"Final Fantasy 7"-Remake: Warum nur, Square Enix, warum?

Peinlich !36
Irgendwie mag ich diese klobige Optik von "Final Fantasy 7" immernoch.
Irgendwie mag ich diese klobige Optik von "Final Fantasy 7" immernoch.

Es war das Jahr 1997. Ich war gerade mal sieben Jahre alt, hatte keine PlayStation – dafür mein Cousin. Es war eine Zeit, in der ich oft bei ihm auf dem Sofa saß und gebannt in die Glotze starrte. Dabei lief keine Serie, kein Film – er spielte "Final Fantasy 7".

Vier Jahre später war es soweit: Nach monatelangem Sparen hielt ich selbst dieses Rollenspiel in den Händen, das mich nachhaltig prägen sollte. Monatelang habe ich Chocobos gezüchtet, meine Charaktere hochgezogen und war im Gold Saucer beim Snowboardrennen auf Rekordejagd. Hach, und welch Dramatik, als der Tod von … Okay, an dieser Stelle will ich nicht spoilern.

Nur so viel sei gesagt: Danach habe ich kein Spiel mehr erlebt, das mich durch die Tiefe der Erzählung, die Komplexität der Spielmöglichkeiten und der Spaß am Hochleveln derart an den Bildschirm fesselte. Ja, ich bin ein absoluter Fan. Sogar die – nüchtern betrachtet – gar nicht mal so gelungenen Animationsfilme habe ich gefeiert.

Der Trailer des "Final Fantasy 7"-Remake bringt mich ins Schwärmen

Jetzt kommt das "Final Fantasy 7"-Remake von Square Enix für die PlayStation 4. Ohne Frage, der neue Trailer sieht wirklich großartig aus. Im Video sieht man Cloud, der tragische Held zusammen mit Aeris, dem entzückenden Blumenmädchen, wie sie dem ehemaligen SOLDAT-Mitglied – die Elite-Kampftruppe des Shinra-Konzerns – eine Blume schenkt. Das weckt alte Erinnerungen.

Besonders gerate ich mit den Gedanken an die liebevoll gestalteten Render-Filme ins Schwärmen, die alle alten "Final Fantasy"-Teile ausgezeichnet haben – und es einfach beeindruckend ist, dass wenig später Titel veröffentlicht wurden, die genau so gut aussehen wie aufwendige Animationssequenzen in den 90ern.

Im Trailer sind alle auf einem Haufen: Barret, der Mann mit der Gatling-Faust, Tifa, die heißblütige Kämpferin; und ein Schemen von Sephiroth – dem geheimnisvollen Gegenspieler, der die Welt in den Abgrund stürzen will. Da gerate ich direkt wieder ins Schwärmen. Und ja, es könnte eines der ganz großen Spiele-Highlights des Jahres werden. Aber ein wichtiges Detail des Trailers gefällt mir ganz und gar nicht.

Warum Square Enix mich trotzdem nicht begeistert

In dem gut einminütigen Gameplay-Trailer sieht man nicht nur vorläufige Spielszenen der ersten Minuten, sondern auch das Kampfsystem. Und das macht mir das FF7 Remake dann auf einen Schlag unsympathisch. Ich mochte es, bei den alten RPG's in Ruhe meine nächsten Züge vorzubereiten und dann zu beobachten, wie mein Gegner in die Knie gezwungen wird – oder er mich ins Schwitzen bringt. Wie der erste Endgegner bei FF7, den man direkt mal unter Zeitdruck besiegen musste, kaum, dass die Disc eingelegt war.

Jetzt haben wir also "Final Fantasy 7" im neuen Gewand auf Blu-ray, für PS4. Plus dem, was mir die neuen FF-Teile so unsympathisch macht: das Gameplay. Ein viel zu hektisches Kampfsystem, mit viel zu starkem Fokus auf krassen Effekten und künstlich hergestellter Live-Action. Außerdem mag ich die alten Klotzhände, die Gesichter, die nur aus Augen bestehen irgendwie. Bisschen Retro, ja, aber damit bin ich eben aufgewachsen.

Das Remake ist nur ein Symptom

Außerdem geht mir eine Sache mächtig auf den Zeiger, und das "Final Fantasy 7"-Remake ist nur ein Beispiel unter vielen: Warum denkt sich niemand mehr etwas Neues aus? Unsere Kultur scheint durchzogen von Neuauflagen, Remakes, Buch- und Comicverfilmungen. Oder eben Fortsetzungen, die kaum etwas Neues bieten, sondern scheinbar nur noch wegen des Erfolges des Vorgängers produziert werden. Werft mal einen Blick auf die weltweit erfolgreichsten Kinofilme des letzten Jahres. Laut Moviejones waren das folgende:

  1. Avengers – Infinity War
  2. Black Panther
  3. Jurassic World – Das gefallene Königreich
  4. Die Unglaublichen 2
  5. Venom
  6. Mission: Impossible – Fallout
  7. Deadpool 2
  8. Bohemian Rhapsody
  9. Ant-Man and the Wasp
  10. Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen

Genau ein Film zählt nicht in eine dieser Kategorien: Bohemian Rhapsody. Und auch hier konnten sich die Drehbuchautoren ja an einer Vorlage bedienen. Bei den PS4-Releases sieht es nicht viel anders aus. Sony zufolge waren 2018 folgende Spiele die erfolgreichsten im PlayStation Store:

  1. Call of Duty: Black Ops 4
  2. Red Dead Redemption 2
  3. Marvel’s Spider-Man
  4. God of War
  5. Grand Theft Auto V
  6. NBA 2K19
  7. FIFA 19
  8. Monster Hunter: World
  9. Far Cry 5
  10. Madden NFL 19

Wie ihr seht: "God of War" ist sozusagen das "Final Fantasy 7" des Genres Action-Adventure. Denn hierbei handelt es sich ebenfalls um ein Remake des 2005 erschienen Spiels für die PlayStation 2.

Es geht auch anders

Ich will keinen Abgesang auf die ganze Art und Weise der aktuellen Produktion von Games, Filmen und Serien singen. Es gibt zahlreiche Gegenbeispiele: siehe schon allein die ganze Sparte der Indie-Games, in der es wirklich innovative Konzepte gibt, mit ganz frischer Spielmechanik und neuer Art des Storytellings.

Auch nicht alles, was an Altbewährtes anknüpft, muss schlecht sein. Ich liebe "Bates Motel" – die lose Vorgeschichte von Robert Blochs Roman "Psycho", später von Alfred Hitchcock verfilmt – mit einem unglaublich starken Freddie Highmore, der die Rolle des Norman Bates eindrucksvoll verkörpert. Oder siehe Streaming: Mit "Bandersnatch" hat Netflix bewiesen, wie Fernsehen noch ganz anders erlebt werden kann.

Ein "Final Fantasy 7"-Remake, das mir Spaß machen würde

Und ganz ehrlich: Ich hätte mich auf ein "Final Fantasy 7"-Remake gefreut – aber in einer anderen Form. Zum Beispiel eine Android-Version, die auf meinem Smartphone flüssig läuft. So wie "Final Fantasy 9". Aber das kann ja alles noch werden. Oder, Square Enix?


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