Samsung Galaxy S6 in zwei Versionen: Pro und Contra

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Eine Version des Galaxy S6 könnte mit abgeknicktem Screen kommen ...
Eine Version des Galaxy S6 könnte mit abgeknicktem Screen kommen ...(© 2014 CURVED)

Samsung nächstes Flaggschiff-Smartphone, das Galaxy S6, erwarten wir Anfang März zum Mobile World Congress in Barcelona. Nun scheint sich zu manifestieren, dass die Koreaner dann gleich zwei Modelle vorstellen werden: Beide im neuen Gewand, aber eines mit einem regulären, planen Screen und ein weiteres mit abgerundeten Displaykanten, wie wir es schon beim Galaxy Note Edge gesehen haben. Eine solche Präsentation von zwei Varianten ein und desselben Gerätes wäre einerseits irgendwie doof — macht auf der anderen Seite aber auch durchaus Sinn.

Meine Beziehung zu Smartphones von Samsung ist lang und bewegt – und zwiespältig. Als das Unternehmen, dass mir nach dem i900 Omnia mit dem i9000 den Einstieg in die Android-Welt ebnete und auch global mit dem S1, dem S2 und auch noch dem S3 dem mobilen OS von Google zum Erfolg verhalf, verneige ich mich als Android-Fan natürlich in Dankbarkeit vor dem Konzern. Auch für die zahlreichen schönen Stunden mit den genannten Smartphones, vor allem dem i9300 Galaxy S3, bin ich Samsung verbunden.

Bis Ende 2014 stand ich Samsung ob seiner schnöden Designstrategie, seinem lieblosen Modell-Recycling und der teils unverschämten Preispolitik allerdings auch oft genug skeptisch gegenüber und sah zuweilen in Samsung Mobile das Apple der Android-Welt. Deswegen habe ich auch das Galaxy S4 wie das S5 gemieden und mich lieber dem Nexus 5 oder gar Geräten von Huawei zugewandt.

Dann aber – und es begann eigentlich schon mit den tollen neuen Galaxy Tabs S – kamen das Galaxy Alpha, das Note 4 und das Note Edge und es ließ sich ahnen: In Korea wird umgedacht, plötzlich mehr Wert auf Design gelegt und mit dem Edge gar das vielleicht innovativste Smartphones des vergangenen Jahres auf den Markt geworfen. (Klar, eines Tages, in ein, zwei Jahren wird es vielleicht auch ein iPhone mit geknicktem Screen geben, und dann wird es heißen, Cupertino hätte das erfunden und groß gemacht und erst mit iOS mache das wirklich Sinn. Bis dahin gebührt aber Samsung dieser Ruhm.) Samsung und ich — das ist eine Beziehung mit Höhen und Tiefen, ganz so wie im richtigen Leben.

Warum ich das erzähle? Weil ich an dieser Stelle zugeben muss, dass ich auf das kommende Galaxy S6, das das Ergebnis und die vorläufige Krönung des angesprochenen Paradigmenwechsels bei Samsung sein wird, insgeheim mal wieder gespannt bin wie ein Flitzebogen; ja mich darauf sogar freue wie zuletzt auf das Galaxy S3. Und dann soll jüngsten Meldungen zufolge das S6 auch noch in zwei Versionen erscheinen... Moment mal, zwei Galaxy S6? Eines "normal", das andere "Edge"… Was soll das denn?

Keine Zwei-Flaggschiff-Gesellschaft, bitte!

Mit dem Galaxy Note Edge hatte Samsung im September ebenfalls eine zweite Variante des Hauptgerätes Note 4 präsentiert. Eine, die uns ganz ausgezeichnet gefallen hatte und die aufgrund der Novität des abgeknickten Display eine gewisse Daseinsberechtigung hatte: Samsung wollte erst einmal schauen, wie so ein geschwungener Screen ankommt, und vermutlich konnten die Koreaner auch die dafür nötige Display-Technologie nicht der Masse herstellen, die für die zu erwartenden Abverkäufe aller Note 4-Geräte notwendig gewesen wären. Auch ist das Edge nicht unerheblich teurer als das reguläre Note 4, was möglicherweise nicht jeder potenzielle Phablet-Kunde, der den Knick im Screen nicht benötigt, akzeptieren würde.

Das Note Edge lassen wir als Novum also durchgehen, aber muss sich das jetzt beim S6 exakt so wiederholen? Der Markt wurde doch nun geprüft, Samsung müsste wissen, ob ein an den Rändern gebogenes Display sich verkauft oder den Nutzern zu exotisch und zu teuer ist. Und wenn sich ein solcher Screen weiterhin nur in kleinen Stückzahlen und zu deutlich höheren Preisen produzieren lässt, dann sollten sie es vorerst komplett sein lassen — oder später ein anderes Gerät im Smartphone-Format herausbringen, dass dann nur Edge heißt; so wie sie es im Herbst 2014 mit dem Alpha gemacht haben.

In ein Smartphone-Flaggschiff gehört meines Erachtens der aktuelle, mach- und bezahlbare Stand der Technik. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es den Galaxy S6-Käufern, die 600 Euro oder gar 700 Euro für ihr neues Smartphone hingeblättert haben, ein gutes Gefühl gibt, nicht das absolute Top-Modell erworben zu haben — nur weil sie nicht bereit waren, noch einmal 150 Euro oder 200 Euro draufzulegen. Wir sprechen hier schließlich nicht von einer Speichervariante, sondern von einem essenziellen Unterscheidungsmerkmal des Gerätes.

Ich bin also schwer dagegen, dass wir auf dem MWC oder einem Termin um die Messe herum gleich zwei Varianten des Galaxy S6 aufgetischt bekommen ...

Oder: Für jeden Geschmack das richtige Galaxy S6?

Anderseits ... es wäre nicht ganz unsinnig, ein so umstrittenes Feature optional zu machen. Am abgeknickten Screen des Note Edge scheiden sich bislang die Geister: Ich für meinen Teil finde es großartig, viele Bekannte und Kollegen sind ebenfalls schwer beeindruckt von diesem Stück wahrgewordener Zukunftstechnologie. Genauso viele Nutzer, Journalisten und Experten aber stören sich an der Haptik, halten den Knick für unnütz oder gar in der Benutzung störend — Stichwort: ungewollte Eingaben.

Ist es also nur logisch, dass Samsung nicht all denen, die sich auf das Galaxy S6 freuen, die einfach ein gutes, schnelles und in diesem Jahr vielleicht auch mal wieder besonders attraktives Superphone aus Korea erwerben möchten, nicht gleich den Feature-Overkill mit einem Display offeriert, das nur einen Teil der Kundschaft anspricht?

So könnte man das jedenfalls verargumentieren, und auch ich könnte dann meinen Frieden mit einem Doppel-Release schließen — allerdings nur, wenn das S6 Edge dem S6 ansonsten technisch absolut gleicht und der Aufpreis für die gewölbte Version im Rahmen, oder besser noch, nicht existent ist (letzteres wird freilich nicht eintreten, aber man darf ja träumen).

Die beiden letztgenannten Faktoren sind eminent wichtig, um die oben erwähnte Zweiklassen-Gefahr abzuwenden. Ich habe tatsächlich wenig Zweifel daran, dass sich beide Modelle unter der Haube technisch wenn, dann nur marginal unterscheiden werden. Beim Preis fürchte ich allerdings, dass Samsung für eine Edge-Version ordentlich draufschlagen wird. Inwieweit der Markt dann — sowie wie ansatzweise beim Note Edge geschehen — regulierend eingreifen und diesen etwaigen Aufpreis ausgleichen wird, bleibt dann abzuwarten.

Zwei Varianten des Galaxy S6 — das hätte also sein Vor- und Nachteile. Ich bin wieder einmal hin- und hergerissen und frage mich, warum meine Beziehung zu Samsung immer eine so komplizierte ist ...


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