Dell XPS 13 FHD im Test: das WinBook Air

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Dell XPS 13
Dell XPS 13(© 2015 CURVED)

Ein 13 Zoll-Ultrabook im 11 Zoll-Formfaktor, ein Windows-Laptop, das in Sachen Design, Verarbeitung, Akkulaufzeit und Abmessungen einem MacBook Air locker das Wasser reichen es teils sogar überflügeln kann; und eines, das dabei unter 1000 Euro kostet — so etwas wünschten sich Windows-Nutzer bislang vergeblich. Dell könnte mit dem XPS 13 nun diesen Wunsch erfüllen. Wir haben den kompakten Keil getestet. 

Ich gestehe: Beruflich nutze ich ein MacBook Pro Retina mit 13 Zoll-Display. Nicht etwa, weil ich ein Apple- oder auch nur OSX-Fan bin — ganz im Gegenteil, ich bin seit jeher Windows-Nutzer —, sondern weil das MacBook schlicht das in Sachen Hardware, Verarbeitung, Display und vor allem Akkulaufzeit beste Notebook am Markt ist. Und weil ich es nicht bezahlen musste, sondern gestellt bekommen habe ... schließlich kostet so ein MacBook Pro mit 8 GB RAM und 256 GB-Festspeicher locker 1.400 Euro. Mittels Bootcamp arbeite ich nun also auf dem MacBook Pro unter Windows 8.1 und träume derweil von einem Windows-Ultrabook, das mit dem MacBook Pro oder dem MacBook Air gleichziehen kann.

Da kommt Dells XPS 13 wie gerufen: kompakter als ein MacBook Air, wahlweise mit Full HD- oder QHD+-Touch-Display (3.200 x 1.800 Pixel), mit schickem Aluminium-Design und in wenigstens der 1080p-Variante zu einem erschwinglicheren Preispunkt von 1.100 Euro könnte dieses amerikanische Ultrabook tatsächlich die Erfüllung der Wünsche vieler Windows-Fans sein. Da durch mein ständiges Arbeiten auf dem MacBook Pro einerseits und meine Präferenz für Windows andererseits nicht nur die besten Voraussetzungen, sondern auch das größtmögliche Interesse für dieses Dell-Laptop vorhanden sind, kam ich nicht umhin, das Gerät testen zu müssen — und dabei zu vergleichen, inwiefern das XPS 13 ein WinBook sein kann.

Design und Verarbeitung: kompakter Alu-Keil

Wie das MacBook erstrahlt auch das Äußere des XPS 13 im Alu-Look, allerdings nicht vollständig: Lediglich die Ober und die Unterseite des Gerätes bestehen aus Metall, alles, was dazwischen liegt, ist in Kunststoff gehalten. Dadurch wirkt das Dell-Ultrabook insgesamt nicht ganz so edel wie die Apple-Produkte, aber auch nicht etwa billig oder hässlich: "schick" oder "cool" beschreiben den 13 Zoller am besten. Im zugeklappten Zustand wirkt das XPS überdies sehr geradlinig und keilförmig — an der Vorderkante misst das Gerät in der Dicke 0,9 Zentimeter und verdickt sich nach hinten auf 1,5 Zentimeter —und ob der sich so ergebenden drei Schichten aus Aluminium, Plastik und nochmal Alumnium kommt es daher wie ein Tech-Sandwich.

Seine volle Wirkung entfaltet das Ultrabook ohnehin erst aufgeklappt: Dann fallen nämlich sofort die extrem schmalen Ränder um das 13 Zoll-Display ins Auge, die den Screen eines MacBooks oder jedes anderen Laptops daneben grobschlächtig wirken lassen. Dieser Effekt steigert sich bei der QHD+-Variante dadurch noch mehr, dass die komplette Einheit von einer ebenen Glasschicht überzogen ist. Beim FHD-Modell liegt das eigentliche Display nicht ganz so ebenmäßig und beeindruckend etwas tiefer als der dünne Rahmen.

Der größte Vorteil der Display-Einheit ist dann aber ohnehin ein nicht-optischer: Trotz 13,3 Zoll-Display misst das Dell XPS 13 insgesamt lediglich 30,4 Zentimeter in der Breite und 20 Zentimeter in der Tiefe. Zusammen mit seinem ebenfalls sehr niedrigen Gewicht von nur 1,18 Kilogramm ist es damit nicht nur kompakter und leichter als das 13 Zoll große MacBook Pro, sondern auch als das MacBook Air 13 — und das ist schon eine Hausnummer. Lediglich Apples ganz neues MacBook ist noch kompakter und leichter, bietet aber auch nur einen 12 Zoll großen Screen.

Ebenfalls gut gefällt die die Chiclet-Tastatur umgebende Handablage aus Carbon, die dem Gerät einen robusten und "maskulinen" Anstrich gibt und damit das eingangs erwähnte coole Image des XPS 13 unterstreicht. Negativ ist an dieser Stelle eigentlich nur anzumerken, dass sich der 13 Zoller etwas mühsam öffnen lässt: Man muss schon Ober- und Unterkante anfassen und auseinander ziehen, einfaches Hochklappen des Deckels hebt in dem meisten Fällen das gesamte Gerät an. Und die Positionierung der Webcam dürfte Dauer-Skypern und Videochat-Fans sehr unangenehm aufstoßen, da die aufgrund der Bauart des XPS 13 unterhalb des Displays angebracht ist und Euch somit stets von unten aufnimmt — was schlicht unvorteilhaft aussieht und immer eine gewisses unnatürliches Nachjustieren des Laptop-Deckels erfordert.

Display: dezent überzeugend

Der 1080p-Screen unseres Testmodells beeindruckt nicht ganz so sehr wie das komplett hinter Glas liegende Infinity-Touch-Display des QHD+-Modells, ob der dünnen Rahmen ist es aber dennoch eine Freude auf über 13,3 Zoll verteilten, matten 1920 x 1080 Pixel zu schauen. Zwar könnte die maximale Helligkeit für meinen Geschmack in bestimmten Situationen einen Ticken höher sein, unterm Strich lassen sich Inhalte auf dem Display aber auch draußen bei Sonnenschein in den allermeisten Fällen gut ablesen. Positiv hinzu kommt eine gute Blickwinkelstabilität.

Tastatur, Touchpad, Anschlüsse

Ausgezeichnet gefiel mir beim Arbeiten mit dem XPS 13 die Chiclet-Tastatur, die zwar einen recht kurzen Tastenhub bietet, dadurch aber nach kurzer Eingewöhnung buchstäblich müheloses Tippen erlaubt. In Kombination mit dem guten Layout und den ausreichend großen Abständen zwischen den einzelnen Tasten konnte ich auf dem XPS 13 innerhalb kürzester Zeit deutlich schneller schreiben als auf dem MacBook Pro oder meinem sonst gerne genutzten Logitech MK520 Wireless Keyboard. Wer möchte, kann die vorhandene Hintergrundbeleuchtung der Tasten in zwei Stufen dimmen oder komplett abschalten. Das funktioniert über die Funktionstastenreihe ganz oben, in der sich unter anderem auch die Lautstärke- WLAN und Display-Helligkeits-Buttons befinden und die standardmäßig aktiviert ist — wer also die Windows-Funktionstasten F1 bis F12 nutzen möchte, muss dazu stets die Fn-Taste unten links halten. Einige Reviewer des XPS 13 haben bemängelt, dass sich der Powerbutton oben rechts gefährlich nahe an der Entfernen-Taste befände und so ab und an versehentlich bedient werden würde — als Nutzer, dem exakt das auf dem MacBook ständig passiert, weil die Powertaste dort eben eine Taste über der Zurück-Taste ist, empfinde ich das als Meckern auf ganz hohem Niveau: Auf dem XPS 13 müsstet Ihr für so einen Fauxpas immerhin das Keyboard verlassen und einen runden, nicht hervorstehenden Button eindrücken ...

Bei normalen Maus-Operationen zeigt das für ein Ultrabook solcher kompakten Abmessungen keine Schwächen und fühlt sich durch seine Soft-Touch-Oberfläche auch noch gut an. Einzig beim Scrollen mit zwei Fingern hatte ich häufig Probleme: Oftmals reagiert das Touchpad nicht oder nur verzögert respektive nach mehrfacher Anpassung des Fingerabstandes auf die Zweifinger-Geste — ich bin irgendwann dazu übergegangen, die recht unten verorteten "Seite rauf"- und "Seite runter"-Tasten als effizientere Alternative zu nutzen.

Hinsichtlich der Anschlüsse gibt sich das XPS 13 wie ein typisches Ultrabook: eher karg. Auf der rechten Seite finden wir einen SD-Kartenslot und einen USB 3.0-Port, links den Kopfhörer-Anschluss, noch einen USB 3.0-Eingang sowie einen Mini-Displayport und den runden Eingang für das Netzteil. Mehr ist nicht — und wer mehr, etwa einen HDMI- oder Ethernet-Anschluss benötigt, der wird zum von Dell als offizielles Zubehör angebotenen Adapter greifen müssen. Was ich außerdem vermisst habe, ist ein USB Typ C-Port, der dem XPS ein wenig mehr Zukunftssicherheit verpasst hätte.

Performance und Akku

Dank 8 GB RAM und Core i5 5200U-Prozessor mit bis zu 2,7 GHz Systemtakt gibt sich das XPS 13 auch in Sachen Performance keine Blöße und erreicht in den einschlägigen Benchmarks fast die Werte eines MacBook Air und überflügelt gar das Lenovo Yoga 3 mit seinem Core M-Chipsatz — und das war schon nicht schwachbrüstig. Im Alltag konnte ich dann faktisch auch keine Leistungseinbrüche, Stotterer oder Denkpausen feststellen. Und das Ganze läuft flüsterleise: Ich kann mich nicht an ein einziges Mal erinnern, zu dem ich im Testzeitraum den Lüfter des XPS 13 wahrgenommen hätte.

Trotz dieser tollen Performance, aber natürlich auch ob der nicht überbordenden Display-Auflösung ist das XPS auch noch ein echter Dauerläufer: Dell selbst gibt eine Laufzeit von 15 Stunden unter idealen Bedingungen an, realistischer sind da 10 bis 12 Stunden. Ich erreicht bei stets voller Display-Helligkeit im regulären Betrieb mit viel Video-Playback und Arbeiten im Browser gute acht Stunden ohne die Notwendigkeit, nachladen zu müssen — das ist erfahrungsgemäß ein sehr guter Wert für ein Windows-Ultrabook und für mich in meinem persönlichen Erleben quasi auf dem gleichen Level wie das MacBook Pro, das ich sonst benutze.

Fazit: Ja, es ist die Alternative zum MacBook Air

Windows-Nutzer frohlocket, das Dell XPS 13 ist meiner Meinung nach die ersehnte Alternative zum MacBook Air: Es ist leichter, kompakter, bietet dabei aber ein gleich großes Display mit höherer Auflösung, ähnliche Leistungs- und Akkuwerte, ein nur minimal schlechteres Touchpad und eine ebenbürtige Tastatur. Was will man mehr? Zumal für das Dell Ultrabook in der 1080p-Version mit 256 GB SSD und 8 GB RAM — und das ist die Version, die ich jedem Interessenten ans Herz lege — mit 1.099 Euro rund 250 Euro weniger als für das Apple-Laptop fällig werden. Ich persönlich als Windows-Nutzer würde am liebsten sofort mein MacBook Pro 13 gegen das XPS 13 eintauschen.


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