wann sie vor der Sprungschanze Gas geben müssen. Über die iOS- oder Android-App kann ich also nur die Spuren wechseln und das Grundtempo erhöhen oder drosseln. Die Kurven und damit zusammenhängende Beschleunigungen und Bremsvorgänge übernehmen die Autos ganz alleine - wenn ich sie nicht mit einem Boost zu schnell beschleunige. Dazu läuft die komplette Rechenarbeit im Smartphone ab.

Die App von Anki Overdrive erinnert mich an ein Arcade-Rennspiel. Nach einem kurzen Tutorial kann ich ein Turnier gegen verschiedene KI-Gegner fahren oder im sogenannten Open Play-Modus zwischen vier verschiedenen Rennvarianten - Rennen, Kampf, King of the Hill und Zeitrennen - wählen und hier gegen bis zu vier menschliche Gegner oder Bots antreten. Während des Rennens erhöhe oder verringere ich das Tempo über einen Schieberegler und kann die anderen Supercars mit verschiedenen Waffen abschießen und so kurzzeitig aus dem Rennen nehmen. Neben den Waffen gibt es noch weitere Gimmicks wie Traktorstrahlen mit denen man das vor einem fahrende Auto verlangsamt oder einen Boost für mehr Tempo.

Für erfolgreiche Rennen gibt es Punkte, weitere Ausrüstungsgegenstände und natürlich steigt man auch in höhere Level auf. Mit der Zeit verbessern sich so die Supercars und verfügen über bessere Waffen, beschleunigen schneller oder erreichen eine höhere Endgeschwindigkeit. Das kann im Spiel gegen andere Menschen unfair werden, aber andererseits sorgt diese Prinzip dafür, dass es auch eine Motivation gibt alleine Runden gegen die KI zu drehen.

Zur Nachjustierung an die Box

Wer zu schnell in die Kurve fährt, fliegt auch bei Anki Overdrive von der Strecke und muss sein Supercar mit der Hand auf die Bahn zurücksetzen. Hat man Glück, findet das Auto sogar über kurze Entfernungen selbst auf die Rennstrecke zurück. Für Frust sorgte beim Spielen dagegen, dass die Wagen die Sprungschanze zu oft nicht erkannten, deswegen nicht ausreichend beschleunigten und im Graben landeten.

Bevor ein Rennen startet, fahren die Autos die Rennstrecke entlang und scannen sie ab. Das ist insofern verständlich, da man sie ja umbauen könnte. Es nervt aber trotzdem, da es unnötige Wartezeit bedeutet. Außerdem musste ich im Test feststellen, dass der Scanvorgang vor allem bei Strecken mit Sprungschanzen und vier Supercars nicht immer einwandfrei klappt. Die App bemerkt dies nach einer gefühlten Ewigkeit, lässt mich den Scanvorgang aber auch nicht abbrechen. Ich kann nur die Anwendung komplett beenden und sie neustarten. Hier sind die Entwickler von Anki gefragt. Richtig nervig wird der Scanvorgang, wenn man gerade mit Freunden ein Rennen mit viel Spaß und großer Freude beendet hat und schnell eine Revanche fahren will - aber erstmal wieder auf den Strecken-Scan warten muss. Es gibt nämlich keine Möglichkeit, der App und den Supercars zu sagen, dass sich nichts verändert hat. So müssen sich Formel 1-Fahrer fühlen, wenn ständig das Safety Car auf dei Strecke kommt.

Hochpreisiges Weihnachtsgeschenk

Anki Overdrive ist kein Schnäppchen, sondern bewegt sich im gleichen Bereich, wie die klassische Carrera-Bahn, die je nach Variante mal günstiger, mal teurer ist. Das Starter Kit von Anki Overdrive mit zwei Supercars, zehn Streckenlementen, zwei Brückenpfeilern, Ladestation und einem Reifenreiniger kostet 180 Euro. Darüber hinaus gibt es weitere Bundles für 240 bis 620 Euro, für jedes zusätzliche Auto zahlt Ihr 60 Euro, Streckenerweiterungen kosten zwischen 25 und 35 Euro. Unser Test-Setup schlägt mit 350 Euro für das Familien Bundle und 35 Euro für das Collision Kit zu Buche.

Ein passendes Smartphone als Steuerelement braucht man für jeden Spieler auch noch. Die App soll auf allen Geräten mit mindestens iOS 7 oder Android 4.4 laufen. Anki hat die Anwendung aber nur auf mehreren Apple-Geräten, den aktuellen Modellen von LG und Samsung sowie Smartphones aus der Nexus-Serie ausprobiert.

Ab zum Boxenstopp

Anki Overdrive macht viel Spaß - wenn denn alles richtig klappt. Hier muss der Hersteller vor allem an der App noch nachbessern und sich eine Alternative zum ständigen Strecken-Scan überlegen. Das und die unzuverlässige Erkennung der Sprungschanze mindern den Spielspaß schon sehr - vor allem, weil die Carrera-Bahn 2.0 kein Schnäppchen ist.


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