Android Wear mit dem iPhone: So gut funktioniert es schon

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Mit der Sony SmartWatch 3 funktioniert Android Wear ziemlich gut auf dem iPhone 6.
Mit der Sony SmartWatch 3 funktioniert Android Wear ziemlich gut auf dem iPhone 6.(© 2015 CURVED Montage)

Smartwatches mit Googles Android Wear funktionieren jetzt auch mit dem iPhone. Wirklich? Haben wir ausprobiert.

Ich kenne viele iPhone-Besitzer, die seit dem Erscheinen mit dem Kauf einer Motorola Moto 360 geliebäugelt haben. Klar, mit der Ausnahme des schwarzen Plastikrandes am unteren Bildschirmrand ist die Uhr schließlich auch ein echter Hingucker. Das einzige Problem: Android Wear arbeitete bislang nicht mit iOS zusammen. Das hat Google endlich geändert: Die Companion-App ist nun auch im App Store verfügbar.

Die Enttäuschung war zunächst bei vielen Nutzern dennoch groß: Laut Google funktionierte die Kopplung von iPhone und Android-Wear-Uhr nur mit der LG Watch Urbane und den kommenden Modellen Huawei Watch und Asus ZenWatch 2. Schnell stellte sich aber heraus: Die Angabe stimmt gar nicht. Auch die Moto 360 lässt sich mit dem iPhone koppeln. Das funktionierte aber eher mäßig. Ich selbst habe mein iPhone mit einer Sony SmartWatch 3 verbunden. Die einzige Voraussetzung scheint zu sein, dass auf der Uhr die Betriebssystem-Version Android Wear 1.3 installiert ist. Das Problem: Bei älteren Uhren, wie der Moto 360, braucht Ihr für ein Betriebssystem-Update die Verbindung zum Internet. Dazu ist ein Android-Smartphone notwendig. Habt Ihr kein älteres Gerät (mindestens Jelly Bean oder neuer) zu Hause, solltet Ihr auf die kommenden Motorola-Uhren warten.

Geht nicht? Gibt's doch! Die Motorola Moto 360 funktioniert nur eingeschränkt mit dem iPhone.(© 2014 CURVED)

So gut arbeiten Android Wear und iOS zusammen

Sind alle Voraussetzungen erfüllt, müsst Ihr Eure Uhr auf die Werkseinstellungen zurücksetzen und die Android-Wear-App auf dem iPhone installieren. Dann könnt Ihr beide Geräte miteinander koppeln. Dazu schaltet Ihr Bluetooth auf dem iPhone ein und gebt den Pairing-Code ein, den die Uhr anzeigt. Nach ein paar Sekunden Wartezeit sollte die App die Uhr dann erkannt haben. Wie man es von Android Wear für Android kennt, kann man die Uhr über die Smartphone-Anwendung konfigurieren. Ich kann zum Beispiel auswählen, ob das Display der Uhr immer eingeschaltet sein soll, ob ich Google Now nutzen und ein anderes Watchface installieren will.

Insgesamt stehen hier bei weitem nicht so viele zur Auswahl, wie man das vom Play Store kennt. Der Grund ist ganz einfach: Apple erlaubt neben dem eigenen keinen separaten App-Store. Deswegen gibt es nur einige wenige Ziffernblätter, die Google ausgewählt hat. Und das ist noch nicht die einzige Beschränkung für Android Wear auf dem iPhone: Ja, die Uhr zeigt Push-Nachrichten von fast jeder App an. Bei mir hat das mit WhatsApp, dem Facebook-Messenger, Twitter, Gmail und sogar mit iMessage funktioniert. Per Sprachsteuerung antworten könnt Ihr aber nur auf Gmail-Nachrichten. Für alles weitere müsst Ihr das Smartphone aus der Tasche ziehen und tippen.

Die Auswahl an verfügbaren Watchfaces ist bei der Android-Wear-Version leider nicht sonderlich groß.(© 2015 CURVED Montage)

Hauptbestandteil ist auch bei Android Wear für iOS der persönliche Assistent Google Now. Um die Karten des Dienstes zu erhalten, müsst Ihr der App auf dem iPhone aber permanente Zugriffsrechte auf Euren Aufenthaltsort gewähren. Tut Ihr das nicht, zeigt Euch Eure Uhr nicht einmal die Sportergebnisse an. Das macht aber nichts. Per Sprachbefehl könnt Ihr ganz einfach danach suchen. Wie gewohnt sagt Ihr: “OK Google, wie hat Werder Bremen gespielt?” Die Antwort kommt dann prompt. Der weitere Funktionsumfang beschränkt sich im Wesentlichen auf die auf der Uhr vorinstallierten Apps. Ihr könnt also Eure Fitnessdaten per Google Fit aufzeichnen und Euch darüber tägliche Ziele setzen, habt Zugriff auf eine Wetter-App, eine Timer- und Stoppuhr-Funktion und den Google-Übersetzer. Weitere Anwendungen gibt es erstmal nicht.

Wie Dieter Bohn von The Verge berichtet, ist das aber nicht die Schuld der Google-Entwickler, die Android Wear für iOS umgesetzt haben. Bohn konnte die iPhone-Version bereits vor allen anderen in vollem Umfang testen und mit dem führenden Produktmanager Jeff Chang sprechen. Der gab zu Protokoll, dass man wie jeder andere App-Entwickler mit Apple zusammenarbeite, um sicherzugehen, dass man alle Richtlinien verstehe und einhalte. Und dazu gehört eben auch die Regel: keine weiteren App-Stores. Nicht ausgeschlossen ist aber, dass andere Entwickler Ihre Anwendungen schlicht um eine Android-Wear-Komponente für iOS erweitern.

Fazit: Eingeschränkt, aber trotzdem gut

In Zusammenarbeit mit iOS bieten Android-Wear-Smartwatches zwar nicht den vollen Funktionsumfang. Was funktioniert, funktioniert aber gut. Wünschenswert wäre, wenn man in Zukunft auf alle eingehenden Nachrichten direkt von der Uhr antworten könnte und nicht nur auf die von Gmail. Schön wären auch ein paar mehr Ziffernblätter zum Nachrüsten. Der aktuelle Funktionsumfang rechtfertigt meiner Meinung nach aber nicht den Kauf einer Android-Wear-Uhr jenseits der 200 Euro. Wer als iPhone-Besitzer so viel Geld für eine Smartwatch ausgeben geben möchte, ist mit der Apple Watch besser dran. Im The-Verge-Interview hat Google aber stetige Updates versprochen. Man darf also gespannt sein, was da noch kommt.


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