Creative Soundblaster Roar 2 im Test: der (fast) Alleskönner

Früher bestückte Creative Computer mit Soundkarten, heute steht die Marke Soundblaster noch immer für guten Sound – allerdings vor allem bei mobilen Lautsprechern. Wie gut die Soundblaster-Box Roar 2 klingt, verrät der Test.

Es geht gar nicht anders: Die kleine Soundblaster-Box hat einen Startbonus bei mir. Das hat nostalgische Gründe: Ich musste vor mehr Mitte der 80er Jahre ganz schön sparen, um mir eine Soundblaster-Soundkarte leisten zu können. Ich wollte die unbedingt haben. Musik und Spielesound auf dem Rechner? Das ging nur mit Soundblaster. Jedenfalls für mich.

Inzwischen ist das natürlich nur noch eine Erinnerung, selbst Smartphones spielen in Verbindung mit entsprechenden Kopfhörern und Lautsprechern perfekten Digitalsound ab. Und das weiß auch Creative und lässt daher die Marke Soundblaster vor allem bei externen Audiogeräten weiterleben.

Die Roar 2 ist also für mich viel mehr als nur ein weiterer Bluetooth-Laustsprecher, es ist quasi eine Reise in meine Vergangenheit – allerdings mit der Technik von heute. Es ist schon krass, was das Unternehmen in die kleine wuchtige Brotdose gepackt hat.

Das Schweizer Messer unter den Lautsprechern

Es wirkt ein wenig so, als hätten die Entwickler  einfach mal alle derzeit aktuellen technologischen Entwicklungen in die Box packen wollen. Die Featureliste liest sich entsprechend: Natürlich kann die Roar 2 Musik per Bluetooth empfangen, aber auch Telefonate können darüber geführt werden. Per NFC kann die Verbindung zum Smartphone hergestellt werden, Musik kann darüber hinaus von einer Speicherkarte, per AUX oder per USB direkt vom Rechner abgespielt werden.

Telefonate lasse sich übrigens auch auf der Speicherkarte aufzeichnen, genauso wie Sprachmemos über das eingebaute Mikrofon. Die Roar 2 dient zudem als Extra-Akku fürs Smartphone – oder als Einschlafhilfe, denn es ist ein Timer eingebaut, der den Sound nach einer vorgegebenen Zeit abschaltet.

Die Soundblaster Roar 2 ist der materialisierte Traum eines jeden Technikfreaks – leider sieht die Box auch danach aus. In der weißen Version wirkt der Lautsprecher fasst wie ein medizinisches Instrument: viele Schalter, Knöpfe und Eingänge. Ärgerlich ist, dass es keine Schutzklappe gibt, die diese Eingänge verbirgt. So habe ich ein wenig bedenken, die Tausendsassa wirklich draussen zu nutzen – schließlich muss ich in Hamburg immer mit einem kleinen Regenschauer rechnen und nass sollte die Box wirklich nicht werden.

Und es hat "Roar" gemacht

Richtig cool ist der dreifach Bass der Roar 2. Schon im Normalbetrieb ist der Klang ausgewogen – besonders wenn die Box flach auf einem Tisch liegt. Die Oberfläche des Tisch dient als zusätzlicher Resonanzkörper, wodurch der eh schon voluminöse Sound noch mehr Dampf bekommt. Sobald dich den Button mit der Aufschrift "Roar" drücke, verstärkt sich der Druck deutlich. Allerdings nicht beliebig sondern überraschend präzise. Das liegt an der sogenannten intelligenten Basssteuerung des Geräts.

Ein zweiter Druck auf die Taste stellt den Roar-Modus ein: Der Bass ist noch einmal kräftiger, der Sound klingt noch fetter. Allerdings reduziert diese Verstärkung die Akkulaufzeit deutlich – die unter normalen Umständen mögliche acht Stunden Laufzeit wird so nicht mehr erreicht. Damit die Box gut klingt hat Creative drei Lautsprecher verbaut: zwei kompakte Hochtöner und einen vibrationsarmen Tieftöner.

Die Möglichkeit, Musik von der optionalen Micro-SD abzuspielen, ist prima. Mit den Steuertasten kann man zum nächsten Track oder Ordner springen. Aber es kein Display gibt, ist es wie bei der Nutzung eines iPod Shuffles: man weiß nicht, was als nächste kommt. Auch cool ist es, dass die Box über eine USB-Verbindung digitalen Sound vom PC abspielt. Oder, wenn der entsprechende Schalter umgelegt ist, die Speicherkarte für den Computer freigibt. Per USB lässt sich die Roar 2 auch aufladen – allerdings nur, wenn gerade nichts mit der Box abgespielt wird.

Interessant, aber rechtlich schwierig, ist die Funktion, Telefonate aufzuzeichnen. Teilnehmer müssen schließlich darüber informiert werden, dass man die Absicht hat, das Gespräch mitzuschneiden. Aber gut, kann ganz praktisch sein.

Nicht alles ist Gold

Ein paar Details sind trotz der vielen Möglichkeiten nicht ausgereift. Neben der fehlenden Schutzklappe für die Anschlüsse ist es nicht verständlich, dass Creative auf eine App für Smartphones verzichtet hat, mit der die umfangreichen Möglichkeiten besser gesteuert werden können. Besonders beim Abspielen der Musik von der Speicherkarte wäre dies sehr hilfreich gewesen. Außerdem fehlt die Möglichkeit, über die Tasten die Musik vom per Bluetooth verbundenen Smartphone zu steuern – hier funktioniert lediglich die Regelung der Lautstärke. Verstehen kann ich das nicht, denn diese Funktion ist bereits in vielen deutlich günstigeren Geräte ein Standard.

Schwierig finde ich die im Gegensatz zum Vorgänger an den Seiten verbauten beweglichen Bass-Radiatoren. Diese schwingenden Grills sorgen zwar dafür, dass sich der Klang noch besser verteilt, haben aber den Nachteil, dass sie beim Transport leicht eingedrückt und so auf Dauer sicher unansehnlich werden. So richtig mobil erscheint mir die Wuchtbrumme nicht zu sein, es ist eher ein Gadget, dass flexibel in der Wohnung platziert werden kann. Das ist jetzt kein großer Nachteil, wer aber einen Outdoor-Lautsprecher kaufen möchte, sollte vielleicht weiter suchen. Ein paar mobile Boxen haben wir ja schon vorgestellt.

Diese klingende Brotdose macht Spaß

Die Soundblaster Roar 2 ist ein spannendes Produkt. Es macht schon Spaß, sich mit den ganzen Features zu beschäftigen, die Möglichkeiten scheinen unbegrenzt. Auch wenn der Bluetooth-Speaker ein wenig wie Technik für Techniker aussieht, lässt sich über die Optiksicher streiten. Und da es die Roar 2 aber mit schwarz und weiß in zwei Farbvarianten gibt, hat man zumindest ein wenig die Wahl. Für gerade einmal 200 Euro bietet der Lautsprecher sehr viel: viele Funktion und viel Klang. Gerade im Vergleich mit anderen Produkten dieser Preisklasse ist die Roar 2, zumindest was Features betrifft, nahezu konkurrenzlos.

Aber dennoch wird das Soundblaster-Gadget bei mir ganz sicher in bei Jahren keine so nostalgischen Gefühle wecken, wie es meine erste Soundkarte dieser Marke schaffte.


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