"Pokémon: Let’s Go, Pikachu!" im Test: Mehr als nur ein Remake?

Wie in der Serie ist Pikachu auch im Spiel euer steter Begleiter.
Wie in der Serie ist Pikachu auch im Spiel euer steter Begleiter.(© 2018 CURVED)

Das letzte Pokémon-Spiel kam im November 2016 für den Nintendo 3DS heraus. Nach "Pokémon Sonne" und "Pokémon Mond" wagt Nintendo mit seinem Monster-Franchise endlich den Schritt auf die aktuelle Konsolengeneration. Die neuen "Pokémon: Let's Go"-Spiele sind mehr als nur ein Remake und verknüpfen den Erfolg vom mobilen "Pokémon Go" mit der Hauptreihe.

Die Pokémon-Editionen Rot und Blau erschienen 1999 in Europa. Nicht mal ein Jahr später konnte man in der gelben Sonderedition das gleiche Abenteuer nochmal erleben: diesmal mit Pikachu als festem Partner. Wie in der TV-Serie wollte es nicht in den Pokéball und trottete deswegen hinter einem her. Diese Verbundenheit zum Starter-Pokémon hat Nintendo auch im neuesten Pokémon-Spiel für die Nintendo Switch versucht aufzubauen.
Je nach Editionswahl ist das erste Pokémon, das es zu fangen gilt, ein Pikachu oder ein Evoli. Da es sich ebenfalls weigert im Pokéball zu bleiben, reist es stets auf Kopf oder Schulter mit euch durch die Gegend.

Back to the Roots

Die Story von "Let's Go Pikachu!" und "Let's Go Evoli!" ist die gleiche wie in der Vorlage "Pokémon Gelb". Als angehender Trainer in Alabastia fängt man gemeinsam mit Professor Eich sein erstes Pokémon und macht sich dann auf die Reise, um Pokémon-Meister zu werden. Dazu muss man die besten Pokémon-Trainer der Kanto-Region besiegen, die Top 4.

Um überhaupt gegen sie antreten zu dürfen, müsst ihr euer Können in acht Arenakämpfen unter Beweis stellen. Die Arenen sind in den Städten Kantos verteilt. So reist man also von Stadt zu Stadt und löst nebenbei die Probleme der Anwohner, fängt wilde Pokémon und kämpft gegen das Team Rocket, das stets nur Böses im Schilde führt.
Die Story von "Let's Go Pikachu!" und "Let's Go Evoli!" bringt dennoch ein paar Änderungen mit, sodass Fans der alten Spiele sich über ein paar Insider und frische Anstriche erfreuen können.

Wie im Original zieht ihr auch im neuen Spiel los, um Pokémon-Meister zu werden.(© 2018 Nintendo)

Der Einfluss von Pokémon Go

Der Erfolg von "Pokémon Go" hatte natürlich einen Einfluss auf die Gestaltung des Gameplays von "Let's Go Pikachu!" und "Let's Go Evoli!". Musste man früher durch das hohe Gras laufen und auf einen Zufallskampf warten, dann das Pokémon schwächen bevor man es fangen konnte, ist das Fangen von Monstern beim Switch-Remake viel entspannter. Die Pokémon erscheinen immer noch im hohen Gras, lösen allerdings keinen Zufallskampf mehr aus. Sie bewegen sich bereits sichtbar über das Gebiet.

Wollt ihr eines fangen, müsst ihr es lediglich mit der Spielfigur berühren, um den Fangmodus zu aktivieren. Dieser orientiert sich stark an "Pokémon Go" und übernimmt auch einige Mechaniken. Beeren können zum Beispiel eingesetzt werden, um ein Pokémon zu beruhigen und leichter zu fangen. Anders als auf dem Smartphone muss man zum Fangen aber nicht mit dem Finger auf der Switch herum wischen, um den Pokéball zu werfen. Dies kann auf unterschiedlichste Weise passieren. Spielt man im Handheld-Modus zielt man mit der Gyroskop-Steuerung auf das Pokémon und drückt einfach die A-Taste. Ist die Switch im Dock oder steht sie auf dem Tisch, benötigt man nur einen Joy-Con, mit dem man dann eine Wurfbewegung macht. Das ist am Anfang etwas unpräzise, mit der Zeit findet man aber die beste Bewegung heraus.

Im Fangmodus müsst ihr die Pokémon nicht mehr schwächen.(© 2018 Nintendo)

Die dritte Möglichkeit besteht darin, sich den Pokéball Plus zu kaufen. Dieser funktioniert wie ein Joy-Con, ist aber detailgetreu einem Pokéball nachempfunden. Die Entwickler von Game Freak haben außerdem darauf geachtet, dass man das Spiel mit nur einer Hand spielen kann. Man muss also lediglich mit einem Pokéball auf der Couch sitzen, um das Spiel genießen zu können. Nettes Feature: Man kann sein Pikachu oder Evoli auch auf den Pokéball Plus übertragen, um es auch außerhalb des Spiels mit sich zu führen. Beim Kauf des Pokéball Plus erhält man außerdem das legendäre Pokémon Mew.

Die Verbindung von "Pokémon Go" auf dem Smartphone zur Nintendo Switch funktioniert einfach und einwandfrei. Auf der Switch startet man innerhalb des Spiels die Suche nach einem Pokémon GO Account, gleichzeitig startet man auf dem Smartphone die Suche nach Switch-Systemen in der Nähe. Sobald sich die beiden Geräte gefunden haben, kann man seine Monster von Pokémon GO an "Let's Go Pikachu!" und "Let's Go Evoli!" senden. Dafür muss man im Spiel bereits die Safari Zone entdeckt haben. Dort hat man dann 20 PokéParks zur Verfügung, die man jeweils mit 50 Pokémon füllen kann. Im Park selbst kann man die transferierten Pokémon dann fangen.

Das ist doch unlogisch!

"Pokémon Go" hat noch andere Spuren hinterlassen. In den früheren Editionen hat man jedes Pokémon meist nur ein mal gefangen. Ein Pokémon-Trainer stellt sich sein Team sorgfältig zusammen und steckt viel Zeit und Arbeit in jedes einzelne Pokémon. Seit "Pokémon Go" geht es allerdings auch um Quantität, was einige Pokémon-Fans stört. Auch ich war zu Beginn sehr skeptisch.

Ein Logikfehler besteht für mich beispielsweise darin, dass man als Trainer jedes Pokémon fängt, das einem über den Weg läuft, um es dann zu Professor Eich zu schicken. Der gibt einem dafür nämlich Bonbons, mit denen man die Werte der eigenen Monster aufbessern kann. Jetzt frage ich mich: Was macht der Professor mit den ganzen Pokémon? Was will er mit 50 Habitaks, 70 Fukanos und 35 Digdas und wann lässt er sie wieder frei? Bekommt er zusätzlich auch noch Pokémon von anderen Trainern zugeschickt?

Mit den Bonbons kann man die einzelnen Statuswerte der Pokémon verbessern.(© 2018 Nintendo)

Das widerspricht der Pokémon-Philosophie, in der es nicht darum geht, so viele Monster wie möglich in Gefangenschaft zu halten. Im Gegenteil: Die TV-Serie hat immer großen Wert auf Tierschutz, Freundschaft und Wertschätzung gelegt. Jetzt fängt man plötzlich die gesamte Pokémon-Welt leer und reduziert den Wert eines Pokémons auf den eines Bonbons.

Auf der anderen Seite ist die Bonbon-Mechanik aber höchst motivierend. Jedes Pokémon ist einzigartig und hat individuelle Statuswerte. Kein Raupy gleicht dem anderen. Wenn man also ein Raupy trainieren möchte, will man kein Raupy mit normalen Werten fangen, sondern ein besonderes erwischen. Hat man dann eines mit besonders guten Basiswerten gefunden, kann man dieses noch mit Bonbons aufbessern. Das sorgt für Langzeitmotivation und rechtfertigt zumindest auf der Gameplay-Ebene die Logiklöcher.

Für Ebenfalls unlogisch halte ich die Tatsache, dass Pokémon Erfahrungspunkte bekommen, wenn man als Trainer ein neues Monster gefangen hat. Das zählt für mich als Leistung des Trainers und nicht als Leistung der Pokémon und macht das Spiel vor allem zu Beginn unnötig einfach. Dadurch konnte ich bis zum 5. Orden durchgängig mit Pikachu kämpfen, ohne einmal das Pokémon wechseln zu müssen. Es war immer stark genug.
Ab Level 45 zieht der Schwierigkeitsgrad allerdings stark an, was man nicht unbedingt von einem Pokémon-Spiel erwarten würde.

Die rundeste Pokémon-Erfahrung?

Sind "Let's Go Pikachu!" und "Let's Go Evoli!" die bisher rundeste Pokémon-Erfahrung? Das klassische Spielprinzip und sonstige Ingame-Mechaniken wurden von allen nervigen Faktoren befreit und durch neue Ideen ergänzt. So gibt es zum Beispiel keine Zufallskämpfe mehr, VMs sind überflüssig, Trainerkämpfe sind kürzer geworden, nervige Sounds (zum Beispiel wenn das eigene Pokémon fast besiegt wurde) ertönen nur noch kurz, alte Rätsel wurden neu gestaltet und das Fangen ist ein toller Ausgleich zu den Trainerkämpfen. Dazu hat das Spiel mit der 3D-Optik einen wirklich schicken neuen Anstrich bekommen, auch wenn sich einige Texturen sehr schnell wiederholen.

"Let's Go Pikachu" ist mehr als nur eine optisch aufgewertete Variante von "Pokémon Gelb" (rechts).(© 2018 Nintendo)

Als Fan der ersten Stunde ist es schön die Attacken der Pokémon komplett durch animiert zu sehen und auch wenn ich persönlich nie ein großer Pikachu-Fan war, kümmere ich mich gerne um mein Pikachu. Ich kleide es neu ein, streichele es bei allen Gelegenheiten und hin und wieder bekommt es eine neue Frisur.

Das erste Durchspielen von "Let's Go Pikachu!" war tatsächlich eine der rundesten Pokémon-Erfahrungen, die ich bisher hatte, was mit Sicherheit an der guten Balance aus Kämpfen, Fangen, Entdecken, Aufbessern und Komplettieren liegt. Der EP-Teiler, der von Anfang an dabei ist und den man nicht ausschalten kann, sorgt für ein stets gleichmäßig starkes Team, da alle Pokémon Erfahrungspunkte bekommen, nicht nur das eine, das sich im Kampf befindet. Das kann man doof finden, im Kampf gegen die Top 4 freut man sich dann aber doch über sein starkes Team.

Wer gerade keine Lust auf die Hauptstory hat, kann mit seinem Team auch gegen andere Trainer im Online-Kampf antreten. Dafür gibt es ein Code-System, über das man auch Freunde finden kann, möchte man gegen einen speziellen Trainer kämpfen. Man kann zwischen zwei Regelsystemen wählen. Eines setzt alle Pokémon auf das gleiche Level, das andere verändert nichts an den Teams.

Fazit

"Pokémon: Let's Go Pikachu!" und "Let’s Go, Evoli! sind würdige Pokémon-Nachfolger, die man keinesfalls nur als simples Remake bezeichnen sollte. Hier wurden Gameplay-Änderungen vorgenommen, die stark motivieren, teilweise ein wenig unlogisch wirken, dafür aber unfassbaren Spaß machen. Das Fangsystem aus "Pokémon Go" implementiert sich reibungslos in die Hauptspiele, auch wenn ich die wilden Pokémon gerne vorher im Kampf schwächen würde. Die Insider und kleinen Story-Anpassungen werden auch alte Fans der Reihe freuen. Mit der Optik und Präsentation gehen Nintendo und Game Freak in eine Richtung, die sich die Pokémon-Gemeinde schon lange gewünscht hat. Die "Pokémon Let’s Go"-Reihe ist also nicht nur etwas für "Pokémon GO"-Spieler, sondern für alle, die mit den Taschenmonstern etwas verbinden und anfangen können.

"Pokémon Let’s Go Pikachu!" und "Pokémon Let's Go Evoli!" sind seit dem 16. November 2018 für die Nintendo Switch erhältlich und ab 0 Jahren freigeben.


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