LG G8S ThinQ im Test: Liebe auf den zweiten Blick

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Das LG G8S ThinQ im Test.
Das LG G8S ThinQ im Test.(© 2019 CURVED)

LG zählt als Smartphone-Marke nicht gerade zu den Top-Handyherstellern. Kaum fünf Prozent der Deutschen nutzen ein Handy von LG. Dabei beweist sich das aktuelle Flaggschiff besonders auf den zweiten Blick als kleines Wunder. Das LG G8S ThinQ im Test.

Wusstet ihr, dass LG die Abkürzung für "Life's Good" ist? Nur mal so nebenbei. Damit will der Hersteller sicher nicht einfach nur sagen, dass das Leben toll ist, sondern mit seinen Produkten das Leben noch besser machen.

Zuletzt haben mich persönlich die Südkoreaner mit ihrer Antwort auf Falthandys überrascht: Anstatt auf die teuren Displays mit sensibler Faltstelle zu setzen, packt LG beim G8X ThinQ einfach ein Display drauf, das man abnehmen kann.

Wer mit dem Trend zur Tablet-Größe nichts anfangen kann und mit einem Display gut bedient ist, greift zum One-Display-Bruder: dem LG G8S ThinQ. Mit 136 Grad-Superweitwinkelkamera schindet es auf dem Datenblatt schon mal Eindruck, auch die Selfiekamera mit extra Tiefensensor und Infrarotlicht klingt spannend.

Und auch der Preis ist verlockend, denn der macht der Konkurrenz mittlerweile ordentlich Dampf. Zeit, sich das vor rund sieben Monaten erschienene Smartphone mal näher anzuschauen.

LG G8S ThinQ im Test: Auf den ersten Blick wenige Besonderheiten

Beim Auspacken hat mich das LG-Smartphone erst mal wenig überrascht. Außer, dass ein Displaytuch und eine Hülle mit in der Schachtel lag. Ansonsten gibt es eine Triple-Kamera auf der Rückseite, das ähnlich wie beim Galaxy Note 10 horizontal angeordnet ist. Darunter befindet sich der Fingerabdrucksensor, der sich deutlich von der Glasrückseite abhebt, die locker als kleiner Taschenspiegel genutzt werden kann.

Auf der Front wird das OLED-Display durch eine ziemlich breite Notch beschränkt, um die sichtbare Fläche zieht sich zudem ein deutlicher, schwarzer Rahmen. Am linken Rand befinden sich die Lautstärketasten sowie eine zusätzliche für den Google Assistant, auf der rechten Seite die Ein-Aus- beziehungsweise Sperrtaste über dem Hybrid-SIM-Slot. Meiner Ansicht nach hätte LG die Taste unter dem Slot anbringen können, denn so komme ich nicht bequem mit meinem Daumen dahin. Positiv: An der unteren Seite befindet sich noch der Klinkenanschluss.

Das Smartphone ist mit seinem 6,21 Zoll Display nach heutigen Maßstäben durchschnittlich groß. Und mit einem Gewicht von 181 Gramm ist es weder leicht noch sonderlich schwer. Also alles nur Durchschnitt? Keineswegs – denn die wahren Stärken zeigen sich auf den zweiten Blick!

Ein Smartphone nach eurem Geschmack

Was mir aufgefallen ist: Es gibt viele Möglichkeiten, das LG G8S zu personalisieren. Das geht los bei der Frage, ob ihr das Display um die Notch herum noch sehen wollt, oder lieber einen schwarzen Balken dort habt – dafür aber eben einen klar rechteckigen Screen. Auch die virtuellen Tasten unten lassen sich verschieben und bis auf fünf erweitern, so könnt ihr zum Beispiel neben den Standard-Buttons für Home- und Zurück-Taste sowie der App-Übersicht noch den Schnellzugriff per Taste öffnen oder einen Screenshot erstellen.

Bei geöffneten Apps erscheint links neben den Icons je nach Anwendung noch ein weiteres Symbol. Bei Spielen erscheint ein kleines Gamepad-Symbol, darüber könnt ihr dann die Performance verbessern, indem ihr zum Beispiel die Auflösung niedriger stellt. Bei Nachrichten-Apps könnt ihr die Leiste verbergen, um den vollen Screen zum Lesen zu haben.

Besonders praktisch finde ich, dass euch das Dual-SIM-fähige Handy benachrichtigt, wenn ihr Apps duplizieren könnt, um so mit beiden Handynummern die Anwendung zu nutzen. So ist ganz einfach WhatsApp ein zweites Mal auf eurem Smartphone.

Das Always-On-Display könnt ihr natürlich auch noch anpassen, außerdem gibt es verschiedene Themen, die das Design der App-Icons verändern. Auch die Symbolform könnt ihr anpassen: Ob rund, als abgerundetes oder eckiges Quadrat oder in Zylinderform – hier könnt ihr nach Belieben schalten und walten.

Überraschungen auf den zweiten Blick

Während ich das LG G8S ThinQ im Test ein paar Tage lang bei mir hatte, sind mir immer wieder neue Sachen aufgefallen. Zum Beispiel wurden bei regnerischem Wetter Wassertropfen auf dem Sperrbildschirm dargestellt. Das ist vielleicht nicht gerade ein lebenserleichterndes Feature, aber ich finde das einfach nett, weil es dafür spricht, dass die Entwickler mit Liebe zum Detail vorgegangen sind.

LG hat im Schnellzugriff eine "Wiedergabe im Eco-Modus"-Option hinzugefügt – dadurch wird die Bildschirmhelligkeit gesenkt, sodass ihr euch komplett auf den Hörgenuss konzentrieren könnt. Klingt erstmal seltsam? Denkt aber mal an YouTube: Hier muss in der Free-Version der Bildschirm an bleiben, anderenfalls wird die Wiedergabe pausiert.

Apropos Energie sparen: Hier gibt es zwei Modi, die euren Akku schonen sollen. Im Modus "Erweitert" werden einige Funktionen deaktiviert und die maximale Bildschirmhelligkeit auf 90 Prozent gesenkt, im "Maximal"-Modus gibt es eine Art "Dark Mode" für eure System-Apps, die Bildrate wird gesenkt, Benachrichtigungen deaktiviert und so weiter.

Das soll die Lebensdauer einer Akkuladung nahezu verdoppeln. Zumindest wird mir im LG G8S Test angezeigt, dass ich bei 37 Prozent Energiestatus noch 137 Stunden im maximalen Energiesparmodus zurande komme, während ich ohne noch 71 Stunden auf mein Handy zählen kann.

Darüber hinaus gibt es noch die "Komfortansicht", die einen Blaulichtfilter anwendet, was im Dunkeln die Augen schonen soll. Den könnt ihr auch automatisch aktivieren lassen, zum Beispiel von Sonnunter- bis Sonnenaufgang.

Die Gestensteuerung Air Motion: Nette Idee, aber ...

Schon beim Galaxy Note 10+ hat mich die Gestensteuerung mithilfe des S Pen ziemlich fasziniert – auch, wenn ich mir persönlich schwer vorstellen kann, die im Alltag zu nutzen. Das LG G8S ThinQ hat ebenfalls eine Gestensteuerung an Bord, allerdings ganz ohne Stift – wie ein Magier erhebt ihr eure flache Hand, haltet sie vor die Frontkamera.

Dann erleuchtet ein kleiner Balken, ihr bewegt eure Finger, sodass sie in Richtung des Displays zeigen und es eröffnet sich ein kleines Menü, in dem ihr mit einer kurzen Bewegung nach rechts oder links eine App starten könnt; führt ihr die Finger an den Spitzen zusammen, macht ihr einen Screenshot. In Musik- oder Video-Apps könnt ihr so die Wiedergabe pausieren oder starten und die Lautstärke regeln.

Diese Gestensteuerung finde ich ganz nett und ich habe sie auch gern jedem gezeigt der es wollte – oder auch nicht. Allerdings frage ich mich tatsächlich, ob ich das brauche. Eine App ist über die Icons auf dem Home-Bildschirm viel schneller aufgerufen.

Multimedia kann das LG G8S

Ein Anwendungsbereich ist mir dann doch eingefallen: Entertainment im Zug! Stellt euch vor, ihr fahrt Langstrecke, habt euch einen Film herausgesucht und eine fragile Konstruktion für euer Smartphone gebaut, mit der ihr endlich das Display vernünftig erkennen könnt. Doch die Lautstärke ist noch zu leise, ihr hört eher den Wind an die Scheibe prasseln als die Dialoge. Jetzt müsstet ihr das Smartphone in die Hand nehmen oder zumindest berühren, um die Lautstärke hochzustellen – nicht mit der Gestensteuerung. Zugegeben, ein sehr spezielles Anwendungsgebiet.

Apropos Filme schauen: Das OLED-Display löst in Full HD+ auf, kommt also mit einer Auflösung von 2.248 x 1.80 Pixel. Bei der Bildqualität besteht es meinen persönlichen Benchmark: Die eine Szene der Netflix-Horrorserie "Spuk in Hill House", die wirklich sehr dunkel ist, kann ich erkennen, ohne dass meine Augenlider vor Anstrengung einen Krampf bekommen. Andere Top-Smartphones wie das iPhone 11 sind hier schon eingeknickt – beziehungsweise meine Augen – es war einfach nichts mehr zu erkennen.

Funktionen über Funktionen im LG G8S ThinQ Kamera-Test

Bei der Triple-Kamera hat LG eine 12 Megapixel Hauptkamera, ein 13 Megapixel Superweitwinkel-Objektiv und eine 12 Megapixel Telelinse verbaut. Die Selfie-Kamera bekommt ein 8 Megapixel Objektiv und einen Time of Flight Sensor, außerdem gibt es an der Front sogar einen Blitz für Aufnahmen im Dunkeln.

In der Kamera-App des LG G8S ThinQ tauchen unzählige Funktionen auf. Neben dem Automatischen Modus und einem, der dazulernt (AI CAM) gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Bilder zu schießen. Ob Nachtmodus, Flash Jump-Cut, mit dem ihr ein GIF aus drei Bildern erstellt oder Panorama-Foto – hier gibt es garantiert für jeden Anlass den richtigen Modus.

Besonders praktisch finde ich den Triple Shot. Damit nehmt ihr drei Bilder in verschiedenen Zoom-Modi auf: Einmal im Superweitwinkel, einen im normalen Modus und eins herangezoomt. Leider wird letzteres schlechter als es sein müsste, denn als Einzelbild wird mein Motiv deutlich schärfer. Ich habe allerdings auch eingestellt, dass das LG vor und nach Betätigen des Auslösers Bilder schießt – so bekomme ich auch mit wackliger Hand ein vernünftiges Bild.

Abgesehen von den unzähligen Funktionen, Filtern und Modi werden die Bilder so, wie man das Triple-Setup bezeichnen würde: durchschnittlich. Nicht schlecht, aber hauen mich auch nicht vom Hocker. Das heißt allerdings auch, dass mir in der Zeit nichts sauer aufgestoßen ist, kein Ausbrennen, kein "zu dunkel".

Ein Smartphone, in das man sich auf den zweiten Blick verliebt

Fassen wir kurz zusammen: Auf den ersten Blick scheint das LG G8S im Test ein Smartphone wie jedes andere zu sein. Unauffällig, kaum Besonderheiten, vielleicht sogar eher Mittelklasse. Auf den zweiten Blick zeigt das LG G8S seine Qualitäten: Nicht nur viele Features, in seinem Herzen schlägt auch ein echter Krieger, der dem Huawei P30 oder Samsung Galaxy S10e Konkurrenz macht.

Mit dem Qualcomm Snapdragon 855 sollte er jede noch so leistungsfressende App aktuell bezwingen können, 6 Gigabyte RAM klingen dagegen vielleicht erst mal wenig – allerdings hat LG die Hardware-Software-Balance echt gut austariert. Darüber hinaus hat das G8S zwar "nur" 128 Gigabyte Speicherkapazität, kann allerdings mit microSD-Karte bis auf ungeschlagene 2 Terabyte erweitert werden.

Jeder noch so starke Krieger braucht natürlich eine Rüstung: Das G8S ist nicht nur IP68-zertifiziert, sondern kommt mit US-Militärstandard MIL-STD 810G – dabei habe es dem Hersteller zufolge 14 Tests überstanden. Und mit 3.550 mAh-Akku kann das LG auch eine Weile auf dem Schlachtfeld durchhalten.


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