Filmkritik zu "Tomb Raider": Für Neulinge ok – für Gamer nicht

Optisch verdammt nah am Game: Alicia Vikander.
Optisch verdammt nah am Game: Alicia Vikander.(© 2018 Warner Bros.)

Nach Angelina Jolies Film in den früheren 2000ern lag die Kinokarriere von Spieleheldin Lara Croft lange auf Eis. Nun kommt mit Alicia Vikander eine neue, ganz junge Lara ins Kino. Ist das gut oder schlecht? Wir haben uns den Streifen reingezogen und sagen euch – frei von Spoilern – ob er was kann. 

Millionen von Fans weltweit, ein starkes Vorbild für moderne Mädchen und satte Action gepaart mit viel Cleverness in ihren Spielen – das ist doch eigentlich ein sicherer Hit für die große Leinwand. Oder nicht? Die Vorgänger verdienten Geld, aber weder die Fans noch die Kritiker waren mit den beiden Jolie-Filmen wirklich glücklich. Macht der neue Lara Croft Streifen alles besser?

Darum geht es in "Tomb Raider"

Die junge Lara Croft (Alicia Vikander) lebt in London in einer kleinen Wohnung und schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Von ihrem Vermögen als Alleinerbin des Familienkonzerns will sie nichts wissen. Denn das hieße, den Tod ihres verschwundenen Vaters Richard (Dominic West) zu akzeptieren – und das kommt für die sture Lara nicht infrage. Doch als sie durch Geldsorgen doch einwilligt, die nötigen Papiere zu unterschreiben, gelangt sie an einen Schlüssel, der das Verschwinden Lord Crofts in einem anderen Licht zeigt. Plötzlich hat Lara wieder Hoffnung, zumindest herauszufinden, wo und wie ihr Vater verschwand, und so macht sie sich auf den Weg nach Hongkong, um von dort eine kleine Insel im Teufelsmeer zwischen Japan und China zu erreichen. Dorthin muss es ihren Vater auf der Suche nach einem legendären Artefakt verschlagen haben, das eine Gefahr für die ganze Menschheit darstellt. Doch die Wirklichkeit, die Lara entdeckt, ist weit schlimmer als alles, was sie sich in ihrer Phantasie ausgemalt hatte …

Alicia Vikander ist die ideale Besetzung als junge Lara Croft.

Die Vorlage

Der neue Film mit der drahtigen Schwedin Alicia Vikander, die trotz ihrer 29 Jahre mühelos als 19-jährige Lara durchgeht, ist wohl die Idealbesetzung für die Verfilmung, deren Grundstory sich nach dem Reboot der Spieleserie aus dem Jahr 2013 richtet. Dort ist Lara auf ihrer ersten Expeditionsreise mit einem berühmten Archäologen unterwegs und verunglückt mit ihren Kollegen in der Chinesischen See. Als sie sich auf eine Insel retten kann, kommt sie dort der Legende einer ehemaligen Herrscherin auf die Spur, die angeblich das Wetter kontrollieren konnte. Im Lauf der Story begegnet Lara nicht nur anderen Überlebendem vom Schiff wieder, sondern gerät auch zwischenzeitlich in die Hände des zwielichtigen Mathias, der offenbar eigene Pläne auf der Insel verfolgt.

Das Spiel bekam in Deutschland eine Freigabe ab 18, da es mit besonders unerfreulichen Todessequenzen für Lara aufwartete und auch sonst beim Gewaltgrad alles andere als zimperlich war. Denn Lara kämpft sich hier mit Kletterhaken, Pfeil und Bogen und diversen Schusswaffen ihren Weg durch hunderte von Gegnern – die nicht alle von dieser Welt sind. Da ist der neue Film (ab 12 Jahren) deutlich harmloser.

Für Neulinge ok, für Gamer nicht

Das ist aber nur eins der Probleme, die der Film hat. Denn tatsächlich übernahmen die beiden bislang eher unerfahrenen Drehbuchschreiber Geneva Robertson Dvoret und Alastair Siddons nur das Grundgerüst der Spielstory für den Film und warfen so ziemlich jeden coolen Moment aus dem Game über Bord. Dafür erzählen sie die Story von Laras Suche nach ihrem Vater so vorhersehbar und spannungsarm, dass hier wohl kaum ein Zuschauer ernsthaft überrascht wird oder nicht ahnt, wie diese Geschichte endet. Und auch Walt Goggins als Mathias bekommt keinerlei Background und spielt daher einen sehr uninspirierten und nicht sonderlich interessanten Schurken von der Stange. Dazu kommt, dass eine der Säulen fast aller Lara Croft-Spiele fehlt: die Magie. In den Spielen war Übernatürliches stets eine sehr reale Option und kam häufig genug tatsächlich vor. Die Filmemacher scheuten sich jedoch, sich allzu weit auf Fantasy-Glatteis zu wagen und wollten die Story bodenständiger und actionlastiger erzählen. Darunter leidet aber das typische "Tomb Raider"-Feeling.

Gamer werden das Übernatürliche aus dem Spiel schmerzlich vermissen.

Die Action ist zwar gut gemacht, besonders die Szene mit Fluss und Flugzeug sehr gut gelungen, aber das reicht eben nicht, um aus einem ganz netten Action-Abenteuerfilm mehr zu machen. Alicia Vikanders Schuld ist das nicht, sie verkörpert die junge Lara glaubhaft und voller Charme. Die Mutlosigkeit der Produzenten macht "Tomb Raider" möglicherweise zur guten Unterhaltung für Neulinge in der Welt von Lara Croft, für die Millionen von Gamern da draußen ist er eine Enttäuschung, da so ziemlich alles fehlt, was das Spiel von 2013 so großartig gemacht hat.

Fazit: Zu wenig vom Spiel und zu wenig Mut

Für nicht allzu anspruchsvolle Actionfans mag "Tomb Raider" ganz gut funktionieren, Alicia Vikander gibt jedenfalls vollen Einsatz für die Rolle. Und auch der eine oder andere spannende Moment gelingt Regisseur Roar Uthaug ganz gut. Aber leider hat der Film nur wenig aus dem tollen Spiel von 2013 übernommen und viel neu dazu gedichtet. Und das ist alles deutlich schlechter, uninspirierter und langweiliger als das, was das Spiel eigentlich vorgegeben hat. Für einen möglichen zweiten Teil bleibt zu hoffen, dass sich die Macher dann enger ans ebenso tolle zweite Spiel halten, statt wieder die besten Teile wegzulassen. Der erste Versuch ist für Gamer jedenfalls keine große Nummer.


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