Goodbye, Monster-TV! Hallo, Virtual Reality

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Sorgt die Videobrille für den Niedergang des Fernsehens?
Sorgt die Videobrille für den Niedergang des Fernsehens?(© 2015 Samsung, CURVED Montage)

Erinnert sich noch jemand an 3D? Vor zwei Jahren war es DAS Thema, alle TV-Hersteller setzten darauf, Filmen eine neue Dimension zu spendieren. Ein Rohrkrepierer, kaum einer schaut daheim 3D-Blockbuster – was nicht alleine an den Brillen liegt, die man dafür benötigt. Denn auch künftig werden gerade spezielle "Gläser" dafür sorgen, dass Inhalte ganz anders konsumiert werden – nur diesmal ohne Fernseher.

Fernseher sind blöd. Okay, einige TV-Geräte werden als smart verkauft, aber was können die Glotzen wirklich mehr, als in der Ecke rumzustehen? Eben. Den größten Teil des Tages sind die Fernseher nicht in Betrieb und zeigen nur eine große schwarze Fläche an. Ein Hingucker sieht anders aus. Aber ist das der Grund, weshalb die TV-Hersteller in der Krise stecken?

Nein, für den Niedergang des Fernsehens gibt es viele Gründe. Es wird immer schwieriger, potenziellen Kunden einen Grund für ein Update zu nennen. Egal, ob die Features 4K oder 3D heißen – warum sollte man ein neues Gerät kaufen, nur um die theoretische Möglichkeit zu haben, spezielle Inhalte abzuspielen? Zumal viele dieser Inhalte gar nicht zur Verfügung stehen. Also versucht man es mit smarten Features, wie einem Internetzugang und den Zugriff auf die Mediatheken der TV-Stationen. Nichts, was ein Computer oder Tablets nicht auch und vor allem deutlich besser können.

Erste Versuche sind beeindruckend

Hersteller wie Sony und Philips ziehen sich immer mehr aus dem TV-Geschäft zurück oder gehen Partnerschaften ein, um das Geschäftsrisiko zu minimieren. Wir können noch so sehr darauf warten, dass Apple mit einem TV-Gerät das Fernsehen revolutionieren wird. Der iPhone-Hersteller wäre allerdings gut beraten, sich nicht mit großen Screens zu beschäftigen, sondern kleinere Screens direkt vor den Augen zu platzieren – mit einer Videobrille.

Wie das geht, zeigen derzeit eindrucksvoll Unternehmen wie Sony (Morpheus), Facebook (Oculus Rift), Google (Google Glass), Samsung (Gear VR) und Microsoft (Hololens). So unterschiedlich die Konzepte auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Sie machen den Fernseher als Plattform für bewegte Inhalte überflüssig – auch wenn einige der ersten Videobrillen nicht unbedingt überzeugten.

Das hat mehrere Gründe

Allein statt gemeinsam
Wir leben in einer Ego-Gesellschaft. Inhalte werden alleine konsumiert. Wer kurz vor der Jahrtausendwende geboren wurde, nutzt den Fernseher nicht mehr als das Lagerfeuer, an dem man sich mit seiner Familie gemeinsam unterhalten lässt. Das TV-Programm lockt die junge Generation nicht mehr vor die Flimmerkiste, Inhalte werden bei Bedarf auf Youtube & Co. konsumiert. Dennoch schaut und spielt man nicht allein, durch das Internet bleibt man mit virtuellen Freunden vernetzt, konsumiert gemeinsam und kommuniziert währenddessen.

Qualität
Inhalte aus dem Netz sind permanent und in brillanter Qualität verfügbar – egal wo. Dank Datenflatrates und schnellen WLAN-Verbindungen lassen sich umfangreiche Spiele und Filme in HD-Qualität schnell auf Smartphones und Tablets laden. Angebote wie Maxdome und Netflix machen zudem Downloads überflüssig, Filme und Serien werden direkt auf die mobilen Gadgets gestreamt.

Mobilität
Es ist nicht mehr zeitgemäß, Inhalte in einer bestimmten Form nur an einem Ort zu schauen. Wir gewöhnen uns daran, jederzeit und überall Zugriff auf unsere Daten und Medieninhalte zu haben. Ob in der Bahn oder im Urlaub: Wir möchten nicht mehr darauf verzichten, eine neue Folge von "House of Cards" zu schauen, wenn uns danach ist.

Interaktion
Zwar sorgen Systeme wie Kinect dafür, dass man beispielsweise mit Spielen interagieren oder durch Gestensteuerung Inhalte aufrufen kann – aber der Blick ist dennoch immer starr auf den großen Bildschirm gerichtet.

Innovation
Inhalte verändern sich, werden greifbarer. Die ersten Filme und Spiele, durch die sich der Zuschauer wirklich bewegen kann und so noch tiefer in die Handlung eindringen kann, wurden bereits produziert.

Vereinfachung
Das Smartphone ist tatsächlich inzwischen die Schaltzentrale unseres digitalen Lifestyles geworden. Wir surfen, kommunizieren und konsumieren damit. Zusammen mit sehr guter Bildqualität sind das beste Voraussetzungen dafür, in Verbindung mit einer speziellen Brille ein privates Kinovergnügen zu haben.

Das Bild wandert mit

Noch wirken viele der VR-Brillen, die in diesem Jahr erscheinen, unförmig. Auch der Tragekomfort lässt noch zu wünschen übrig. Aber sie zeigen auch, wohin die Reise gehen wird – ob es uns gefällt oder nicht. Als versucht wurde, 3D fürs Wohnzimmer zu etablieren, gab es die Kritik, dass sich niemand mit einer Brille auf die Couch setzen will – zumal der Blick auch manchmal weg vom Fernseher wandert. Bei den Brillen-Konzepten stellt sich diese Frage nicht: Wandert der Blick und dreht sich der Kopf, verändert sich auch das dargestellte Bild. Und obwohl die Smartphone-Displays gerade einmal sechs Zoll groß sind, zaubern sie eine riesige Leinwand vors Auge.

In Kombination mit Wearables, die als Controller dienen und so auch die Bewegungen von Beinen und Armen digital erfassen, können Nutzer sogar durch Filme und Spiele wandern. Aber wahrscheinlich wird es erst einmal die Porno-Industrie sein, die wieder einmal dafür sorgen wird, dass sich die neue Technologie ganz "gefühlsecht" durchsetzt – wie schon zuvor bei VHS-Kassetten, Blurays und Internet-Videos. Doch auch wer keine Erotik-Filmchen mag: Profitieren werden alle davon – nur nicht die Hersteller von TV-Geräten.

Abschied in Raten

Noch kaufen Konsumenten große Fernseher, doch für die Hersteller der Geräte sind kaum noch große Margen drin. Der Preisverfall im TV-Sektor ist gewaltig. Selbst große Sport-Events wie Fußball-Weltmeisterschaften  sorgen nicht mehr für große Zuwächse. Die Sehgewohnheiten verändern sich rasant. Bietet der Wohnraum die Möglichkeit, setzen Konsumenten verstärkt auf Projektoren. Gerade in Großstädten, wo der bezahlbare Wohnraum knapp wird, genügt es vielen, ihre TV-Serien auf kleinen Bildschirmen  zu schauen - oder eben künftig per Brille in Kinogröße. Ohne dabei jemanden zu stören und an einen bestimmten Platz gebunden zu sein.

Das Mehr an Mobilität wird auch sichtbar: So könnten dank Brille sogar Live-Events viel interessanter werden. Beispielsweise würden sich Fußball-Fans bei einer Bundesliga-Partie nicht mehr aus der Wohnung bewegen müssen, um sich so zu fühlen, als wären sie mitten im Stadion. Das wird kein Fernseher schaffen.

Die virtuelle Brille ist der erste Schritt zum Holodeck, welches wir aus "Star Trek" kennen. Wir tauchen ein in eine andere Welt – oder einfach in das Museum um die Ecke. Werden eins mit dem Film oder Spiel. Ein Zukunftsszenario? Nein, schon in Kürze in Euren Wohnzimmern.


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