Android-Updates: So funktioniert der Rollout-Prozess

Peinlich !72
Lollipop
Lollipop(© 2014 CURVED Montage)

Während Google am heutigen Tage bereits die ersten Factory Images mit der allerneusten OS-Version Android 5.0.1 für einige Nexus-Geräte bereitstellt, warten zahlreiche Nutzer immer noch darauf, das Basis-Update auf 5.0 Lollipop "over the air" (OTA) auf ihre Geräte zu bekommen. Warum aber dauert das bei Googles mobilem OS so vergleichsweise lange, während Apple-Nutzer doch immer gleich am Stichtag kollektiv mit der heiß ersehnten Software-Aktualisierung beschert werden? Wir erklären Euch im Folgenden, wie der Update-Prozess für Android abläuft.

Vor einer Woche beschwerte sich Kollege Jan in einem offenen Brief an Google darüber, dass sowohl sein Nexus 7 als auch sein etwas betagteres Nexus 4 rund zwei Wochen nach dem eigentlichen Start des Rollout-Prozesses immer noch kein Update auf Android 5.0 Lollipop erhalten hatten — nachvollziehbar, der Mann wollte endlich all die tollen, neuen Features der aktuellen OS-Version ausprobieren, scheute sich aber davor, sich die entsprechenden Factory Images mittels des nicht ganz unkomplizierten manuellen Flashvorgangs selbst auf die Geräte zu packen.

So wie Jan — dessen Wunsch zwischenzeitlich aber von Google erhört wurde; er erfreut sich nun endlich an lecker Lollipop auf Tablet und Smartphone — dürfte es zahlreichen Besitzern von Nexus-Geräten gegangen sein oder sogar derzeit noch gehen. Warum dauert es nur so lange, bis Android-Updates wirklich alle Nutzer erreichen? Werden etwa bestimmte Regionen oder User bevorzugt? Und lässt sich der Vorgang durch Tricks oder wiederholtes Tippen auf den Update-Button beschleunigen?

Reine Glückssache: phasenweise Updates

Frustrierende Meldung für viele Nexus-Besitzer ...

Im vergangenen Jahr erlebten wir beim Rollout von Android 4.4 KitKat eine ähnliche Misere, damals erklärte Google-Ingenieur Dan Morril in diversen Threads auf reddit, wie der Rollout-Vorgang seitens Google von statten geht — und diese Ausführungen haben natürlich auch in diesem Jahr noch Bestand:

So laufen die Rollouts in Phasen ab, wodurch in den ersten 24 bis 48 Stunden nur circa ein Prozent aller aktivierten Geräte versorgt werden. Dies dient dazu, dass Google zunächst die Geräte Check-ins beobachten und auf Fehler prüfen kann. Somit möchte das Unternehmen vor dem "großen" Rollout sicherstellen, dass alles nach Plan läuft. Erst danach findet über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen in Schritten von jeweils 25 Prozent, 50 Prozent bis hin zu schließlich 100 Prozent die komplette Versorgung aller Nexus-Geräte statt. Kollege Jan hatte also wohl einfach ein wenig Pech und gehörte zu einer der letzten Phasen.

Die Prozentzahlen übrigens bedeuten, dass ein Gerät in der ersten Phase eine nur einprozentige Chance hat, das Update beim Check-in zu erhalten. Später steigt die Wahrscheinlichkeit ein — übrigens zufallsgeneriertes — Update-Ticket zu erhalten dann eben auf 25 Prozent, 50 Prozent bis hoch zu 100 Prozent.

Es gibt zumindest nach dieser offiziellen Aussage also keine bevorzugte oder benachteiligte Behandlung bestimmter Geräte nach Region oder Nutzer; alles Zufall, sagt Dan Morril. Da aber die "Verlosung" der Update-Plätze nur einmal pro Rollout-Phase stattfindet, bringt auch wiederholtes Tippen auf den Update-Button in den Systemeinstellungen wenig. Es sei denn, der Nutzer erwischt gerade den zeitlichen Start einer neuen Welle — denn dann kann das manuelle Betätigen einen kleinen zeitlichen Vorteil bringen, da sich die Geräte selbsttätig nur alle 24 Stunden nach anstehenden Aktualisierungen erkundigen. Mehr als zweimal am Tag manuell auf Updates prüfen wiederum bringt aber nichts (schadet allerdings auch nicht).

Finger weg vom Framework-Trick

Schaden kann jedoch der sogenannte Framework-Trick, der in vielen Community-Threads als probates Mittel zum Erzwingen des Updates angepriesen wird: Dabei wird durch das Stoppen und Löschen des "Google Framework"-Prozesses das Gerät quasi abgemeldet und mit einer neuen Token ID versorgt, die in der Theorie für ein neues "Losglück" bei der Vergabe der Update-Plätze sorgt.

Nicht empfehlenswert: Den Framework-Dienst unter Android zurückzusetzen

Wie oft sich eine solche erzwungene Neuvergabe der Token ID positiv auf die theoretische Wahrscheinlichkeit, schneller in den Genuss des Updates zu kommen, auswirkt, ist nicht klar. Dass der Vorgang aber an anderer Stelle für Nachteile sorgt, erklärte Morril ebenfalls: So wird die Kommunikation mit dem Google Cloud Messenger auf diesem Weg unterbrochen, was zum Ausbleiben von Gmail-Benachrichtigungen, zu einer Neuanmeldung im Play Store und zu größeren Problemen mit Apps von Drittanbietern, die zur Kommunikation mit den Geräten auf den GCM setzen, führen kann. Vergleicht man den kleinen theoretischen Vorteil bei der Update-Verteilung mit den faktischen Nachteilen, die durch die gewaltsame Neuzuweisung der Token ID auftreten, ist von diesem Kniff also abzuraten.

Wer es denn gar nicht mehr abwarten kann, der fasst sich eben ein Herz und flasht sich das jeweilige Factory Image oder — noch einfacher — die Update-Files selber. Da auch Android 5.0 Lollipop nicht ganz frei von Bugs und Fehlern ist, können sich alle anderen auch ein wenig beruhigt zurücklehnen und sich zum Trost darüber freuen, dass sie sich nicht schon seit zwei Wochen mit dem fehlenden Lautlos-Modus, WLAN-Problemen und eventuellen Schwierigkeiten beim SMS-Versand herumschlagen müssen ... Android 5.0.1 steht ja bereits in den Startlöchern, verbessert bestimmt Einiges und erreicht dann alle jetzt noch Wartenden hoffentlich zügig.

Apropos: Gibt es unter unseren Lesern noch Nexus-Besitzer, auf deren Geräten ein unbehandelte 4.4-Firmware läuft, die aber immer noch kein Lollipop erhalten haben?


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