Ulefone Vienna im Test: das Hifi-Flaggschiff mit Mono-Sound

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Ulefone Vienna: China-Smartphone mit Audio-Chipsatz
Ulefone Vienna: China-Smartphone mit Audio-Chipsatz(© 2016 CURVED)

Ob Mozart und Falco der Grund sind, dass das Ulefone Vienna nach der Hauptstadt Österreichs benannt ist, wissen wir nicht. Was wir wissen: Der chinesische Hersteller hat ein Mittelklasse-Smartphone erstmals mit einem extra Audio-Chipsatz ausstattet. Wir haben genauer hingehört.

Beim Vienna verkündet Ulefone stolz, mit dem Smart Audio PA von NXP einen besonders guten Audio-Chipsatz mit unabhängigen DAC & Amplifier zu verbauen. Ein "Hifi-Flaggschiff" soll das Smartphone sein. Von dessen Qualität kann man sich bei dem Smartphone aber nicht überzeugen, denn es verfügt nur über einen Mono-Lautsprecher auf der Rückseite, dessen Klang ok ist. Das ist angesichts der Werbeversprechen zu wenig. Auch bei angeschlossenen Kopfhörer höre ich keine Verbesserung gegenüber Sound-Modifikationen, wie sie das HTC 10 oder Oneplus 2 bieten.

Darüber hinaus installiert Ulefone auf dem Vienna nur Google Play Musik und keinen Musikplayer, der mit einem Equalizer die Hardware ausnutzen würde. Insgesamt hat man das Gefühl, in einem Trabi mit Formel-1-Motor, dem die Reifen fehlen, zu sitzen. Aber kann das Smartphone vielleicht jenseits der Audio-Welt überzeugen?

Kein Smartphone für Gamer

Mit dem Ulefone Vienna haltet Ihr ein Smartphone mit einem gutem 5,5 Zoll großem Full-HD-Display in den Händen. Oder, um genau zu sein, sein Unibody-Gehäuse aus Kunststoff. Optisch hat es Anflüge von Metall und ist ordentlich verarbeitet. Nur das Muster im unteren Bereich wirkt deplatziert. In der Hülle steckt der Octa-Core-Chipsatz Mediatek MT6753T, dem der Mali-T720-Grafikchip und drei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite stehen. Im Antutu-Benchmark reicht das für bescheidene 38.000 Punkte. Imm Geekbench 3 stehen 631 und 2882 Punkte im Single- und Multi-Core am Ende auf der Ergebnistafel.

In der Praxis laufen Android und die Nutzeroberfläche flüssig, die meisten Apps starten zügig. Nur bei aufwendigen und leistungshungrigen Apps müsst Ihr mitunter länger warten. Das zeigte sich im Test beim Rennspiel Asphalt 8, das zwar selbstbewusst automatisch die höchste Grafikqualität auswählte, aber viel zu ruckelig lief.

Ulefone installiert Android 5.1 auf dem Ulefone Vienna und hält die Zahl der vorinstallierten Apps gering. Das ist eigentlich gut, aber wie Ihr weiter unten lesen werdet, nicht immer die beste Lösung. Sie führt aber dazu, das vom 32 Gigabyte großen internen Speicher noch 25,1 Gigabyte für Eure Daten zur Verfügung stehen, die Ihr bei Bedarf mit einer microSD-Karte erweitern könnt.

Durchschnittskamera und Gimmicks

Die 13-Megapixel-Kamera des Ulefone Vienna liefert eine durchschnittliche Bildqualität. Die Farben sind in Ordnung. Doch schaut man sich die Aufnahmen in Originalgröße an, lässt die Detailgenauigkeit zu wünschen übrig. Ähnlich sieht es bei der Frontkamera mit fünf Megapixeln Auflösung aus. Als Schnappschüsse sind die Selfies in Ordnung, aber zu hohe Ansprüche an die Qualität dürft Ihr nicht stellen.

Auf der Rückseite des Ulefone Vienna befindet sich ein zügig arbeitender Fingerabdrucksensor, der allerdings vergleichsweise oft mehrere Anläufe benötigt, um meinen Finger zu erkennen. Ebenfalls grundsätzlich positiv ist der verbaute Infrarotsender, nur leider hat Ulefone hier wie schon beim Audio-Chipsatz nicht zu Ende gedacht, denn eine hier hilfreiche Universalfernbedienungs-App ist nicht vorinstalliert. Die kann man sich zwar auch nachträglich aus dem Play Store installieren, aber in diesem Fall hätte ich mal nichts gegen eine weitere vorinstallierte App gehabt.

Der 3250-mAh-Akku des Dual-SIM-Smartphones hält bei typischer Nutzung locker einen Tag durch. Aber damit Ihr den zweiten Tag nicht für einen Zwischenstopp an der Steckdose unterbrechen müsst, solltet Ihr ihn morgens oder abends wieder aufladen. Das geht mit der beworbenen Schnellladetechnologie zwar recht fix, aber nicht ganz so schnell wie bei den Top-Smartphones.

An der linken Kante des Ulefone Vienna befindet sich ein Smart Key. Mit einem kurzen Druck solltet Ihr die Kamera starten und durch längeres Halten eine Tonaufnahme starten. Nur Letzteres funktionierte im Test. Die Kamera ließ sich dagegen über die Taste nicht aktivieren.

Fazit: Hausaufgaben nicht gemacht

Das Ulefone Vienna kostet bei Importshops derzeit rund 160 Euro. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 199,99 Dollar - umgerechnet derzeit rund 175 Euro. Angesichts der Ausstattung, der Leistung, der Hardware und Kamera geht der Preis in Ordnung. Dass bei diesem China-Smartphone das Preis-Leistung-Verhältnis nicht gänzlich stimmt, ist eine Überraschung. Schuld daran sind unter anderem die vollmundigen Versprechen über die Audio-Qualität, die das Smartphone nicht einhalten kann.


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