Huawei P40 für 800 Euro: Ist das ohne Google-Dienste gerechtfertigt?

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Das Huawei P40 (Pro) erscheint am 26. März
Das Huawei P40 (Pro) erscheint am 26. März(© 2020 Twitter/Even Blass)

Unmittelbar vor der offiziellen Enthüllung des Huawei P40 und P40 Pro sind zu beiden Geräten alle Details aufgetaucht – darunter auch der Preis. Nimmt man diesen und schaut sich die Features (und die Dinge, die fehlen,) an, macht sich Ernüchterung breit. Denn die fehlenden Google-Dienste sind nicht die einzige Schwachstelle.

Das Huawei P40 mit 5G-Support soll angeblich 799 Euro kosten, die Pro-Version dürfte ab 999 Euro erhältlich sein. Für euer Geld bekommt ihr unter anderem eine 50-MP-Kamera, ein 8-MP-Tele-Objektiv und eine Ultraweitwinkel-Linse (16 MP). Das Kamera-Setup des Huawei P40 Pro liest sich noch einmal etwas besser. Um die Qualität der Kamera müsst ihr euch allerdings ohnehin wohl keine Sorgen machen.

Dies gilt auch für Chipsatz und Speicher. Das Handy dürfte auf vielen Ebenen überzeugen. Es sind andere Dinge, wegen denen Huawei den Anschluss verlieren könnte. Das Huawei P40 hat angeblich einen 6,1 Zoll großen (oder kleinen?) Bildschirm, dieser löst offenbar mit 2340 x 1080 Pixel auf. Dies entspricht einer FHD+-Auflösung.

Display: Samsung hat die Nase deutlich vorne

Auf die knackscharfe WQHD+-Optik (wie beim Galaxy S10 und S20) verzichtete Huawei bereits beim P30 (Pro) – obwohl viele Experten etwas anderes erwartet haben. Den nächsten Schritt scheint Huawei nun erneut zu verweigern. Das ist per se nicht dramatisch. Ein weiters wichtiges Merkmal für eine scharfe Darstellung ist schließlich die Pixeldichte, die beim P40 bei 441 ppi liegen soll. Dies sind allerdings auch weniger als die 566 ppi des Galaxy S20 oder 458 ppi des iPhone 11 Pro.

Als Samsung das Galaxy S10 vorstellte, gab es einige Kritiker. Sie vermissten unter anderem ein 90-Hz-Panel. Huawei schenkt euch dieses beim P40 Pro angeblich. Das Problem: Das S10 ist das Galaxy-Flaggschiff aus dem letzten Jahr und dessen Nachfolger kommt auf eine Bildwiederholrate von 120 Hz. Diese ermöglicht eine noch flüssigere Darstellung. Viele, die ein solches Panel einmal genutzt haben, wollen es nicht mehr missen.

Akku und Aufladen: Huawei setzt keine neuen Maßstäbe

Zudem soll nur das Huawei P40 Pro Wireless Charging unterstützen. Demnach seid ihr bei der Standard-Version an kabelgebundenes Aufladen angewiesen. Dies ist im Premium-Segment heutzutage fast schon unüblich. Bei Samsung und Apple ist das Wireless-Feature Standard. Die Zukunft ist schließlich kabellos. Die Akkukapazität des P40 (3800 mAh) hat gegenüber dem Galaxy S20 (4000 mAh, 6,2 Zoll Display) ebenfalls das Nachsehen, was auch für das Fast Charging (22,5 Watt vs. 25 Watt) gilt.

... und dann wären da noch die fehlenden Google-Dienste

Ihr müsst beim Huawei P40 (Pro) auf eine offizielle Android-Version verzichten und euch mit einer Open-Source-Version von Android 10 zufriedengeben (Stichwort: Android-Bann). Auch der Play Store fehlt. Das bedeutet: Kein Gmail, Google Maps, YouTube und Co. Es gibt zwar Mittel und Wege, die Apps dennoch auf ein Huawei-Smartphone zu bekommen, das ist allerdings keine optimale Lösung.

Ein Nachteil von mehreren: Die Apps lassen sich zwar installieren, ihr habt aber keinen Zugriff auf die Google Mobile Services. Eure Apps können daher nicht auf den Cloud-Service zugreifen, den sie aber benötigen, um vollumfänglich funktionieren zu können. Zudem schmeckt Google ein solches Vorgehen überhaupt nicht.

Huawei hat zwar eine AppGallery, die eigenen Angaben zufolge der drittgrößte Store der Welt ist. Das Angebot bedient derzeit allerdings eher Nutzer aus China. Huawei will da noch nachbessern. Die Frage ist nur, ob App-Entwickler wirklich ihre Zeit in Geräte investieren, die in Europa nahezu nicht relevant sind. Genau das ist derzeit jedoch der Fall – obwohl Huawei in diesem Jahr eigentlich Samsung als weltgrößten Smartphone-Hersteller ablösen wollte.

Längst ist der Hersteller zum prominentesten Opfer im Handelsstreit zwischen China und den USA avanciert. Im Februar musste Huawei sogar Xiaomi an sich vorbeiziehen lassen. Seine Vision vom Smartphone-Thron hat das chinesische Unternehmen daher sicher längst verworfen.

Donald Trump als letzte Hoffnung?

Insbesondere die Kamera des Huawei P40 wird überzeugen, davon sind wir fest überzeugt. Ein tolles Kamera-Setup und andere Top-Features dürften aber nicht ausreichen, um hierzulande den großen Makel der fehlenden Google-Dienste zu vertuschen. Dazu wäre ein Smartphone nötig, das alles andere überstrahlt und die Konkurrenz in den Schatten stellt. Das können wir anhand der Specs von Display und Akku nicht behaupten.

In der Summe der Nachteile ist das Handy sein Geld wohl nicht wirklich wert. Und obwohl es rund 200 Euro günstiger ist als die Samsung-Konkurrenz, wird das Huawei P40 daher in Europa wahrscheinlich (leider) unter ferner liefen laufen. Es sei denn US-Präsident Donald Trump zeigt im Handelsstreit Gnade. Nur sollte Huawei darauf seine Hoffnungen legen?

Wie findet ihr die Spezifikationen des P40 – "Her damit" oder "Na ja"?


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