iPhone X im Test: das Hands-on [mit Video]

Das Warten hat ein Ende: Im brandneuen Steve Jobs Theater im Apple Park in Cupertino hat Apple das iPhone X enthüllt. Wir konnten es uns schon genauer anschauen. Ein erstes Hands-on.

Look & Feel

Display, wohin das Auge blickt: Das iPhone X ein einziger, großer Bildschirm. Die 2436 x 1125 Pixel auf 5,8 Zoll sind der Hingucker beim neuen Apple-Smartphone. Unterbrochen wird das Bild nur von den Kameras und Sensoren (dazu später mehr) am oberen Ende. Ansonsten reicht der Bildschirm selbst in den abgerundeten Ecken bis zum hochglanzpolierten Rand aus Edelstahl. Mit Blick auf die Rückseite aus Glas könnte man beim iPhone X auch von einem Glas-Sandwich mit Metallbelag reden: Während man vorne auf Glas tippt und die Handfläche hinten Glas berührt, ist der Rahmen zwecks Stabilität aus Metall gefertigt. Für alle, die sich nun aufregen: Auch HTC mit dem U Ultra oder Samsung mit dem Galaxy S8 und Note 8 verbauen Glas-Rückseiten.

Wie für Apple typisch, sind keinerlei Spaltmaße auszumachen. Auch wirkt die Verarbeitung des Display gerade in den Ecken absolut sauber. Das Glas soll laut Apple das robusteste sein, das jemals in einem Smartphone verbaut wurde. Droptests habe ich natürlich nicht durchgeführt. Doch im Erstkontakt fühlt es sich zumindest schon mal wärmer an als die bisherigen Aluminium-Rückseiten der Vorgänger-Modelle.

Auf der rechten Seite befinden sich weiterhin ein Slot für die SIM-Karte sowie ein Powerbutton, der etwas größer ausfällt, Links die Knöpfe zum Regulieren der Lautstärke sowie der Stummschalter. Verschwunden ist der Homebutton bzw. Touch ID auf der Front. War der Button zuletzt auch weniger ein Button im eigentlich Sinne, sondern ein Fingerprintsensor-Feld, das zusammen mit der verbauten Taptic Engine im Inneren ein haptisches Feedback geben konnte, ist er beim iPhone X nun komplett gewichen, um Platz für das Display zu schaffen.

Einen Teil der Aufgaben des "alten" Homebuttons übernimmt nun der Powerbutton. Ein langer Druck etwa startet Siri. Das fühlte sich im ersten Hands-on nicht ungewohnter an als die Benutzung des Homebuttons. Um etwa aus einer App oder vom Lockscreen auf den Homescreen zu gelangen, genügt künftig ein Swipe von unten nach oben. Stoppt man auf der Hälfte der Displayfläche, gelangt man in die Multitasking-Übersicht.

Face ID

Im wahrsten Sinne auf den zweiten Blick offenbart sich das eigentliche Killer-Feature: Face ID. Brauchte es bislang auf iPhones mitunter den Fingerabdruck, um das Smartphone zu entsperren oder Käufe im App Store zu autorisieren, genügt beim iPhone X ein Blick. Die Frontkamera und eine ganze Reihe von Sensoren identifizieren den Benutzer, sobald er das Smartphone in die Hand nimmt und zum Gesicht führt. Neben der Kamera dient ein Infrarotsensor für einen zweiten Sicherheitscheck, ob es sich tatsächlich um das korrekte Gesicht handelt. Was sich in der hell erleuchteten Hands-on-Area nicht ausprobieren ließ: Dank Infrarot soll Face ID auch im Dunkeln funktionieren. Ein Projektor wiederum erstellt jedes Mal eine Art Karte des Gesichts und gleicht so zusätzlich ab, ob es sich denn um den richtigen Nutzer handelt, der das Smartphone gerade in seinen Händen hält.

Bezahlen mit Apple Pay und Face ID auf dem iPhone X(© 2017 CURVED)

Nach der Ersteinrichtung lassen sich anschließend das iPhone entsperren, Käufe im App Store autorisieren oder etwa Logins im Safari-Browser ausfüllen. Natürlich war keine Zeit, mein eigenes Gesicht für Face ID einzurichten. Doch die Erkennung, etwa für Apple Pay, funktionierte auf den Demo-Geräten genauso schnell wie zuvor entsprechende Prozesse mit Touch ID.

Apples Entwickler haben sich aber auch eine ziemlich nette Spielerei überlegt, wie man die Kamerasensoren auf der Vorderseite außerdem noch einsetzen kann: Animojis. Damit gemeint sind animierte Emojis, die sich etwa in iMessage verschicken lassen. Der Clou: Die Gestik, auch wie sie ihre Münder bewegen, ist nicht zufällig. Die übernehmen sie vom Nutzer, der darüber hinaus in der Lage sein wird, eine Sprachaufzeichnung mitzuschicken. Das war der große Lacher, im positiven Sinne, auf der Keynote. Und tatsächlich funktioniert das Tracking in Echtzeit.

Die Hardware

Apple verbaut im neuen Smartphone die nächste Generation seines hauseigenen Chipsatzes: den A11 Bionic. In dem Sechskerner verbaut kümmern sich zwei High-Performance-Kerne um rechenintensive Aufgaben. Vier weitere Kerne takten geringer, arbeiten dafür stromsparender. Die Konsequenz: Laut Apple ermöglicht ein neuer "Performance-Controller", alle sechs Kerne gleichzeitig einzuspannen und damit bis zu 70 Prozent (im Vergleich zum A10) mehr Leistung zu liefern. Dennoch sollen Nutzer zwei Stunden mehr Batterielaufzeit als beim iPhone 7 rausbekommen. Ob das stimmt, das klären wir im ausführlichen Test.

Das Display

Noch ein paar Worte zum Display: Die Unterschiede zum Vorgänger mit LC-Display sind absolut sichtbar. Weil sich bei OLED-Displays, vereinfacht formuliert, die Bildpunkte einzeln an- und abschalten lassen, sind Kontraste umso stärker: Schwarz wirkte im ersten Hands-on im Vergleich zum iPhone 8 noch einen Tick dunkler, Farben dadurch noch intensiver. Darüber hinaus haben Apples Ingenieure das Display mit dem True-Tone-Feature der iPad Pros ausgestattet. Hierbei wird der Weißabgleich mit Hilfe von Umgebungslichtsensoren dynamisch anpasst. Die Idee dahinter: Je nach Lichtwärme und -Intensität sieht etwa ein Blatt Papier nicht mehr strahlend Weiß aus, sondern "verfärbt" sich. Das angezeigte Bild soll dadurch natürlicher wirken. Der Bildschirm verfügt zudem auch weiterhin über 3D Touch, das den Schnellzugriff auf bestimmte App-Funktionen ermöglicht, wenn man stärker auf das Display drückt.

Die Kameras

Auf der Rückseite verbaut Apple eine Dualkamera, die Fotos mit 12 Megapixeln schießt. Die ƒ/1,8 Blende an der Kamera mit Weitwinkelobjektiv verbindet sich mit einer verbesserten ƒ/2,4 Blende an der Kamera mit Teleobjektiv. Des Weiteren ist die Rede von neuen "Farbfiltern, tieferen Pixeln und einem verbesserten Bildsignalprozessor". Über die Qualität der Fotos kann ich aber noch keinerlei Aussage treffen.

Beeindruckt war ich allerdings von den neuen Modi im Porträtmodus: Contour Light, Natural Light, Stage Light, Stage Light Mono sowie Studio Light sind nicht einfach Filter, die übers Bild gelegt werden. Vielmehr analysiert der Chipsatz alle Bildebenen und passt je nach Modus die Beleuchtung auf diesen Ebenen nicht – und nicht einfach für das gesamte Bild. Das Ganze funktioniert auch im Nachhinein. Allerdings handelt es sich noch um ein Beta-Feature, das erst in Kürze mit einem iOS-Update auf die neuen iPhones mit Dualkamera, also das iPhone 8 Plus und das iPhone X, kommt.

Videos landen in 4K-Auflösung mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde oder als Slow-Motion-Clips in 1080p mit 240 Bildern pro Sekunde in der Galerie.  Die Selfiekamera auf der Vorderseite schießt Fotos mit sieben Megapixeln und Videos in 1080p mit 30 Bildern pro Sekunde. Dank der neuen Sensoren, die der Frontkamera zur Seite stehen, lassen sich darüber hinaus auch Selfies im Porträtmodus mit unscharfem Hintergrund schießen. Diese machten tatsächlich einen relativ guten Eindruck beim ersten Herumspielen in der Hands-on-Area.

Und die Gerüchte haben sich als wahr herausgestellt: Versteckt unter der Rückseite haben Apples Ingenieure ein Bauteil verbaut, das erstmalig kabelloses Laden mittels Qi-Standard ermöglicht.

Die Software

Auf dem Smartphone wird zum Zeitpunkt der Auslieferung iOS 11 vorinstalliert sein. Eines der Hauptfeatures wird eine umfassende Augmented-Reality-Unterstützung sein, von der wir uns vor wenigen Wochen schon in New York einen ersten Eindruck verschaffen konnten. Darüber hinaus unterstützt das mobile Betriebssystem von Apple nun Screen Recordings, eine Einhand-Tastatur, neue Effekte für Live Fotos und vieles mehr. Tipps zu den spannendesten Features haben wir hier für Euch zusammengetragen:

Preise und Verfügbarkeit

Wessen Interesse nun geweckt ist, der muss tief in die Tasche greifen und zudem noch ein wenig Geduld mitbringen: Das iPhone X gibt es ab 1.149 Euro in Modellen mit 64 GB und in Silber und Spacegrau. Die Variante mit 256 GB wird 1.319 Euro kosten. Eine stolze Summe. Ab dem 27. Oktober kann man das neue Apple-Smartphone vorbestellen, verfügbar sein soll es ab dem 3. November.

Vorläufiges Fazit

Das Smartphone, von dem wir alle lange dachten, dass es das iPhone 8 wird: Es ist das iPhone X. X war die römische 10. Zum zehnjährigen Jubiläum hat Apple dem iPhone wahrlich einen würdigen Nachfolger spendiert. Nachdem Samsung mit dem Galaxy Note 8 erst vor Kurzem ein Smartphone mit nahezu aller erdenklichen Technologie, die derzeit verfügbar ist, auf den Markt gebracht hat, lag die Messlatte hoch. Doch wie es aussieht, schafft Apple den Sprung.

Durch den Einsatz eines OLED-Displays zieht es mit der Samsung-Konkurrenz technisch betrachtet gleichauf, treibt es beim randlosen Display aber auf die Spitze: Der "Rand" beschränkt sich lediglich auf den kleinen Bereich über dem Display, in dem die Selfie-Kamera und Face-ID-Sensoren untergebracht sind. An dieser Stelle sei erwähnt, dass ausgerechnet Samsung die Panels für das neue iPhone gefertigt hat. Mit Face ID verabschiedet man sich mit der viel zitierten "Courage" vom Fingerabdruck. Vor allem langjährige iPhone-Fans dürfte sich vor allem aber darüber freuen: ein grundlegend neues Design.

Den ausführlichen Test aktualisieren wir demnächst an dieser Stelle.


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