Der Mythos vom Highend-Flaggschiff: Warum wir umdenken müssen

Naja !35
Auch alte Flaggschiffe haben Charme
Auch alte Flaggschiffe haben Charme(© 2015 CC: Flickr/intensemozioni)

Geht es um Smartphones, spricht man in der Regel schnell über Flaggschiffe. Die meisten denken dabei wohl an Premium-Geräte, wie das Samsung Galaxy S6 oder das iPhone 6. Aber ein Flaggschiff, das muss gar nicht High-End sein und viel kosten - meint zumindest Alcatel. Ist da was dran?

Wie man vermuten würde, kommt der Begriff eigentlich aus der Seefahrt. Das Flaggschiff bezeichnet dabei eigentlich das Führungsschiff einer Flotte, mittlerweile auch das größte Schiff. Das Vorzeige-Modell sozusagen. Und das kann je nach Flotte beträchtlich voneinander abweichen. Soweit, dass das Flaggschiff der einen Flotte kleiner und schwächer sein kann als selbst das schwächste eines Konkurrenten. Geht es nach Alcatel, soll diese Definition sich auch bei den Smartphones durchsetzen.

So erklärte der Vizechef der US-Abteilung des Konzerns gegenüber Cnet, Flaggschiffe sollten heute weniger als 300 US-Dollar kosten. Schaut man sich die aktuellen Spitzen-Smartphones von Alcatel mit dem Namen Onetouch Idol 3 an, stimmt das für den zum chinesischen Konzern TCL gehörenden Hersteller sogar: Sein Topgerät kostet gerade einmal 299 Euro. Mit Spitzen-Smartphones vom Schlage eines LG G4 kann und will es nicht mithalten. Die Frage ist bloß: Muss es das überhaupt?

Flugzeugträger gegen Nußschale

Denn das Problem liegt nicht in den technischen Unzulänglichkeiten der vielen kleinen Hersteller - sondern in der Leere des Begriffs. Denn eigentlich ist es völlig sinnlos, Premium-Smartphones, wie das kommende Galaxy Note 5, mit den Geräten von Herstellern zu vergleichen, die auf eine völlig andere Zielgruppe - und Preisklasse - abzielen. Denn während sich Oneplus mit dem Oneplus 2 und Motorola mit dem Moto X durchaus am Spagat zwischen Premium-Technik und Mittelklasse-Preisen versuchen, reicht es anderen eben völlig aus, solide Mittelklasse-Geräte zu produzieren. Da ist dann natürlich auch das Flaggschiff schlechter ausgestattet.

Schuld ist das schiefe Bild vom Flaggschiff. Das sollte mal nach Leistung und Kraft klingen, zieht aber in Zeiten nicht mehr, in denen Hunderte von Herstellern überhaupt keine Premium-Geräte mehr im Portfolio haben. Solange die Nutzer drauf anspringen, werden die Hersteller ihre Top-Geräte weiter als Flaggschiffe bewerben - selbst wenn sie irgendwann vielleicht nicht einmal mehr 100 Euro kosten.

Hat das beliebte Werbebild vom leistungsstarken Flaggschiff ausgedient? Schreibt uns Eure Meinung in den Kommentaren.


Weitere Artikel zum Thema
Galaxy S9: Display soll bis zu 90 Prozent der Vorder­seite einneh­men
Guido Karsten8
Beim Galaxy S8 liegt die "Screen-to-Body-Ratio" bereits bei knapp über 83 Prozent
Beim Galaxy S9 soll das Display einen noch größeren Teil der Vorderseite bedecken als beim Vorgänger. Fällt der Rand unten dann weg?
Libra­tone Q Adapt On-Ear made for Google im Test
Marco Engelien
Dynamisches Duo: der Libratone Q Adapt On-Ear und das Pixel
Der Libratone Q Adapt On-Ear gehört zu den ersten Geräten, die das Label "made for Google" tragen. Was das bedeutet, erklären wir im Test.
Face­book bedient sich mal wieder bei Snap­chat
Francis Lido
Der Facebook Messenger könnte bald ein aus Snapchat bekanntes Feature erhalten
Der Facebook Messenger will wie Snapchat sein: Es wird ein Feature getestet, das Nutzer für den Austausch von Mitteilungen mit einem "Streak" belohnt.