Das Kinder-Tablet Kurio Tab im Eltern-Test

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Das Kurio Tab würde gerne Kinder froh machen, und Erwachsene ebenso.
Das Kurio Tab würde gerne Kinder froh machen, und Erwachsene ebenso.(© 2014 CURVED)

Das Kurio Tab will Kindern im Alter von vier bis neun Jahren Spaß bereiten und gleichzeitig den Eltern ein gutes Gefühl geben, wenn sie den Nachwuchs mit dem Tablet spielen lassen. Denn die Kleinen können innerhalb ihrer Nutzerprofile nur das machen, was ihnen die Eltern erlauben. So ehrenwert die Idee, so schlecht ist die Umsetzung.

Ich gestehe, bisher sehe ich als Familienvater selbst keinen Sinn in einem extra Tablet für meine Kinder. Ob mich das Kurio Tab, das mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 119,99 Euro nicht besonders teuer ist, mit seiner vorinstallierten Software umstimmen kann? Immerhin befinden sich meine Kinder genau in der Zielgruppe.

Die Software ist nicht einzigartig

Direkt nach dem Einschalten führt mich das Kurio Tab durch einen längeren Registrierungsprozess, in dem ich ein Elternprofil für mich und Kinderprofile für meine zwei Kleinen einrichte. So kann ich für jedes Kind einzeln festlegen, welche Apps zur Verfügung stehen und ob sie selber neue Apps aus dem Store laden dürfen — dank einer virtuellen Taschengeldfunktion können sie mit ihrem "eigenen" Geld auch kostenpflichtige Apps kaufen.

Darüber hinaus bestimme ich darüber, ob meine Kinder online gehen dürfen und wenn ja, welche Webseiten sie besuchen dürfen. Will ich mich nicht auf den Filter und die Altersgrenzen von Kurio verlassen, kann ich selber festlegen, welche Internetseiten Tom und sein Bruder aufrufen dürfen. Praktisch finde ich die Zeit-Steuerung: Hier stelle ich ein, wie lange jedes Kind am Tag Zugriff auf sein Profil hat und lege zudem noch Sperrzeiten fest, in denen das Tablet für sie ausbleibt.

Das ist alles sehr nützlich, wenn man dem Nachwuchs nicht die gesamte Zeit über die Schulter schauen kann, aber im Play Store stehen zahlreiche kostenlose Kindersicherungs-Apps zur Auswahl, mit denen sich jedes bereits vorhandene Tablet derart zu einem Familientablet umwandeln lässt.

Spiele mit Wii-Feeling und Toggo-Content

Aber ein wenig exklusive Inhalte hat auch das Kurio Tab zu bieten: Toggo liefert einen TV-Planer, aber nur für das eigene Fernsehprogramm. Dazu kommen Streams der Serien Banana Cabana, Camp Sumpfgrund, Dumm Fu, Go Wild! und Sally Bollywood. Die Folgen starten allerdings automatisch und lassen sich nicht gezielt auswählen.

Mit Kurio Motion kommt ein wenig Wii-Feeling auf das Android-Tablet: In vier Sportarten können die Kinder auf Rekordjagd gehen. Sie steuern die Spielfiguren beim Schwimmen, Skifahren, Fußball und Hürdenlauf, indem sie sich vor der Kamera des Tablets bewegen. Dazu kommen noch ein Rennspiel und mehrere Lernspiele für Kinder im Vorschulalter. Allerdings müssen die Kleinen dafür so weit vom Display entfernt stehen, dass die Inhalte nicht mehr wirklich gut zu erkennen sind — für die Betrachtung aus 1,5 Meter Entfernung sind sieben Zoll einfach zu klein. Außerdem erinnern die Reaktionszeiten an Superball aus dem Sat.1-Frühstücksfernsehen und so droht am Ende großer Frust, da die Spielfiguren nicht so reagieren wie gewünscht.

Zum Lieferumfang des Kurio Tab gehört ein Hülle aus weichem Kunststoff, die dafür sorgt, dass das Tablet für Kinderhände besser zu greifen ist, bei Stürzen bietet es überdies zusätzlichen Schutz. Als stoßfest deklariert der Hersteller das Gerät aber auch mit dem Case nicht. Allerdings riecht das Plastik auch zwei Wochen nach dem Auspacken immer noch stark. Zwar nicht mehr so intensiv wie am Anfang, aber ich erinnere mich auch ohne Schadstoffanalyse an die Grundregel, dass alles was ausdünstet potenziell nicht gut für die Gesundheit ist. Und das soll ich meinen Kindern ohne Bedenken in die Hand geben?

Die Hardware ist nicht die schnellste

Ich finde die Hardware des Kurio Tab selbst für ein knapp über 100 Euro teures Tablet nicht berauschend. Das sieben Zoll große Display hat eine Auflösung von 1024 x 600 Pixeln und sobald die Kinder einen schärferen Touchscreen bei anderen Geräten gesehen haben, auf denen die einzelnen Pixel nicht zu erkennen sind und bei denen die Konturen glatt sind, geht das Gequengel los und ein besserer Bildschirm soll her. Zusätzlich fallen die Blickwinkel extrem klein aus, so dass es nicht möglich ist zu zweit auf dem Tablet zu spielen und der Touchscreen gehört nicht zu den präzisesten und reaktionsschnellsten seiner Art.

Als Prozessor kommt der mit 1,2 Gigahertz getaktete Intel Atom Z2520 mit zwei Rechenkernen zum Einsatz. Ihm zur Seite steht der ein Gigabyte großer Arbeitsspeicher. Das Duo hat zwar genug Power, um die Nutzeroberfläche von Android 4.4.2 flüssig laufen zu lassen und hat auch mit den simplen Spielen für Kinder keine Probleme. Aber die stellen auch nicht so hohe Ansprüche wie grafisch aufwendigere Titel für Erwachsene. Die 18.180 Punkte im AnTuTu-Benchmark entsprechen jedenfalls einem zwei Jahre alte Mittelklasse-Smartphone.

Der interne Speicher des Kurio Tab ist für ein Gerät, das explizit für mehrere Nutzer vorgesehen ist, mit acht Gigabyte zu klein. Von diesem stehen außerdem nur rund 4,5 Gigabyte für eigene Daten zur Verfügung, die sich durch die zahlreichen vorinstallierten Apps noch auf etwa 1,75 Gigabyte verringern. Die Anwendungen lassen sich zwar deinstallieren, aber der Streit um den Speicherplatz ist trotz der Erweiterungsmöglichkeit mit einer bis zu 32 Gigabyte großen microSD-Karte vorprogrammiert.

Kinder sehen sich zwar gerne selbst auf dem Display, aber die 0,3-Megapixel-Kamera auf der Frontseite des Kurio Tab wird ihnen dabei keine große Freude bereiten. Da hätte der Hersteller lieber die 2,1-Megapixel-Kamera von der Rückseite nach vorne setzten und auf eine Fotokamera verzichten sollen. Die zwei 1-Watt-Lautsprecher liefern Sound, sind aber sonst keine Erwähnung wert. Der Akku mit einer Kapazität von 3000 Milliamperestunden reicht für vier bis fünf Stunden Spielvergnügen und bringt das Tablet bei weniger intensiver, eher typischer Nutzung auch über einen Tag.

Die Eltern-Perspektive

Das Kurio Tab ist ein Tablet für Kinder und kein Tablet für die ganze Familie. Es bestätigt mich zudem in der Auffassung, dass extra Tablets für Kinder überflüssig sind. Während der Nachwuchs sich mit dem Gerät noch zufrieden geben mag, stossen das schlechte Display und die langsame Hardware bei den Eltern schnell negativ auf. Zudem lässt sich auch jedes andere Android-Gerät mit kostenloser Software aus dem Play Store mit einer Kindersicherung versehen. Wenn ich nicht schon ein Nexus 7 hätte, würde ich für die Kinder eher das Tolino Tab 7 für 99 Euro kaufen und es mit einer Kindersicherung-App versehen, anstatt zum Kurio Tab zu greifen. So erhalte ich nicht nur bessere Hardware, sondern spare auch noch rund 20 Euro.

Wobei ich bisher auch gut ohne Kindersicherung ausgekommen bin. Selbst eigene Profile haben meine Kinder auf meinen Geräten nicht. Ich versuche aber auch, die Spielzeit auf Tablet oder Smartphone kurz zu halten — und wenn dann doch mal ein paar Vögel durch die Luft katapultiert werden dürfen, helfen klare Absprachen über erlaubte Spiele und die Spieldauer sowie ein getrennte Internetverbindung und regelmäßige Kontrollblicke dabei, dass die Nutzung im abgesteckten Rahmen bleibt.

Die Kinder-Perspektive

Die Kinder haben das Kurio Tab vielleicht in der Werbung auf Super RTL gesehen und sind natürlich Feuer und Flamme für das angepriesene Gerät. Schließlich bezeichnen sie noch jedes Tablet als iPad. Die Begeisterung verfliegt aber ganz schnell, wenn sie bei Freunden ein besseres Tablet sehen und in den Händen halten: Warum ist mein Tablet so schwer? Bei Max sieht das aber besser aus? Warum muss ich immer so lange warten, bis ich spielen kann? Und Kindern die älter als die vom Hersteller anvisierten neun Jahre alt sind, braucht man mit so einem Gerät nicht mehr kommen. So ab zehn Jahren sind sie nämlich meistens besser über die aktuelle Technik informiert als ihre Eltern.


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