Apple Musikmemos ausprobiert: die App mit dem perfekten Gehör

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Einfach in der Bedienung, umfangreich in den Funktionen: Musikmemos
Einfach in der Bedienung, umfangreich in den Funktionen: Musikmemos(© 2016 CURVED)

Apple erweitert sein mobiles Musikstudio GarageBand auf dem iPhone und iPad an zwei wichtigen Stellen: Songwriter bekommen mit Musikmemos eine App, die Songideen aufnimmt und mit Bass und Schlagzeug aufpeppt. DJs freuen sich über die neuen Live Loops in GarageBand, mit denen man Elektro-Mixe jammt oder Partys in Schwung bringt. CURVED-Autor Stefan ist als Musiker in Sachen Rock und Elektronik unterwegs und hat beides ausprobiert. 

Als Musiker weiß ich, dass Ideen für neue Songs oder Riffs oft spontan kommen. Wenn man sie nicht sofort aufnimmt, sind sie auch schnell wieder vergessen. Oder man schreibt sie mit Noten auf, aber das können nur wenige. Früher mussten Kassettenrekorder, Mini Disc oder Diktiergerät herhalten, heute mache ich das meistens einfach mit dem iPhone oder iPad. Ich nutzte bislang ganz simpel Apples Sprachmemos-Standardapp in iOS. "Aufnahme" drücken und abspielen reichte. Hauptsache, die Idee ist schnell festgehalten. Die Sprachmemos-App hat mir dabei gute Dienste geleistet, ist aber eigentlich für Sprachnotizen gemacht. Nimmt man viele Schnipsel auf, ist es im Nachhinein nicht einfach, die richtige Stelle oder den Clip mit dem Riff für den nächsten "Hit" zu finden.

Ideenschmiede vor dem Studio

Hier setzt die Idee von Apples neuer Musikmemos App an. Und packt einige nützliche Funktionen speziell für Songwriter obendrauf. So wird die App praktisch zu GarageBand - der App, mit der es an die richtige Aufnahme des Songs ins mobile Studio geht.

Apple Musikmemos: einfach aufnehmen(© 2016 CURVED)

Das Aufnehmen bleibt bewusst simpel: Einfach Musikmemos (kostenlos) auf dem iPhone oder iPad öffnen und auf den roten Knopf drücken. Die App nutzt das interne Mikrofon. Das ist clever, weil man in Sekunden aufnahmebereit ist und die Idee festhalten kann. Unterschied zu Sprachmemos ist, dass unkomprimiert aufgenommen wird. So klingen Gitarre oder Klavier, die ja meist der erste Schritt zur Songidee sind, wirklich hervorragend, wenn man einfach das iPhone auf den Tisch legt und mit dem Instrument reinspielt. Danach kann die Idee (per Voreinstellung einfach als „Idee 1“ „Idee 2“ usw. automatisch benannt) umbenannt oder geteilt werden. Man kann sich mit der „Auto“-Option sogar das Drücken des Aufnahmeknopfs sparen, das macht die App dann automatisch. Bei der Aufnahme zeigt eine Kurve an, ob die Aufnahme laut genug ist. Ein Stimmgerät ist auch an Bord.

Bass und Drums in Sekunden dazu

So sporadisch sich Musikmemos beim Aufnehmen gibt, so verblüffend ist die App danach: Die App kann die Aufnahme analysieren, Rhythmus und Akkorde erkennen und zeigt nach der Aufnahme so die Grundakkorde der Songidee an. Ich habe es zunächst mit einem simplen Blues ausprobiert. Musikmemos zeigt hier nicht nur „E“ und „A“ an - viel mehr hätte ich nicht erwartet - sondern erkennt sogar Septakkorde, also "E7". Wow! Auch beim zweiten Versuch mit etwas ausgefalleneren Akkorden liegt die App richtig. Das Gleiche habe ich mit dem Klavier probiert, auf das die App ebenfalls ausgerichtet ist. Hier lag die Analysefunktion auch richtig. Das Ganze ist sehr praktisch, denn normalerweise vergisst man schnell auch wieder die Akkorde zur Songidee und muss nicht selten vor der Aufnahme im Studio seinen eigenen Song wieder "raushören".  Die App teilt die Songidee auch in Regionen ein, was das Bearbeiten einfach macht - oder das nachträgliche Ändern von Akkorden.

Musikmemos erkennt Akkorde(© 2016 CURVED)

Richtig cool wird es aber, wenn man einfach Bass und Schlagzeug auf Knopfdruck hinzuschaltet. Zu meinem besagten Blues liefert die App nicht nur Grundtöne, sondern einen soliden Rock and Roll-Basslauf. Der virtuelle Drummer liegt auch fast immer richtig und spielt sogar Betonungen mit Fills und Beckenschlägen. Mit etwas Glück kann man in Minuten eine Songidee in guter Qualität aufnehmen und ausprobieren, wie es zusammen mit der Band klingen würde.

Bassdrums kommen auf Knopfdruck hinzu.(© 2016 CURVED)

Das Weitergeben der Musikmemos funktioniert per iCloud. So kann es in GarageBand oder Logic Pro X gleich mit der Musikaufnahme weitergehen. Die Idee kann samt Bass und Schlagzeug exportiert und per E-Mail weitergeschickt werden. Musiker dürfen auch auf Soundcloud oder das in Apple Music eingebaute Connect-Social-Network hochladen.

Songideen sind schnell geteilt(© 2016 CURVED)

Endlich Live-DJ sein

GarageBand ist Apples Musikstudio. Etwas Talent musste man bisher aber mitbringen. Mit dem aktuellen Update auf 2.1 vergrößert es nicht nur seine mögliche Spurenanzahl und bringt tonnenweise neue Loops mit. Es hat in Sachen elektronischer Klänge einen ganz neuen Modus an Bord. Damit wird nicht mehr, wie in einem Recording-Programm, auf mehreren Spuren aufgenommen. Wie auf einem DJ-Pad lassen sich Loops nacheinander starten, mixen und mit Effekten interessanter machen.

Die Vorlagen zu den Live Loops(© 2016 CURVED)

Wer schon immer DJ auf Partys sein wollte oder eigene Elektronik-Tracks aufnehmen wollte, ist hier richtig. Einfach im neuen "Live Loops"-Modus starten, eine Vorlage auswählen - schon kann es losgehen. Die Vorlagen sind schon reichlich mit passenden Instrumenten und Loops zu den verschiedenen Stilrichtungen gefüllt.

Ein Mix mit Live Loops(© 2016 CURVED)

Der DJ muss eigentlich nur ein paar Knöpfe drücken. Das Ganze ist kinderleicht und auch von Einsteigern mit etwas Einarbeitung zu schaffen. Ein richtig guter Mix ist aber wieder eine Kunst, die Übung und Gefühl erfordert. Das zu erlernen, macht richtig Spaß. Mit dem Aufnahmeknopf entstehen so ganz einfach eigene Electro-Tracks aus Stilen von EDM, House, R&B bis Dubstep. Künftig reicht ein iPad und die Gratis-App, um auf der nächsten Wohnzimmer-Party live zu performen.


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