"Titanic"-Regisseur spricht Klartext: Darum musste Jack einfach sterben

Jack und Rose: "Wenn du springst, springe ich auch!"
Jack und Rose: "Wenn du springst, springe ich auch!"(© 2017 picture alliance / Everett Collection)

"Wie konnte Rose das bloß zulassen? Da war doch noch Platz auf der Tür!" 20 Jahre nach dem Untergang der Film-Titanic spricht Regisseur James Cameron ein Machtwort.

20 Jahre ist es her, dass wir verheult im Kino saßen, weil Jack nicht zu Rose auf die schwimmende Tür passte und stattdessen tot daran festgefroren war. Zwei Jahrzehnte lang quält uns immer noch die Frage nach dem "Warum?!" Schluss damit, sagt nun auch Regisseur James Cameron. Der weiß nämlich: Jack musste – so oder so – sterben. Warum dabei die Gesetze der Filmdramaturgie mit den Gesetzen der Physik kollidieren, lest ihr hier.

"Wenn du springst, springe ich auch! (...Aber wenn du erfrierst, chille ich auf einer Tür.)"

Die Gesetze der Filmdramaturgie wollten Jack tot sehen

Regisseur James Cameron wirkt genervt: Auch zwanzig Jahre nachdem die Film-Titanic gesunken ist (und über 100 Jahre nachdem das echte Schiff auf Grund ging) wollen die Spekulationen um Jacks Filmtod nicht abreißen. Warum war Rose so egoistisch? Dabei war sie das doch gar nicht, das war James Cameron, der Schuft!

"Eigentlich war es ganz simpel," erklärt James Cameron nun gegenüber Vanity Fair: "Auf Seite 147 [des Scripts] steht, dass Jack stirbt. Es war eine künstlerische Entscheidung. Das Teil war nur groß genug, sie zu tragen. Ich finde es albern, dass wir 20 Jahre später noch diskutieren. Aber es zeigt auch, dass die Machart des Films effektiv war. Und es rührt mich, dass das Publikum so unter Jacks Tod leidet. Hätte er gelebt, wäre das Ende der Geschichte bedeutungslos. In dem Film geht es um Tod und Trennung, er musste sterben. Wenn nicht auf diese Weise, dann weil ein Schornstein auf ihn fällt. Dinge passieren aus künstlerischen Gründen, nicht physikalischen."

Wir Hobby-Physiker wissen es besser: Die Gesetze der Physik hätten Rose und Jack retten können

Auch wenn wir alle es beim Untergang der Titanic natürlich besser gewusst hätten und wir allesamt unsere Liebsten gerettet hätten: Den physikalischen Beweis dazu brauchten wir für unsere Erkenntnis nicht. Dabei war das Ganze 2012 Gegenstand der Doku-Serie "Mythbusters", welche die Tragfähigkeit der Tür unter die Lupe genommen haben. Damit aber nicht genug: Auch im fernen Australien stellt man im Jahre 2017 noch Berechnungen an und liefert wissenschaftlich fundierte Beweise – und die kommen von drei Schülerinnen, die sich sich beim National Maths Talent Quest ganz der Frage gewidmet haben: Wie hätte die Tür sowohl Jack als auch Rose tragen können? Wir ersparen euch die ganzen physikalischen Details (die Schwimmeigenschaft der Tür, die Materialien, der Salzgehalt des Atlantischen Ozeans), aber Fakt ist: Rose und Jack hätten beide ihre Schwimmwesten ausziehen (!) und unter die Tür legen müssen. Dann hätte die Tür beide getragen.

Hätte, hätte, Fahrradkette: Die Gesetze des gesunden Menschenverstands wissen es am besten

Was in den komplizierten physikalischen Berechnungen sicherlich nicht berücksichtigt wurde ist wohl Folgendes: Bei minus 2 Grad kaltem Wasser liegt einem nichts ferner, als ein Kleidungsstück abzulegen. Auch die Tatsache, dass der verarmte Jack Dawson aus Chippewa Falls in seinem (vermutlich sehr umfangreichen) Physikunterricht genau an dem Tag nicht gut aufgepasst hat, wo es um Wasserverdrängung ging und das Gelernte inmitten lähmender Kälte, Schock und nahender Ohnmacht einfach nicht abrufen konnte, war offenbar nicht Gegenstand der Betrachtungen. Ebensowenig die Tatsache, dass die reiche, behütete Rose wohl nicht das harte Überlebenstraining der Navy Seals absolviert hat.

Wie dem auch sei: Rufen wir uns doch mal ins Gedächtnis, dass es nicht nur die mysteriöse Ein-Mann-Tür war, die Titanic zu einer Filmperle machte, sondern auch die glänzenden Oscars. Wenn Rose es geschafft hat über Jacks Tod hinwegzukommen – warum wir nicht?

Für alle Memmen, die auch 20 Jahre später noch nach Trost suchen, haben wir hier noch etwas: Schaut mal, Jack ist wieder aufgetau(ch)t – und es geht ihm blendend!