Android One Smartphones: Was kann das Betriebssystem aus Googles Werk?

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Nokia setzt bei seinen Smartphones auf Android One: Auch beim neuen Nokia 9 PureView.
Nokia setzt bei seinen Smartphones auf Android One: Auch beim neuen Nokia 9 PureView.(© 2019 CURVED)

Android One Smartphones laufen mit einer Version von Googles Betriebssystem, das vom Handy-Hersteller kaum angetastet wird. Unnötige Apps soll es nicht geben, dafür Software-Updates über mehrere Jahre. Wer sich für das sogenannte "Stock Android" interessiert, hat allerdings bislang noch keine große Auswahl an Geräten.

Googles mobiles Betriebssystem "Android" bietet regelmäßige Updates, die neue Features und Sicherheitsupdates mitbringen. Android findet sich auf einer Vielzahl an Smartphones, die in allen Preisklassen verfügbar sind. Der Wettbewerb unter den Herstellern sorgt für innovative Technik in den Geräten und ein oft ziemlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Android hat allerdings auch seine Schwächen.

Das größte Problem von Android-Smartphones war und ist die fehlende Update-Lust der Hersteller. Ist das Smartphone mal in den Händen der Nutzer, dann gibt es Betriebssystem- und Sicherheits-Updates oft nur für ein Jahr. Selbst die teuren Flaggschiffe erhalten eher selten mehr als eins der großen, jährlichen Updates, etwa von Android 8.0 (Oreo) auf Android 9.0 (Pie). Die Hersteller geben die Schuld daran oft dem aufwendigen Prüfprozess, den jedes Update bei Google durchlaufen muss.

Das mag zutreffen, allerdings kommt ohnehin kaum ein Smartphone mit dem blanken Android, so wie es von Google etwa bei den Pixel-Modellen installiert wird. Hersteller wie Samsung, HTC, Motorola, Huawei oder LG verpassen ihren Android-Varianten noch eine eigene Benutzeroberfläche, die mal mehr und mal weniger vom Original-Android abweicht. Viele Nutzer schätzen diese "Custom-UI", wie sie etwa das Samsung Galaxy S10 oder das Huawei P30 Lite bieten, und bleiben ihr über viele Geräte-Generationen treu. Weniger gut finden die meisten Anwender allerdings, wenn unnötige Apps, sogenannte "Bloatware" vorinstalliert ist, die kaum jemand benötigt und wertvollen Speicherplatz belegt.

Android One Smartphones mit Fokus aufs Nötigste

Um den Kunden eine alternative Option zu geben, hat Google deshalb Android One eingeführt. Smartphones, die auf der Rückseite den Schriftzug "Android One" tragen, kommen mit einem Betriebssystem, das nahezu vollständig dem Entwurf von Google entspricht ("Stock Android"). Google beschränkt sich bei den vorinstallierten Apps zudem auf das Nötigste: Keine Games, keine Antiviren-App, kein Office-365-Test – Google beschränkt die vorinstallierten Tools auf seine "Suite" mit Gmail, Google Drive, Docs und den anderen bekannten Diensten. Alles andere muss der Nutzer selbst installieren.

Das führt dazu, dass Android One vom Design her sehr stark an Googles "Material Design"-Idee angelehnt ist. Das bedeutet klare Farben, keine runden Kanten und kein 3D-Effekt. Die Oberfläche ist eher nüchtern und pragmatisch, ist dadurch aber auch einfacher zu bedienen und erlaubt immer noch genug Individualisierung.

Vereinzelt erlaubt Google es den Herstellern dann aber doch, auch bei Android One Hand anzulegen. So haben einige aktuelle Nokia-Modelle mit Android One etwa eine angepasste Kamera-App – die mehr auf die verbaute Kamera angepasst ist und zusätzliche Aufnahme-Modi bietet. Auch Google verspricht eigenen Angaben zufolge bei der Optimierung der Android-One-Smartphones mitzuhelfen. So sollen die Hintergrund-Aktivitäten der Apps besser priorisiert werden, um die Akkulaufzeit zu verlängern. Wird das Smartphone nicht genutzt, schaltet es zudem in den Stromsparmodus.

Software-Updates für zwei und Sicherheits-Patches für drei Jahre

Einer der größten Vorteile von Android One sind jedoch die zugesicherten Update-Zyklen: Alle Betriebssystem-Updates werden für mindestens zwei Jahre zugesichert und die monatlichen Sicherheits-Updates gibt es für mindestens drei Jahre. Zusammen mit der Anwendung "Google Play Protect", die die Apps aus dem Store auf Malware untersucht, ergibt das eine ziemlich runde Sicherheits-Ausstattung. Und da bei Android One alles aus einer Hand kommt, sind auch die Updates deutlich schneller verfügbar als bei den meisten anderen Smartphones.

Diese Modelle mit Android One sind verfügbar

Momentan ist die Geräteauswahl von Smartphones mit Android One allerdings noch überschaubar: Der einzige Hersteller, der komplett auf Stock Android setzt, ist Nokia, der praktisch alle aktuellen Modelle von Nokia 3.1 bis zum aktuellen Nokia 9 PureView mit Android One ausstattet. Dazu kommen die Modelle Motorola One, HTC U11 Life und BQ Aquaris X2 und X2 Pro. Auch Xiaomi ist mit seinen Modellen Mi A1 und Mi A2 dabei.

Bei der genannten Auswahl zeigt sich gleichzeitig auch die größte Schwäche von Android One: Die verfügbaren Geräte stammen fast allesamt aus der Einsteiger- bis Mittelklasse. Richtige Top-Smartphones gibt es bislang kaum. Wer ein Smartphone mit richtig guter Performance für aufwendige Games und andere Anwendungen sucht, wird höchstens bei den Modellen Nokia 7.1, 8.1 und dem aktuellen Nokia 9 PureView fündig. Letzteres scheint sich mit seinen sage und schreibe fünf Kameras zumindest in Sachen Fotografie nicht hinter der starken Konkurrenz Huawei P30 und Samsung Galaxy S10 verstecken zu wollen.

Android One Smartphones sind solide Mittelklasse-Modelle

Den Griff zu einem Handy mit Android One sollten eher Pragmatiker wagen, die mehr Wert auf Funktionalität als Individualität legen. Ein großer Vorteil der Modelle mit Googles "Stock"-Software ist die vergleichsweise lange Zeit, in der regelmäßige Updates zugesichert werden. Auch weniger vorinstallierte Apps können für manche Nutzer interessant sein, die ihren Speicherplatz selbst voll auskosten wollen. Dafür gibt es bei Android One keine herstellerspezifischen Funktionen, die noch einmal einen Zacken mehr aus der Technik des Smartphones herausholen könnten.


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