Studie: Fitnesstracker überschätzen den Kalorienverbrauch oft deutlich

Wie zuverlässig tracken Wearables eigentlich den Kalroienverbrauch? Eine britische Studie hat dies erstmals untersucht.
Wie zuverlässig tracken Wearables eigentlich den Kalroienverbrauch? Eine britische Studie hat dies erstmals untersucht.(© 2019 Getty Images)

Dass neueste Fitnesstracker immer smarter werden, zeigen nicht zuletzt unsere Testberichte: Akku, Schrittzähler, GPS, Herzfrequenzmessung, Sportartenerkennung, Schlaftracking und Co. werden immer ausgereifter. Doch wie zuverlässig ist eigentlich der ermittelte Kalorienverbrauch im Alltag und beim Sport? Dieser Frage haben sich nun britische Wissenschaftler angenommen – mit enttäuschenden Ergebnissen.

Fast jeder Vierte hat bereits einen Fitnesstracker an der Hand, wie eine Studie zum Thema Technik-Innovationen 2018 von SPLENDID Research zeigte. Tatsächlich werden die smarten Armbänder technisch auch immer umfangreicher und ausgereifter. Wir bei CURVED bewerten in unseren Geräte-Tests standardmäßig Funktionen wie die Herzfrequenzmessung oder GPS-Leistung. Doch wie steht es eigentlich um die Angaben zum Kalorienverbrauch? Um der Verlässlichkeit dieser Fitnessdaten auf die Schliche zu kommen, müsste man schon eine größere Studie mit High-Tech fahren. Genau das haben die britischen Kollegen der BBC-Sendung "X-Ray" jetzt getan, mit Unterstützung und Equipment der Aberystwyth University in Wales.

Britische Wissenschaftler testeten drei Fitnesstracker auf dem Laufband

Für den Versuch haben Rhys Thatcher und sein Forschungsteam zwölf Probanden, also je sechs Männer und Frauen, die meistverkauften Fitnesstracker in Grossbritannien testen lassen. Dabei handelte es sich um die hierzulande unbekannten Einsteigergeräte "Letscom HR" und "Lesfit", die um die 30 Euro kosten. Außerdem wurde der gut 90 Euro teure Mittelklasse-Tracker Fitbit Charge 2, der auch in Deutschland sehr gefragt ist, in die Untersuchung einbezogen.

Gegenüber der BBC zog Studienleiter Rhys Thatcher sein Fazit: "Einige der Geräte haben den Verbrauch von Kalorien zu hoch und andere zu niedrig angegeben." So habe beispielsweise der Fitbit Charge 2 den Kalorienverbrauch beim Gehen auf dem Laufband  doppelt so hoch angesetzt. Das Spannende aber ist, dass der Fitbit-Tracker dafür beim Joggen bei 8 km/h auf dem Laufband nahezu identische Kalorienwerte anrechnete, wie die Wissenschaftler mit ihren Profigeräten ermittelt hatten. Dafür hatten sie das Verhältnis zwischen der Energiemenge, die die Probanden verbrauchten, mit der Sauerstoffmenge die sie verbrannten, untersucht. Das Charge 2 wies beim Joggen nur eine Abweichung von vier Prozentpunkten unter dem wissenschaftlichen Vergleichswert auf. Die anderen beiden Testgeräte lagen mit ihrem geschätzten Kalorienverbrauch beim Gehen im Schnitt ein Drittel unter dem der Wissenschaftler. Beim Lauftest überschätzte der Letscom-Tracker die Leistung um 15 Prozentpunkte, während das Letsfit-Band nur zwei Prozentpunkte über dem Vergleichswert lag. Interessanterweise ermittelten alle drei Testgeräte bei den Frauen einen realistischeren Kalorienverbrauch als bei den Männern. Das könnte daran liegen, dass die Wearbales der Muskelmasse nicht genug Beachtung schenken. Männer haben von Natur aus mehr Muskeln und die verbrauchen auch im Ruhezustand mehr Energie.

Fitness-Wearbles aller Preisklassen liefern nur Schätzwerte

Der Versuch beweist einmal mehr, dass Fitnesstracker bloß Schätzwerte liefern, die je nach Trainingsintensität mal mehr oder weniger zuverlässig ausfallen. Darin unterscheiden sich teure Geräte nicht wesentlich von günstigen. Solange man seinen Fitnesstracker vorrangig zu Motivationszwecken nutzt, indem man sich zu mehr Schritten und Bewegung im Alltag animieren oder sich regelmäßig ans Aufstehen vom Schreibtisch erinnern lässt, sind solche Abweichungen unerheblich.

Wer seinen Alltag mit Wearables trackt, sollte bedenken, dass diese gerade in Bezug auf die Kalorienbilanz nicht immer richtig schätzen.(© 2019 Getty Images/iStockphoto)

Problematisch wird es aber, wenn man Abnehmziele verfolgt. Der Erfolg jeder Diät hängt in erster Linie von der richtigen Ernährung und weniger von Sport ab und wenn man seinen Kalorienbedarf dauernd überschätzt, dann werden die Fettpölsterchen auch nicht weniger. Auch wer Muskeln aufbauen will, aber ohne es zu ahnen im Kaloriendefizit bleibt, wird irgendwann gefrustet sein, warum sich der Körper nicht wie gewünscht verändert.

Welche Lehren können Wearable-Fans ziehen?

Thatcher rät dazu, weniger auf die nackten zahlen zu schauen, wie viele Kalorien man verbrannt hat, sondern generell die Aktivitäten im Alltag deutlich hochzuschrauben: "Ein fünfminütiger Spaziergang ist besser als nichts, und ein zehnminütiger Spaziergang ist besser als ein fünfminütiger Spaziergang." Wenn man also öfter zu Fuß geht oder auf das Fahrrad umsteigt und sich feste Trainingstage einplant, dabei aber nicht mehr isst als zuvor, dann wird man auch mehr Kalorien verbrennen als zuvor. Klingt logisch, oder?

Das Kalorienzählen mithilfe von Apps ist definitiv sinnvoll, weil man in aller Regel gar nicht ahnt, wie viel Energie man sich täglich einverleibt und so ein besseres Gefühl für Ernährung entwickelt. Der allgemeiner Richtwert zum täglichen Kalorienbedarf liegt bei Männer bei etwa 2.000 Kilokalorien und bei Frauen um 1.800 Kilokalorien. Ein gesundes Abnehm-Maß sollte ein Defizit von 500 Kilokalorien nicht überschreiten. Gerade Frauen essen oft zu wenig und wundern sich, wenn der Körper bei weniger als 800 Kilokalorien täglich über einen längeren Zeitraum in den Hungermodus schaltet und sich an die Fettreserven klammert. Wer körperlich hart arbeitet oder viel trainiert, verbrennt definitiv mehr Energie als der Durchschnitt. Hier können Körperanalyse-Waagen auf Basis des Muskelanteils einen Einblick in den Grundumsatz liefern.


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