Ausprobiert: Dieser Akku lädt das iPhone 80 Mal - mit einer Flasche Feuerzeuggas

Klingt wie Zukunftsmusik, ist aber heute schon Realität: Das Dresdner Start-up eZelleron hat ein mobiles Akkupack entwickelt — das eigentlich gar kein Akkupack ist, sondern ein Brennstoffzellen-Kraftwerk für die Hosentasche. Mit schnödem Feuerzeuggas sollen Nutzer so wochenlang unabhängig vom Stromnnetz sein. Alles nur ein Werbegag? Wir waren vor Ort im"Silicon Saxony" und haben die Zukunft des mobilen Ladens ausprobiert.

Das größte Manko moderner Gadgets vom Smartphone bis zur Action-Kamera sind die verhältnismäßig kleinen Akkus in den Geräten, die je nach Nutzung und Gerätekategorie täglich oder gar stündlich aufgeladen werden müssen. Aufgrund physikalischer Realitäten wird sich daran wohl auch in nächster Zeit nicht allzu viel ändern. Wir wollen aber im Idealfall immer Strom, egal wann und wo, um — salopp ausgedrückt — ständig connected sein zu können.

Die Lösung: Akkupacks, die als mobile Stromspeicher fungieren und unsere Gadgets bei Bedarf unterwegs aufladen. Deren Nachteil ist aber wiederum, dass auch sie ab und an ans Stromnetz angeschlossen werden müssen — denn die Energie, die sie weitergeben sollen, kommt ja nicht aus der Luft ... oder etwa doch?

Brennstoffzellen, wie sie uns bislang eher aus dem Automobil-Sektor bekannt sind, sind in der Lage, einen zugeführten Brennstoff, zum Beispiel Gas, in elektrische Energie umzuwandeln. Damit sind die unabhängig vom Stromnetz und können in der Theorie wie ein Campingkocher oder ein Feuerzeug einfach aus Gaskartuschen befüllt werden. Daher ist es seit Jahren der Traum jedes Gadget-Fans, diese Konzepte in miniaturisierter Form als immer bereiten Stromgeber mit sich herumtragen zu können. Wahr geworden ist dieser Traum nun in Dresden.

Das kraftwerk läuft!

Innerhalb von weniger als zwei Wochen hat das in der sächsischen Landeshauptstadt ansässige Start-up eZelleron auf Kickstarter die gewünschte Backing-Summe von 500.000 Dollar einsammeln können, inzwischen wurden bereits über 700.000 Dollar "ge-pledget". Die Zukunft des kraftwerk, so der schlichte aber treffende Name der Brennstoffzelle für die Hosentasche, scheint also gesichert.

Und auch das, was wir vor Ort in Dresden bereits sehen durften, sorgt bei uns für Optimismus: Der Prototyp des kraftwerk, der sich bis auf das Material des Gehäuses und ein paar noch fehlenden Komfortfeatures, wie eine LED-Ladestandanzeige, technisch nicht von den späteren Serienmodellen unterscheiden soll, läuft bereits einwandfrei. Wie von den Machern versprochen, wird das etwa Zigarettenschachtel-große Gadget tatsächlich innerhalb nur weniger Sekunden von einer handelsüblichen Nachfülldose für Feuerzeuge befüllt und lädt dann über den USB- oder Micro-USB-Port verbundene Geräte auf; nicht schneller, aber dank 2 Watt Ausgangsleistung und 5 Volt Ausgangsspannung  auch nicht langsamer als aktuelle Akkupacks. Und da das kraftwerk hauptsächlich aus dem Kanister für das Gas und der Isolation der Brennstoffzelle besteht, wiegt es mit nur 200 Gramm auch kaum etwas. Ob mit einer Füllung ein iPhone wirklich elf Mal geladen werden kann, konnten wir bei unserem kurzen Ausprobieren nun nicht verifizieren.

Negativpunkte gibt es aber natürlich auch. Da wäre zum einen der verglichen mit einem externen Akku relativ hohe Preis: Derzeit können Backer sich auf Kickstarter noch ein Exemplar des kraftwerk für 99 Dollar (etwa 85 Euro) sichern, wenn das Gagdet in den regulären Handel kommt, werden nach jetziger Planung 149 Dollar (rund 130 Euro) fällig. Aber wir haben es hier ja eben auch nicht mit einem schnöden Energeispeicher, sondern einem High-Tech-Mini-Kraftwerk zu tun. Erste Exemplare sollen schon Ende 2015 an die Vorbesteller gehen, mit dem Verkaufsstart im Handel ist erst Anfang 2016 zu rechnen.

Prekärer Flugbegleiter

Neben dem Outdoor-Einsatz ist kraftwerk prädestiniert, als Reisebegleiter zu fungieren, der seine Nutzer auf Businesstrips ebenso "unter Strom" hält wie auf Urlaubsreisen. Zwar hat eZelleron für sein Gadget eine Freigabe der US-Luftfahrtbehörde FAA, die es sogar erlaubt, das kraftwerk und zwei offizielle Nachfüllkartuschen im Handgepäck an Bord eines Flugzeugs zu bringen, und legt dem Produkt eine entsprechende Unbedenklichkeitserklärung zum Vorzeigen an den Sicherheitsschleusen der Flughäfen bei; dass es vor allem solange dieses Produkt eine relative Neuheit ist, nicht doch zu Diskussionen mit dem Sicherheitspersonal und eventuell gar zur erzwungenen Abgabe des kraftwerk bei Flugreisen kommt, kann leider nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden.

Auf der Gegenseite winkt schier grenzenlose Unabhängigkeit vom Stromnetz: Allein eine handelsübliche Nachfülldose für Feuerzeuge beinhaltet 300 ml Gas; das kraftwerk fasst 40 ml — damit ließe sich dann ein iPhone also mehr als 80 Mal aufladen. Und wer gleich zwei oder drei Kartuschen einpackt, der baucht wochenlang gar keine Steckdose mehr aufsuchen. Außerdem erlaubt kraftwerk das kontinuierliche Laden von Gadgets und kann somit also auch Action-Kameras, möglicherweise und entsprechende Halterungen vorausgesetzt ja zu einem späteren Zeitpunkt auch Drohnen am Stück mit Energie füttern und so bisher ungeahnte Laufzeiten realisieren.

Es scheint, als wurde in Dresden die Zukunft der mobilen Stromversorgung eingeleitet. Wir werden kraftwerk definitiv im Auge behalten und freuen uns schon jetzt auf unseren ersten Feldtest mit der Brennstoffzelle.


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